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Berlin: Bühne frei für Berlin

Ein Laufsteg durchs Brandenburger Tor, Stargäste und Einkäufer aus aller Welt - ein modisches Großevent wie die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin hat es noch nicht gegeben in Deutschland. Ist das Spektakel die letzte Chance für unsere Hauptstadt, den Anschluss an die Modemetropolen der Welt zu schaffen?

Von Oliver Creutz und Mareile Grimm

Im Juni 1987 stand der amerikanische Präsident Ronald Reagan mit dem Rücken zum Brandenburger Tor und forderte seinen sowjetischen Amtskollegen auf: "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor!" Reagan hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass 20 Jahre später das deutsche Topmodel Eva Padberg in den eleganten wie erotischen Abendkleidern der deutschen Modemarke Strenesse die ehemalige Grenze überschreiten wird - auf einem Laufsteg, von Berlin-Ost nach Berlin- West. Vier Tage lang wird dieser Catwalk das Interesse der Modewelt auf sich ziehen. Er wird Herzstück eines Spektakels sein, das internationale Pressevertreter wie mächtige Einkäufer und natürlich jede Menge Hauptstadt-Prominenz anlockt. Verdunkelte Limousinen, rote Teppiche, die große Selbstinszenierung vor der Fotowand - auf der ersten "Mercedes-Benz Fashion Week Berlin" soll es mindestens so glamourös zugehen wie auf der Berlinale. Zur Eröffnungsshow am Donnerstagabend von Hugo, der jungen Unterlinie von Boss, werden nicht nur deutsche Filmgesichter wie Hannah Herzsprung, Jürgen Vogel und Daniel Brühl erwartet. Auch internationale Stars wie Christina Ricci, Rupert Everett und Mischa Barton stehen auf den geheimen Gästelisten der Veranstalter. Natürlich mit dem Zusatz "t. b. c." - "to be confirmed" versehen - das Ob oder Ob- Nicht ihres Erscheinens ist das Salz in der Suppe jeder Modenschau. Ihre Plätze in der ersten Reihe werden sie erst ganz kurz vor Showbeginn einnehmen, wenn alle übrigen Gäste schon sitzen. Flankiert von Bodyguards, zelebrieren sie im Blitzlichtgewitter ihr persönliches Schaulaufen. Berlin, bislang die graue Maus unter den Modemetropolen der Welt, soll endlich strahlen.

Wie das funktioniert, dieses Strahlen, das kann am besten der Regierende Bürgermeister vormachen: Klaus Wowereit, der nicht müde wird zu betonen, wie "arm, aber sexy" er seine Stadt findet, hatte mal wieder sein Teddybär-Lächeln angeknipst, als er im Rahmen der offiziellen Pressekonferenz Ende Januar verkünden durfte, dass Berlin insgesamt 500 000 Euro spendieren werde, um eine eigene Fashion Week zu bekommen. "Bei meinem Amtsantritt hätte ich nicht geglaubt, dass Berlin mal Modestadt wird", spricht er in die Mikrofone und lächelt seinem Duzfreund, dem Berliner Modemacher Michael Michalsky, zu. Anfang des Jahres hatte Wowereit dem ehemaligen Adidas-Designer sein Rotes Rathaus zur Präsentation von dessen Premieren- Kollektion zur Verfügung gestellt. Wowi mag Mode, auch wenn man es ihm nicht unbedingt ansieht. Er weiß, dass das Sponsoring von Fashion-Events ein wachsendes Geschäftsfeld für Berlin bedeutet. Sehen doch immer mehr Firmen ihre Marke im Umfeld von Mode mit dem nötigen Schuss Exklusivität und Emotionalität ausgestattet. In New York beschert die Fashion Week der Stadt inzwischen alle halbe Jahr einen Gesamtumsatz von 250 Millionen Dollar. Organisiert wird das Event hier wie dort von der Agentur IMG, die mittlerweile zur Weltmacht in Sachen Glamour aufgestiegen ist. Die New Yorker vermitteln Models, handeln mit Sportrechten und veranstalten Modenschauen.

