Deutschland und Frankreich stoppen Kampfjet-Projekt FCAS

Modell eines FCAS-Jets
Modell eines FCAS-Jets
© AFP

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Bruchlandung nach langem Schlingern: Neun Jahre nach der Ankündigung eines gemeinsamen Kampfjets haben Deutschland und Frankreich nach langen Streitigkeiten das Ende des FCAS-Projekts beschlossen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seien „zu der geteilten Einschätzung gelangt, dass die Unternehmen beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht zusammenfinden“, hieß es am Montag aus deutschen Regierungskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Aus Paris verlautete, beide Länder bedauerten das Aus für das Vorhaben.

„Diese Realität erkennen sie an“, hieß es weiter aus deutschen Regierungskreisen. „Bundeskanzler Merz hat Präsident Macron deshalb nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiter zu verfolgen.“

Der „eigentliche Kern von FCAS“ solle aber als „europäisches System der Systeme fortgeführt werden“, hieß es seitens der Bundesregierung. Dieses sei „gewissermaßen das Nervensystem, das Flugzeuge, Drohnen und andere Bestandteile zu einem integrierten Ganzen vernetzt“. Beim deutsch-französischen Ministerrat im kommenden Monat sollten nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen beide Verteidigungsministerien einen Arbeitsplan formulieren - konzentriert auf „wenige realistische, relevante Vorhaben“. Damit dürften etwa Drohnen und die sogenannte Combat Cloud gemeint sein.

Aus dem Elysée-Palast hieß es, Paris und Berlin bedauerten, dass sich die Unternehmen nicht auf die Fortsetzung des Kampfjet-Projekts einigen konnten. Merz und Macron hätten „lange und oft über Möglichkeiten gesprochen, dieses für die europäische Verteidigung wichtige Projekt voranzubringen“, hieß es demnach. Die deutschen Behörden seien der Ansicht gewesen, dass es nicht möglich sei, weiteren Druck auf die beteiligten Unternehmen auszuüben.

Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. An dem Vorhaben ist neben Deutschland und Frankreich auch Spanien beteiligt. Geplant war das System als Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung ab den 2040er Jahren. Ein mit Tarnkappentechnik ausgestatteter Kampfjet sollte bei der deutschen Luftwaffe langfristig den Eurofighter Tycoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen.

Für die französische Luftwaffe gelten dabei jedoch andere Anforderungen als für die deutsche. So sollen französische Jets auch auf einem Flugzeugträger landen oder Atomwaffen tragen können. Die deutsche Luftwaffe braucht hingegen eher ein schnelles Jagdflugzeug. Deshalb galt es schon seit einiger Zeit als wahrscheinlich, dass Deutschland und Frankreich jeweils einen eigenen Kampfjet auf Grundlage einer gemeinsamen Plattform entwickeln.

Auch ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögerte das Projekt seit Monaten. Der französische Rüstungskonzern Dassault nahm für sich eine Führungsrolle bei der Entwicklung des Kampfjets in Anspruch. Bei der in Bayern ansässigen Airbus-Rüstungssparte war man der Ansicht, Dassault halte sich damit nicht an Absprachen. Es bestand zudem die Sorge, zu einem Zulieferer degradiert zu werden.

Im Kern ging es vor allem um Fragen des geistigen Eigentums, um Technologietransfer und langfristig um Exportaussichten. Dassault-Chef Eric Trappier wiederholte regelmäßig, dass Dassault den Kampfjet auch alleine bauen könne. Macron hingegen beteuerte immer wieder, dass der gemeinsame Kampfjet im Rahmen der europäischen Verteidigung notwendig sei.

Im laufenden Jahr hätte die Phase 2 mit dem Bau eines Demonstrators beginnen sollen, der Vorstufe eines Prototyps. Dafür wären Investitionen in Höhe von rund fünf Milliarden Euro erforderlich gewesen. Eine im vergangenen August auslaufende Frist für das Vorlegen eines Zeitplans war immer wieder verschoben worden.

Frankreich und Deutschland hatten auf politischer Ebene bis zuletzt um eine Fortsetzung des Vorhabens gerungen. Ende März setzten beide Seiten ein deutsch-französisches Vermittlerteam ein, um einen Kompromiss zu finden.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Macron hatten das Vorhaben 2017 - nach der ersten Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten - angekündigt. Zwei Jahre später gab Spanien seine Beteiligung bekannt. Belgien hat seit 2023 eine Art Beobachterstatus.

Als vergleichbares internationales Großvorhaben gilt das GCAP (Global Combat Air Programme), ein geplanter neuer Tarnkappen-Bomber, an dem sich Großbritannien, Italien und Japan beteiligen. Es soll die japanischen F-2-Kampfflugzeuge sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen.

AFP