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Air-France-Wrack vor Brasilien: Zweite Blackbox von Todesflug AF 447 geborgen

Die Chancen, den Unglücksflug der Air-France-Maschine AF 447 zu rekonstruieren, steigen: Jetzt wurde auch der zweite Flugschreiber gefunden. Beide Blackboxes sollen nach Frankreich transportiert und dort untersucht werden.

Eine der rätselhaftesten Flugzeugkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte könnte noch in diesem Monat aufgeklärt werden. Auf dem Meeresboden des Südatlantiks hat ein Expertenteam jetzt auch den Stimmenrekorder des vor knapp zwei Jahren abgestürzten Air-France-Airbus entdeckt. Das Gerät zur Aufzeichnung der Gespräche im Cockpit wurde in der Nacht zum Dienstag aus 3900 Metern Tiefe an die Meeresoberfläche geholt, teilte die französische Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) mit. Bereits am Sonntag war der Flugdatenschreiber geborgen worden.

Die beiden Geräte gelten als Schlüssel zur Aufklärung des Unglücks, bei dem 228 Menschen starben, darunter auch 28 Deutsche. Beide Apparate sind äußerlich in einem guten Zustand. "Das ist ein weiterer entscheidender Schritt vorwärts", kommentierte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon am Dienstag den Fund. Er hoffe von ganzem Herzen, dass die Daten auslesbar seien. Sie könnten Antworten auf all die Fragen liefern, die sich die Hinterbliebenen und die gesamte Flugzeugindustrie seit zwei Jahren stellten. Noch nie zuvor war eine moderne Langstreckenmaschine wie der Airbus A330-200 aus voller Flughöhe unerklärlich abgestürzt.

Kriminalpolizei überwacht Transport nach Paris

Die mithilfe eines Tauchroboters vom Typ Remora 6000 geborgenen Flugschreiber sollen nun schnellstmöglich nach Frankreich gebracht und untersucht werden. Die BEA forderte dazu bei der französischen Marine die Entsendung eines Patrouillenboots an. Es wird die versiegelt aufbewahrten Aufzeichnungsgeräte an die südamerikanische Atlantikküste überführen. Von Cayenne in Französisch-Guyana bringt sie ein Flugzeug dann nach Paris. Ein Beamter der Kriminalpolizei überwacht den Transfer, der voraussichtlich zehn Tage dauern wird. Die Kosten der seit knapp zwei Jahren dauernden Suchaktion werden bereits jetzt auf mehr als 30 Millionen Euro beziffert.

Das rund 70 Personen umfassende Team auf dem Bergungsschiff "Ile de Sein" soll in den nächsten Wochen weitere Wrackteile und eventuell sogar Leichen aus dem erst vor wenigen Wochen entdeckten Tiefsee-Trümmerfeld bergen. Das Heraufholen der Körper gilt aber als äußert schwierig. Die Leichen wurden zwar durch den enormen Druck in fast 4000 Metern Tiefe sowie die niedrige Wassertemperatur konserviert. Unklar ist aber, was passiert, wenn sie an die Oberfläche kommen. Zur Betreuung der Bergungskräfte ist ein Psychologe an Bord. Lediglich 50 Opfer wurden nach dem Absturz an der Wasseroberfläche entdeckt und identifiziert.

Wird das Rätsel gelöst?

Der Stimmenrekorder (CVR) und der Flugdatenschreiber (FDR) gelten als letzte Hoffnung, den bislang völlig rätselhaften Absturz des Airbus A330-200 doch noch aufzuklären. Sicher ist bislang nur, dass die Langstreckenmaschine auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in eine Unwetterfront flog und dort Probleme bei der Geschwindigkeitsmessung hatte. Schlechtes Wetter und fehlende Tempodaten dürften ein Flugzeug aber normalerweise nicht abstürzen lassen.

Nach Ansicht von Experten kann die Aufklärung des Unglücks nun nur noch durch Probleme beim Auslesen der Daten hinausgezögert werden. Niemand weiß bislang, ob das Salzwasser innerhalb der Gehäuse Schäden verursachte.

swd/DPA/AFP / DPA