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"Berlin trägt Kippa": Berlin und andere Städte rufen zur Solidaritätskundgebung auf

Der Ruf nach Solidarität ist groß, nachdem in der vergangenen Woche zwei Kippa tragende Männer in Berlin belästigt und geschlagen wurden. In mehreren Großstädten kommen Menschen zusammen, um zu demonstrieren. Auch die Politik beteiligt sich an der Aktion.

"Berlin trägt Kippa"

"Berlin trägt Kippa" heißt die Aktion, aber auch andere Großstädte wollen sich mit Juden solidarisch zeigen

DPA

Der Verkaufsumsatz von Kippas in Deutschland dürfte in diesen Tagen rasch ansteigen. Unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" hat die Jüdische Gemeinde in Berlin für Mittwoch (18.00 Uhr) zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus aufgerufen. Die Veranstaltung wird von zahlreichen Politikern, Parteien und Organisationen unterstützt. Auch Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird sprechen.

Die Solidaritätsdemonstration vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße ist eine Reaktion auf einen antisemitischen Übergriff aus der vorigen Woche. Dabei wurden zwei junge Männer mit beleidigt, ein Opfer wurde mit einem Gürtel geschlagen. Bereits am Mittwochvormittag findet in Erfurt in Thüringen die Solidaritätskundgebung "Thüringen trägt Kippa" statt. Daran nimmt auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) teil. In Potsdam und Köln sind ähnliche Aktionen geplant.

"Es darf keine Toleranz für Intoleranz geben"

Vor den Demonstrationen hatte Außenminister Heiko Maas dazu aufgerufen, Opfer von Antisemitismus nicht alleine zu lassen. "Wir dürfen niemals zulassen, dass Antisemitismus in wieder alltäglich wird", sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel". "Wenn junge Männer bei uns bedroht werden, nur weil sie eine Kippa tragen, müssen wir deutlich machen: sie sind nicht allein." Jeder Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland richte sich "gegen uns alle", erklärte der Außenminister. Grundsätzlich gelte: "Niemand darf bei uns wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder seiner Religion diskriminiert werden."

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, , hat ein breiteres Engagement gegen alle Formen von Antisemitismus in Deutschland gefordert. "Es darf keine Toleranz für Intoleranz geben", sagte Schuster der Deutschen Presse-Agentur. "Neben Politik und Gesellschaft sehe ich auch die Religionsgemeinschaften in der Verantwortung. Gerade die muslimischen Verbände sollten klar und unmissverständlich gegen den Antisemitismus in den eigenen Reihen vorgehen", forderte er.

Zentralrat der Juden ruft zu Solidarität auf

Jedoch könne jeder Bürger etwas tun. "Jeder und jede kann Einspruch erheben gegen Judenhass - ob am Arbeitsplatz, in der U-Bahn, auf dem Fußballfeld oder im Freundes- und Familienkreis", so Schuster. Der Zentralrat fordere alle Menschen in Deutschland auf, sich solidarisch mit der jüdischen Gemeinschaft zu zeigen und einzuschreiten, wenn Juden beleidigt, verhöhnt oder gar angegriffen werden.

"Ich wünsche mir, dass viele Menschen Flagge bekennen und rufe sie dazu auf, eine Solidaritätskundgebung in ihrer Stadt zu besuchen", sagte Schuster. "Denn es ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft, sich gerade auch im Alltag gegen Antisemitismus zu engagieren." Mehrere Parteien haben dazu aufgerufen, die Solidaritätsaktion zu unterstützen. Es gibt in Berlin auch andere Aufrufe, um Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. So unterstützt die Gründerin einer liberalen Moschee, Seyran Ates, die Online-Aktion #WirsindauchJuden. Menschen posten dabei Bilder, auf denen sie Kippa tragen.

"Berlin trägt Kippa" als Reaktion auf Antisemitismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach dem Vorfall in Berlin neue Formen des Antisemitismus' beklagt, der von Flüchtlingen oder Menschen arabischen Ursprungs nach Deutschland gebracht worden sei. Antisemitismus habe es aber auch schon zuvor in Deutschland gegeben.

Angefacht wurde die Debatte zudem von einer Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang. Die beiden wurden für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Echo-Musikpreis geehrt, worauf etliche andere Künstler ankündigten, ihre Trophäen zurückzugeben.

Antisemitische Attacke in Berlin


sve / AFP / DPA