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Was macht eigentlich ...: ...Dieter Gorny?

Der studierte Orchestermusiker, Hochschullehrer und Manager - unter anderem von Rock-Festivals oder Rock-Messen - gründete 1993 den deutschen Musiksender Viva.

Herr Gorny, wann haben Sie zum letzten Mal Viva eingeschaltet?

Ich habe den großen Luxus, dass, immer wenn ich in mein Hotelzimmer in Berlin komme, dort automatisch Viva läuft. Ich muss da also noch nicht mal reinzappen, ich bin da immer zwangsweise und gehe heraus irgendwann.

Haben Sie zuletzt irgendetwas Bemerkenswertes gesehen?

Es fängt an zu rauschen, weil es auch Relevanz verloren hat - Musik wird kaum noch gespielt. Was sich zu meinem Erstaunen positiv in den Quoten niederschlägt.

Vor rund dreieinhalb Jahren mussten Sie zusehen, wie Ihr Sender nach dem Verkauf an Viacom auseinanderfiel.

Das war eine emotionale Sache, die allerdings zu dem gehört, was man Börsenleben nennt.

Ein Viva-Kollege nannte Sie intern einen "Arsch", und auf der Weihnachtsfeier soll Ihnen der Mund verboten worden sein.

Das stimmt nicht so ganz, aber das sind Dinge, die man in so einem Job ertragen muss. Unterm Strich sind einige Kollegen bei MTV gelandet, auch in leitenden Positionen, von den anderen sind die meisten ebenfalls in den Medien untergekommen.

Sie haben noch zwei Jahre in der MTV-Zentrale in London gesessen. Warum?

Ich habe mich um die strategische Entwicklung gekümmert: Wie macht man aus der digitalen Revolution ein Zukunftsgeschäft? Ich habe immer gesagt: Eigentlich hätte MTV den iPod erfinden müssen ...

Hat MTV Sie gebraucht, oder hat man Ihnen den Job angeboten, damit Sie bei der Viva-Abwicklung ruhig bleiben?

In solchen Konzernen erhält man keine Posten, um ruhiggestellt zu werden. Normalerweise bekommt man eine Abfindung und geht.

Auch dort sind Sie mittlerweile ausgeschieden. Freiwillig?

Ja, ich wollte den Schritt raus aus der Industrie, rein in den politisch-kulturellen Bereich. Nun bin ich Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Musikindustrie, Aufsichtsratsvorsitzender der Filmstiftung NRW und künstlerischer Leiter beim Projekt Kulturhauptstadt 2010 in Essen.

Ganz schön viele Präsidialämter.

Mein Karrierependel schwingt augenblicklich halt stark auf diese Seite. Ich will mitwirken, dass das Ruhrgebiet bis 2010 kulturelle und künstlerische Erlebnisse bieten kann, die mit New York vergleichbar sind. Dazu muss man die Kreativen hierher locken. Auch muss man die Wirtschaft mobilisieren: Immer wenn aus Kultur Kunst wird, ist auch der Markt mit im Spiel.

Sie haben ein sozialdemokratisch regiertes Nordrhein-Westfalen verlassen und sind in ein christdemokratisches NRW zurückgekehrt. Hat sich die Kulturpolitik verändert?

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sofort begriffen, was in dem Projekt Kulturhauptstadt steckt. Das ist ein schönes Arbeiten mit ihm.

Es scheint, als wappneten Sie sich bereits für künftige Aufgaben. Wir wäre es mit: Kulturstaatsminister Dieter Gorny?

Ich sag’s mal so: Ich bin im Mediengeschäft stets mit Politik konfrontiert gewesen. Es ging immer darum, Mehrheiten zu organisieren, Ideen zu kommunizieren. Die Vorstellung, ausschließlich Politik zu machen, könnte bei mir Neugierde entfachen.

Sie waren für Viva in Köln, für MTV in London, haben jetzt ein Büro in Berlin. Doch das Ruhrgebiet scheint Sie nicht loszulassen.

Da habe ich nie einen Hehl draus gemacht. Ich wohne über 40 Jahre hier. Ich bin da wirklich patriotisch.

Früher stand in Ihrem Viva-Büro ein E-Bass. Wo steht der heute?

Hier, bei mir zu Hause in Essen, drei weitere stehen in Berlin. Vielleicht lege ich mir noch einen Fünftbass zu, der kommt dann ins Kulturhauptstadtbüro.

Interview: Oliver Creutz

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