Ihren letzten Abend begann Anni Dewani so, wie ein guter Abend für sie zu beginnen hatte. Sie zog ein kurzes schwarzes Trägerkleid an, das zusammen mit den High Heels ihre schlanken Beine betonen würde. Sie schminkte sich, legte Halskette, Armbanduhr und einen Armreif aus Weißgold mit Diamanten an, warf sich ein Jäckchen über. Um 18.17 Uhr, das zeigten die Aufnahmen der Überwachungskameras, verließ sie an diesem Samstagabend, dem 13. November 2010, das Zimmer im Hotel „Cape Grace“ in Kapstadt. Sie war 28 Jahre alt und so schön wie die Schauspielerinnen auf den Bollywood-Filmplakaten.
Die Hochzeit in Mumbai dauert drei Tage, ein rauschendes Fest. Sie tanzt für ihn. Er legt ihr die Ehekette um
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Im Flur wartete ihr Ehemann Shrien Dewani. Sie hatten zwei Wochen zuvor geheiratet, verbrachten ihre Flitterwochen in Südafrika und nahmen jetzt einen Aperitif in der Hotelbar. Sie trank Champagner. Um 20.03 Uhr stiegen sie auf den Rücksitz eines silbergrauen VW-Sharan, der vor dem Hotel wartete.
Über das, was in den folgenden Stunden passierte, wurden Artikel und Bücher geschrieben, Filme gedreht, Prozesse geführt. Fakten, Gerüchte und Emotionen wurden zu Verschwörungstheorien verrührt, es litten die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Südafrika. Die wichtigste Frage jedoch ist bis heute unbeantwortet. Warum hat Anni Dewani diese Nacht in Kapstadt nicht überlebt?
Kapstadt, 13. November 2010: Das Ehepaar Shrien und Anni Dewani macht sich auf den Weg zum Dinner
BBC
Anni Dewani kam am 12. März 1982 als Anni Ninna Hindocha in Mariestad auf die Welt. Die Kleinstadt liegt in Südschweden, am Vänern, dem drittgrößten See Europas. Die Türen der Holzhäuser sind offen, die Gärten gepflegt, bei schönem Wetter gleiten Segelboote über den See. Die Eltern, Vater Vinod und Mutter Nilam Hindocha, haben zwei weitere Kinder, Annis ältere Schwester Ami und den jüngeren Bruder Anish. Der Vater arbeitete in Mariestad als Elektriker. Zwei seiner Brüder wohnen mit ihren Familien ebenfalls hier. Die Hindochas wurden als Teil der indischen Minderheit in Uganda Anfang der 70er Jahre von Diktator Idi Amin vertrieben. Sie fanden in Mariestad eine neue Heimat.
Anni, so beschreibt sie ihre Familie, liebte es, ihre Barbiepuppen und sich selbst anzuziehen. Sie sang, tanzte, stand gern im Mittelpunkt. Ein geselliges Mädchen, das sich im Bikini sonnte und mit ihren Freundinnen im See badete. Eine junge Frau, die auf Partys ging und einen großen Freundeskreis pflegte. Ihre beste Freundin war ihre Cousine Sneha, mit der sie alles teilte. Ihren Eltern entging nicht, dass ihre Tochter das Interesse der Männer auf sich zog. „Wir haben Anni ihre Freiheit gelassen, aber uns immer gewünscht, dass der Mann, den sie heiratet, indischer Herkunft ist und Hindu. So wie wir“, sagt Vinod Hindocha.
Annis Eltern Vinod und Nilam Hindocha leben im schwedischen Mariestad. Sie können ihre Tochter nicht loslassen
Johan Wennerstrom
Er sitzt mit seiner Frau Nilam am Küchentisch ihres Hauses in Mariestad. Es gelingt ihnen nicht, Annis Geschichte zu erzählen, ohne dabei zu weinen. In ihrem Zimmer haben sie nichts verändert. Auf dem Bett liegen Kissen und Decken, als käme die Tochter später zum Schlafen nach Hause. Auf der Kommode lacht Anni von vielen Fotos ins Zimmer. Vor den Bildern brennt eine Kerze, deren