Für die Stadt Berlin hat Nadja Clarus, 43, die Verhandlungen mit dem Global Player geführt. Clarus ist in der Senatsverwaltung für die Bereiche Chemie, Pharma, Kunststoff, Recycling und Textilien verantwortlich. Dass ihre Leidenschaft bei den Textilien liegt, sieht man gleich. An der linken Hand trägt sie die Fingernägel pink, an der rechten blau, aus einem ihrer Turnschuhe schlängelt sich ein Salamander-Tattoo das Wadenbein hinauf. Über die Mode in Berlin, um die sie sich seit der Wende kümmert, sagt sie: "Wir müssen dieses Haus komplett neu aufbauen." Immerhin: Als Ergebnis ihrer Gespräche erklärte sich die IMG bereit, 1,5 Millionen Euro in ein deutsches Modeevent zu investieren.

Doch was genau interessiert die Amerikaner so sehr an Berlin, fragt man sich. Sind sie gelangweilt vom New Yorker Nachtleben? Wollen sie sich in der deutschen Hauptstadt nach billigen Immobilien umschauen? "Keineswegs", sagt Fern Mallis, die bei IMG die Modenschauen mitverantwortet: "Bei mir rufen jede Woche Städte an, die eine Show machen wollen. Wir wollten explizit nach Berlin. Deutschland ist der drittgrößte Markt der Welt, und Berlin soll endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient." 55 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr auf dem deutschen Textilmarkt umgesetzt worden. Zwar werden die meisten Order immer noch in Düsseldorf geschrieben, aber Berlin holt auf. Künstler, Musiker und Designer - sie alle profitieren von den niedrigen Mieten für Ateliers und Ladenlokale und können ihrer Kreativität hier ungezügelt Lauf lassen.

"Wir können auch groß!"

Zu den Hoffnungsträgern aus der Hauptstadt, denen auch eine internationale Karriere zuzutrauen ist, gehören Alexandra Fischer-Roehler, 30, und Johanna Kühl, 27. Ihr Label "Kaviar Gauche" existiert seit 2003, wird inzwischen in 30 Läden weltweit angeboten und konnte ohne Kredite "in Berlin sehr gesund wachsen", wie die Designerinnen erzählen. Ihre Bestseller waren zunächst ungewöhnliche, halbrunde Ledertaschen, die wie eine Mischung aus einer Muschel und einem Kopfkissen aussehen. Inzwischen entwerfen Fischer- Röhler und Kühl auch elegante Abendmode, die beispielsweise von Schauspielerin Heike Makatsch getragen wird. Nach Jahren von improvisierten Modenschauen im Ausland sind die beiden Freundinnen froh, ihre Kollektion jetzt endlich auch einmal zu Hause in einem angemessenen Rahmen präsentieren zu können. Zudem sind sie nominiert für den Nachwuchspreis der Fashion Week, der von der Kaufhauskette Karstadt ausgelobt wird. Nach dem Vorbild des erfolgreichen "New Generation Award" der Londoner Fashion Week wird den talentiertesten deutschen Nachwuchslabels Unterstützung in Form von Promotion und Verkaufsfläche zugedacht. Nach Jahren wuseliger, meist brotloser Koexistenz von Kleinstlabels kommt es nun darauf an, den Kreativen eine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die sie aus ihren Hinterhöfen hinauswachsen lässt.

Solch ein Versuch ist die Fashion Week, mit der Berlin zu sagen scheint: "Wir können auch groß!" Daher das Brandenburger Tor. Deswegen die zweigeschossige Container- Anlage, die den Platz des 18. März im Westen des Tors einrahmt. Der Backstage- Bereich auf dem Pariser Platz im Osten des Brandenburger Tors besteht aus einem riesigen weißen Kubus. "Wir wollten etwas Solideres schaffen als die Zeltstädte, in denen viele Schauen in New York oder London stattfinden", erklärt Ron Shekel von der Berliner Agentur Nowadays. "Aber wir durften dem Tor natürlich nicht die Show stehlen."

