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Was macht eigentlich ...: ... Harry Wijnvoord?

Die Show wurde zum Kult und ihr Moderator zum Idol der deutschen Hausfrau. Doch nach fast neun Jahren und 1873 Folgen von "Der Preis ist heiß" war 1997 Schluss.

Eine große Packung Tempos kostet 1,69 Euro - stimmt der Preis? Ja oder nein.

Stimmt nicht, 1,59 Euro! Die goldene Regel bei "Der Preis ist heiß" war ja: Die Kandidaten sollten die Preise für bestimmte Haushaltsprodukte schätzen, ohne den korrekten Preis zu überbieten.

Unter den Hausfrauen in Deutschland hatten Sie in den Neunzigern einen Bekanntheitsgrad von 87 Prozent. Werden Sie noch heute im Supermarkt angesprochen ...?

Häufig. Meist sagen die Leute: "Mensch, Sie sehen ja besser aus als im Fernsehen!"

... und an der Wursttheke angebaggert?

Leider nicht! Mein Terrier Luna ist momentan meine einzige weibliche Begleiterin. Früher habe ich ja häufiger Liebesbriefe von weiblichen Fans bekommen.

Vor zehn Jahren waren Sie neben Rudi Carrell der bekannteste holländische TV-Moderator. Eine schöne Erinnerung?

Na klar! Besonders der Anfang von "Der Preis ist heiß" 1989 war toll. Kurz nach dem Mauerfall hatten wir die ersten Gäste aus den neuen Bundesländern im Studio. Eine Kandidatin gewann einen Mittelklassewagen: Am meisten freute sie sich darüber, dass das Auto auch einen Scheibenwischer hinten hatte!

Heute sieht man Sie kaum mehr im Fernsehen. In der Branche spricht man dann gern von kreativer Pause …

…von wegen! Ich würde gerne ein neues Format moderieren, aber ich bekomme nichts Gescheites angeboten! Schuld ist der Jugendwahn.

Wie meinen Sie das?

1997 setzte RTL "Der Preis ist heiß" trotz immer noch hoher Quoten ab. Der neue Unterhaltungschef wollte lieber billige US-Serien zeigen, um so mehr junge Zuschauer vor den Fernseher zu locken. Danach moderierte ich Kochsendungen und Teleshopping-Formate. Fürs Fernsehen arbeite ich nicht mehr.

Das heißt, Sie sind arbeitslos?

Im Gegenteil. Für ein deutsches Unternehmen mache ich Verkaufstrainings und Schulungen. Nebenbei war ich bis vor zwei Jahren als Pferde-Auktionator tätig und moderiere nach wie vor viele Firmenjubiläen, Tagungen und Messeveranstaltungen. Erst gestern habe ich einen großen Auftrag bekommen: Am 1. Mai soll ich eine Benefizgala der José-Carreras-Stiftung moderieren.

Aber Fernsehen scheint Ihnen zu fehlen.

Und wie! Obwohl ich eher zufällig reingerutscht bin.

Wie kam es dazu?

Nach der Schule sollte ich eine Kürschnerausbildung im Betrieb meines Vaters machen, wurde aber wegen Faulheit entlassen. Dann lernte ich Steuerfachgehilfe, was mir auch keinen Spaß machte, die Prüfung habe ich erst im zweiten Anlauf bestanden. Zum Glück entdeckte ich kurz darauf meine große Leidenschaft: verkaufen! Jahre später organisierte ich Gruppenreisen für Reisebüros und Verlagshäuser. Bei einer Pressereise nach Hollywood nahm dann auch der damalige RTL-Unterhaltungschef teil. So wurde ich entdeckt.

Schöne Geschichte.

Umso mehr hat es mich geschmerzt, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde. Aus Frust habe ich mir einen Panzer angefressen, 136 Kilo zum Schluss. Mittlerweile habe ich wieder 28 Kilo runter. Aber meine Ärztin sagt, ich muss noch weiter abnehmen - auch, weil ich Diabetes habe.

Klingt nicht gerade erfreulich.

Alles halb so wild! Jetzt mach ich erst mal Urlaub, fliege mit Freunden zum Hochseeangeln nach Costa Rica. Letztes Jahr war ich mit den Schlagerstars Klaus & Klaus zum Hochseeangeln. Unglaublich: Die beiden haben einen 300-Kilo-Marlin gefangen! Ich hoffe, dass ich dieses Mal auch so einen dicken Fisch an Land ziehe!

Interview: Sabine Hoffmann / print