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Ruby auf dem Wiener Opernball: Empörung über Lugners "fesche Oide"

"Traurig", "beschämend" und "pietätlos": Richard Lugners Plan, die Berlusconi-Gespielin Ruby zum Opernball auszuführen, sorgt in Wien für große Empörung. Alle Bemühungen, den Auftritt der 18-Jährigen zu verhindern, sind jedoch gescheitert.

Von Jens Maier

Seit Jahren sorgt er beim Wiener Opernball für Aufruhr. Mal bringt er Paris Hilton mit auf die altehrwürdige und konservative Veranstaltung der Wiener Society, mal Tatjana Gsell oder Pamela Anderson. Doch in diesem Jahr scheint Richard Lugner den Vogel abzuschießen. Der Bauunternehmer will Italiens Staatsaffäre Ruby als Begleiterin mitbringen. Die Wiener Bussi-Bussi-G'sellchaft schäumt. Nimmt er die 18-jährige Berlusconi-Bekannte wirklich zum Höhepunkt der Ballsaison am 3. März mit, drohen ihm die Organisatoren mit Konsequenzen fürs nächste Jahr.

"Das ist aber jetzt die größte Peinlichkeit, die Herr Lugner jemals gemacht hat. Es ist traurig, beschämend und pietätlos", schimpft Opernball-Chefin Desiree Treichl-Stürgkh. Sie habe eine schlaflose Nacht verbracht, nachdem sie von den Plänen Lugners erfahren habe, sagte sie österreichischen Medien. Vergeblich habe sie versucht, den 78-Jährigen am Telefon davon abzubringen, doch der konnte nichts Anstößiges an seinem Gast finden und habe abgewiegelt: Rubacuori sei doch eine "fesche Oide", was ins Hochdeutsche übersetzt so viel heißt wie eine "gutaussehende Frau", habe Lugner geantwortet.

Opernball-Chefin würde Lugner gerne ausladen

Inzwischen scheint der Besuch Rubys unvermeidlich geworden zu sein. "Wir haben gerade den unterzeichneten Vertrag bekommen", sagte "Mörtel" Lugner am Dienstag der österreichischen "Presse" zufolge. Bei Treichl-Stürgkh ist die Empörung so groß, dass sie sogar mit Konsequenzen fürs kommende Jahr droht. Weil Lugner seine Loge rechtmäßig gekauft habe, könne sie ihm diese dieses Mal nicht mehr wegnehmen: "Wenn ich es könnte, würde ich es sofort tun", sagte die Opernball-Leiterin, aber im kommenden Jahr werde er vielleicht nicht mehr berücksichtigt: "Wir haben sehr viele Vorbestellungen."

Als Lugner 2008 die Erotik-Tänzerin Dita von Teese in die Staatsoper mitbrachte, hatte ihn die Lifestyle-Publizistin, die den Ball seit 2008 leitet, noch vor öffentlicher Kritik verteidigt. Doch den Rummel um Ruby will sie nicht in den altehrwürdigen Mauern an der Ringstraße haben: "Ich habe nichts gegen das Mädchen. Sie ist ein Opfer, dass das Beste aus seinem tragischen Schicksal gemacht hat." Aber eine Prostituierte, die noch dazu in einem schwebenden Verfahren rund um den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi stecke, gehöre nun mal nicht auf den Wiener Opernball. Die gebürtige Marokkanerin soll als minderjähriges Call-Girl an den berüchtigten "Bunga-Bunga"-Partys von Berlusconi teilgenommen haben. Er ist deshalb angeklagt.

Den Alpen-Playboy "will niemand mehr"

Lugner habe sich mit der Einladung völlig ins Aus geschossen, so Treichl-Stürgkh: "Jetzt will ihn niemand mehr, außer vielleicht der Boulevard." Und der hat Lugner nach seinem jüngsten Coup den Spitznamen "Berlusconi von Wien" verpasst. Doch der Alpen-Playboy ist höchstens ein müder Abklatsch: Zwar hatte er mit einer Kandidatur als österreichischer Bundespräsident 1997 auch mal politische Ambitionen. Doch statt Medien zu besitzen, muss er fast zwanghaft in ihnen präsent sein. Potenz-Probleme oder chirurgische Nachbesserung seines alternden Köpers: Lugner ist nichts zu intim.

Dankbares Thema sind dabei auch seine wechselnden Begleiterinnen, denen er Tiernamen verpasst: Nach der vierten Gattin "Mausi" kam "Betti-Hasi", gefolgt von "Bambi". Aktuelle Gespielin ist das mehr als 50 Jahre jüngere "Katzi", das eigentlich Anastasia heißt. Ihre Medikamenten-Überdosierung und den dramatischen Gewichtsverlust ließ Lugner in einer Reality-Show über sein Leben verewigen.

Kritik an seinem Lebenswandel prallt an dem 78-Jährigen grundsätzlich ab, wie aktuell bei Ruby: Sie sei eine tolle Frau und werde sich benehmen, sagte er der Nachrichtenagentur APA. "Die Besucher und Besucherinnen am Opernball werden auch schon mal was mit jemandem gehabt haben." Seine größte Sorge derzeit ist, ob sein Einkaufszentrum dem Ansturm bei der Autogrammstunde gewachsen ist: "Der Trubel ist enorm. Ich habe Angst, dass uns die Leute die Türen einlaufen."

mit DPA