Die Großmeister der deutschen Mode fehlen

In die allgemeine Vorfreude mischten sich jedoch Wermutstropfen: Die Großmeister der deutschen Mode, Karl Lagerfeld, Wolfgang Joop und Tomas Maier, sagten ihre Teilnahme an der Fashion Week ab. Maier wurde von seinem Label Bottega Veneta zurückgepfiffen, weil er in der Mailänder Scala an einer Gedenkgala für Gianni Versace teilnehmen soll. Joop konnte Marketing-Begleiterscheinungen wie den Sport- und Rennwagenkorso, den Mercedes- Benz auf der Straße des 17. Juni veranstaltet, nicht mit seinem künstlerischen Konzept in Einklang bringen. "Die Deutschen sollten endlich aufhören, die Mode zum Jahrmarkt zu erklären, und anfangen, unsere Arbeit ernst zu nehmen", sagt er. "Keiner hat Zeit für diese Sommerparty." Also zeigt Joop seine Marke "Wunderkind" lieber weiter in Paris. In Berlin wird er aber anwesend sein - als Zuschauer bei der Show seines Kollegen Michael Michalsky. Der 40-Jährige, der neben seiner Hauptlinie "Michalsky" Brotjobs für das Taschenlabel MCM und für Tchibo erledigt, kann die Skepsis nicht nachvollziehen: "Das ist doch eine riesige Chance. Warum sollte Berlin nicht eines Tages sogar London als Modemacht ablösen?"

Bis dahin hat die Branche allerdings noch einen weiten Weg vor sich: In London koordiniert seit den 80er Jahren das wohlhabende British Fashion Council die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Designern und der Industrie. Es unterstützt Absolventen der bekannten Schulen und bezahlt aufwendige Imagekampagnen im Ausland. Das Ergebnis: In London ausgebildete Modemacher wie John Galliano, Hussein Chalayan oder Alexander McQueen sind mittlerweile Stars in der Branche. Die Berliner Gegenwart sieht nicht ganz so glamourös aus: Die insgesamt acht Modeschulen arbeiteten bis vor Kurzem unkoordiniert nebeneinander her. Bis zu acht konkurrierende Messen und Schauen zwischen Spandau und Treptow zankten sich um die Besucher. Die bekannteste Berliner Modemesse, die Bread & Butter, wanderte im vergangenen Jahr nach Barcelona ab. Dort verdoppelte sich die Zahl der Besucher sofort auf 90 000. Berlin reagierte spät: Erst jüngst etablierte der Senat eine Art runden Tisch, an dem sich die Branchenleute austauschen können - etwa über Fragen der Geldbeschaffung und des Marketings.

Trotz der Machtstellung von IMG haben für die erste Berlin Fashion Week gerade mal zehn Labels ihr Mitwirken zugesagt, darunter immerhin zugkräftige Namen wie Puma und Vivienne Westwood. Die Britin wird ihre Nebenlinie "Anglomania" präsentieren, die sie bislang noch nie auf Schauen gezeigt hat: "Meine Hauptlinien zeige ich in Paris und Mailand", sagt sie. "Anglomania ist jünger, straßennäher. Berlin erscheint mir die passende Stadt für ihre Laufsteg-Premiere." Parallel zur Fashion Week finden in der Hauptstadt auch die Messen "Premium" (für junge Labels), das U-Bahn-Event "Underground Catwalk" (für Punkrockund Gothic-Mode) sowie die Avantgarde- Schau "Ideal" statt - erstmals verbunden durch einen Shuttle- Service, der die Gäste zu allen sehenswerten Veranstaltungsorten bringt. Was die Modeprofis, die in Mailand, Paris und New York stets von Termin zu Termin zu hetzen, überraschen dürfte: Im Schauen- Kalender klafft am Samstagnachmittag ein fünfstündiges Loch. Statt Catwalk wird dort eine "Kultur-Tour" angeboten. Ein Klassenausflug ins Museum? So etwas kann die Modewelt eben nur in Berlin erleben.

Mitarbeit: Anne Petersen / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(