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Berufungsverfahren Julian Assange erneut vor Gericht: Droht dem Wikileaks-Gründer doch noch die Auslieferung in die USA?

Julian Assange
In den USA drohen Julian Assange bis zu 175 Jahre Haft (Archivbild)
© Dominic Lipinski/PA Wire / DPA
Im Januar hatte ein britisches Gericht die Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange in die USA verboten – es bestünde ein hohes Suizidrisiko. Doch die US-Behörden lassen nicht locker Nun beginnt das Berufungsverfahren.

Am Royal Courts of Justice in London beginnt das Berufungsverfahren im Fall des in Großbritannien inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange. Die US-Behörden fechten ein Urteil vom Januar an, in dem ein britisches Gericht die Auslieferung Assanges an die USA mit Verweis auf ein hohes Suizidrisiko verboten hatte. Der Australier sitzt seit mehr als zwei Jahren in London in Haft – in den USA drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft.

Er war 2019 in Großbritannien verhaftet worden, nachdem er sich sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London verschanzt hatte, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Vorgeworfen wird Assange, mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Er habe damit US-Informanten in Gefahr gebracht. Seine Unterstützer sehen in ihm einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht brachte.

CIA soll Anschlagspläne gegen Assange geschmiedet haben

Nach Berichten über mögliche Anschlagspläne der US-Geheimdienste auf Julian Assange hoffen seine Unterstützer auf eine Kehrtwende in dem Rechtsstreit. "Das ist ein Wendepunkt", sagte Assanges Verlobte, Stella Moris, vor der Anhörung zu Journalisten in London. "Es zeigt die wahre Natur und die Kriminalität des Vorgehens der USA gegen Julian."

Investigative Journalisten hatten vor einigen Wochen unter Berufung auf nicht genannte US-Quellen berichtet, der US-Auslandsgeheimdienst CIA habe Anschlagspläne auf Assange geschmiedet, während dieser sich noch in der ecuadorianischen Botschaft in London aufhielt. "Die Frage ist: Kann Großbritannien jemanden in ein Land ausliefern, das ihn umbringen wollte?", sagte Moris.

Verlobte: "Julian würde eine Auslieferung nicht überleben"

Amnesty International forderte erneut die Freilassung des inhaftierten Wikileaks-Gründers. Die US-Justiz müsse ihre Vorwürfe gegen den Australier fallenlassen und die britischen Behörden müssten ihn umgehend aus der Haft entlassen, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte US-Präsident Joe Biden auf, das Verfahren zu stoppen. Die USA wollten sich auf der Weltbühne wieder für Menschenrechte einsetzen, sagte die Londoner Vertreterin der Organisation, Rebecca Vincent. "Aber dies wird immer ein großer Stachel im Fleisch bleiben. Das muss aufhören."

Eine schnelle Entscheidung im Verfahren wird jedoch nicht erwartet. Assange sitzt seit mehr als zwei Jahren im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Ihm gehe es gesundheitlich und psychisch sehr schlecht, sagte Moris. Sie ist überzeugt: "Julian würde eine Auslieferung nicht überleben."

yks dpa AFP

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