Abu Keshek und Ávila erschienen am Sonntag vor einem Gericht in Aschkelon, nachdem sie zu einer Befragung an die israelischen Strafverfolgungsbehörden übergeben worden waren. Miriam Asem von der Menschenrechtsgruppe Adalah sagte der Nachrichtenagentur AFP, die israelischen Behörden hätten beantragt, den spanischen und den brasilianischen Aktivisten vier weitere Tage in Gewahrsam zu lassen. "Das Gericht hat den Gewahrsam um zwei Tage verlängert", sagte sie.
In einer separaten Erklärung teilte Adalah mit, die israelische Staatsanwaltschaft werfe dem Spanier und dem Brasilianer unter anderem "Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten" sowie "Mitgliedschaft in und Erbringung von Diensten für eine terroristischen Organisation" vor.
Das israelische Außenministerium wirft beiden Aktivisten Verbindungen zur islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vor. Der spanische Staatsbürger Abu Keshek sei ein führendes Mitglied der Volkskonferenz für Palästinenser im Ausland (PCPA). Auch dem Brasilianer Ávila, der bereits an einer früheren Gaza-Flotte beteiligt war, werden illegale Aktivitäten und eine Zusammenarbeit mit der PCPA vorgeworfen.
Israel und die USA werfen der Organisation vor, mit der Hamas verbunden zu sein. Die USA hatten die Organisation mit dieser Begründung bereits mit Sanktionen belegt.
Adalah stellte die Zuständigkeit des israelischen Staates in der Angelegenheit in Frage und argumentierte, die Aktivisten seien in internationalen Gewässern festgesetzt worden. Die israelischen Streitkräfte hatten rund 20 Boote der Hilfsflotte am Donnerstag im Mittelmeer festgesetzt. Am Freitag gingen 175 pro-palästinensische Aktivisten auf der griechischen Insel Kreta an Land, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Zwei Aktivisten wurden zur Befragung nach Israel gebracht.
Die ursprünglich insgesamt mehr als 50 Boote der Hilfsflotte waren in den vergangenen Wochen von Marseille in Frankreich, Barcelona in Spanien und Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien ausgelaufen, um nach eigenen Angaben Hilfsgüter in den vom Gaza-Krieg weitgehend zerstörten Gazastreifen zu bringen.
Die Organisatoren der Gaza-Flotte warfen israelischen Sicherheitskräften Gewaltanwendung vor. Auch die Anwälte von Adalah erklärten vor Gericht, Ávila und Abu Keshek hätten von "schwerem körperlichem Missbrauch" berichtet. "Beide Aktivisten setzen ihren Hungerstreik aus Protest gegen ihren rechtswidrigen Arrest und die Misshandlung fort", fügte die Menschenrechtsgruppe hinzu. Die Anwälte hatten die beiden Männer am Samstag im Gefängnis in Aschkelon getroffen.
Spaniens Außenminister José Manuel Albares reagierte mit scharfer Kritik auf das Vorgehen der israelischen Behörden. "Ich bin besorgt, weil ein spanischer Staatsbürger illegal festgehalten wird, der in internationalen Gewässern außerhalb jeglicher Gerichtsbarkeit von den Behörden eines anderen Staates festgenommen wurde", sagte Albares am Samstag dem Radiosender Rac1. Er verurteilte das Vorgehen Israels als "komplett illegal". Der Vorfall sei "eine Episode, die unsere Beziehungen noch weiter anspannt", sagte Albares mit Blick auf das Verhältnis zu Israel.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem vom linksgerichteten Ministerpräsidenten Pedro Sánchez regierten Spanien gelten seit Längerem vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs als äußerst angespannt. Beide Länder hatten jeweils ihre Botschafter im anderen Staat abgezogen.
Brasilien protestierte ebenfalls formell gegen die Überstellung seines Staatsbürgers Ávila nach Israel. Auch die brasilianisch-israelischen Beziehungen gelten als stark angespannt.
Ende 2025 hatte schon einmal eine Hilfsflotte versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. Die Schiffe wurden damals von der israelischen Marine aufgebracht; die Besatzungsmitglieder wurden festgenommen und anschließend ausgewiesen.