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ROYALS: Wie ein Butler ein »Blutbad« anrichtete

Das Jahr endet für die Queen in Tränen. Jetzt kommt's noch dicker: Einer der engsten Mitarbeiter des Thronfolgers soll einen ehemaligen Kammerdiener betrunken gemacht und dann vergewaltigt haben.

Königin Elizabeth II. (76) hatte lange eine Lieblingsserie im Fernsehen: »Das Haus am Eaton Place«. Sollte irgend jemand noch geglaubt haben, dass alle Butler so verschwiegene Eckensteher sind wie der kultivierte Mr. Hudson aus den TV-Episoden der 70er Jahre, so ist er in den vergangenen Tagen eines Besseren belehrt worden. Paul Burrell (44), der ehemalige Butler und Vertraute von Prinzessin Diana, hat die weißen Handschuhe abgestreift und unter den Royals ein »Blutbad angerichtet« (The Guardian).

Das Jahr des Goldenen Thronjubiläums endet für die Queen in Tränen. Schon vor Tagen war sie von ihren Gefühlen übermannt worden - und da stand das Schlimmste noch bevor. Denn jetzt geht es nicht mehr um solche Kinkerlitzchen wie den Umstand, dass sich Prinz Charles (53) bei einer Urinprobe im Krankenhaus von einem Diener das Fläschchen halten ließ. Jetzt geht es um Vergewaltigung.

Hat Charles die ganze Sache verheimlicht?

Einer der engsten Mitarbeiter des Thronfolgers soll den heute 42 Jahre alten ehemaligen Kammerdiener George Smith 1989 betrunken gemacht und dann vergewaltigt haben. 1995 habe er es in der britischen Botschaft in Kairo noch einmal versucht. Burrell hatte den Stein in dieser Woche mit kryptischen Andeutungen ins Rollen gebracht. Am Sonntag meldete sich dann das Opfer selbst zu Wort und warf Charles vor, die ganze Sache verheimlicht zu haben.

Die Vergewaltigungsvorwürfe seien auch der wahre Grund dafür, dass Charles und die Queen vor zehn Tagen den Diebstahlsprozess gegen Burrell gestoppt hätten: »Der Prinz hat alles vertuschen lassen«, sagte Smith. »Er wollte nicht, dass das im (Strafgericht) Old Bailey rauskommt.« Diana dagegen habe sich die Vorwürfe von ihm 1996 auf Kassette sprechen lassen - als letzte Munition im Scheidungskrieg gegen Charles. Nach dem Mitschnitt mit der Aufschrift »Die Bekenntnisse des George Smith« fahndet Scotland Yard offenbar seit Jahren.

Charles lässt alles dementieren, doch republikanisch gesinnte Unterhausabgeordnete wittern ihre Chance: Es sei inakzeptabel, »schwer wiegende Verbrechen zu vertuschen«, kritisieren sie. Jetzt müsse die volle Wahrheit aufgedeckt werden. »Das Palastgeheimnis, das «die Monarchie zu Fall bringen könnte»«, heißt bereits die Schlagzeile auf der Titelseite des »Sunday Express«.

Harrods-Besitzer Mohammed al-Fayed, der Vater des zusammen mit Diana tödlich verunglückten Dodi, fühlt sich in seinen Verschwörungstheorien bestätigt. Er glaubt seit langem, dass der britische Geheimdienst bei dem Autounfall seine Hände im Spiel hatte. Rechte Monarchisten machen unterdessen die »homosexuelle Mafia« am Königshof für das Fiasko verantwortlich. Was stimmt, ist, dass am Christopher Street-Day auf dem Buckingham-Palast die Regenbogenfahne gehisst werden könnte: Als ein konservativer Minister den Royals einmal empfahl, alle Homosexuellen zu entlassen, erwiderte ihm »Queen Mum«, dann müssten sie die Selbstbedienung einführen.

Immenser Schaden für das Königshaus

Ganz gleich ob Scotland Yard die Ermittlungen zu dem Vergewaltigungsfall wieder aufnimmt, der Schaden für das Königshaus ist »weit schlimmer« als alles bisher Geschehene, wie ein Höfling dem »Observer« versichert. Jede schlummernde Fehde bricht nun wieder hervor: Diana-Lager gegen Charles-Freunde, Windsors gegen Spencers, der Stab der Queen gegen das Thronfolger-Team.

»Eine Königsfamilie versüßt die Politik durch regelmäßig wiederkehrende schöne Ereignisse.« Diese Beobachtung des britischen Publizisten Walter Bagehot (1826-1877) war zum Goldenen Thronjubiläum wieder eifrig zitiert worden. Nun kommentiert der »Guardian«: »Kein Zweifel - die Monarchie wird auch diese Krise überleben. Aber man sollte sich dieser Momente erinnern, wenn wir das nächste Mal über das mythische Band der Verehrung belehrt werden, das uns angeblich an das Haus Windsor bindet.«

Christoph Driessen