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Bilanz Sturmtief "Christian": "Ein ganzer Wald auf den Schienen"

In Norddeutschland mit der Bahn fahren? Bis Mittwoch auf vielen Strecken Fehlanzeige. Sturmtief "Christian" hat etliche Bäume gerodet, zwischen Wilster und Husum gar "einen ganzen Wald".

Ein Baum auf der Bahnstrecke Hamburg-Niebüll. Woanders sah es einen Tag nach dem Sturm noch deutlich schlimmer aus.

Ein Baum auf der Bahnstrecke Hamburg-Niebüll. Woanders sah es einen Tag nach dem Sturm noch deutlich schlimmer aus.

Die durch den Orkan "Christian" angerichteten Schäden an Gleisen und Bahnanlagen haben auch am Dienstag den Verkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein massiv gestört. Der größte Teil der Zugverbindungen in Richtung Norden blieb den ganzen Tag gesperrt, sagte ein Bahnsprecher. Frühestens am Mittwoch sollten Reisende wieder mit der Bahn von Hamburg in Richtung Kiel, Flensburg, Dänemark und an die Nordseeküste fahren können. Die Züge von Hamburg in Richtung Lübeck fahren inzwischen wieder fahrplanmäßig.

Orkan "Christian" hatte in bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 172 Kilometern pro Stunde schwere Schäden verursacht. Besonders schwer wütete das Unwetter in Schleswig-Holstein.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren auch am Dienstag noch damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu reparieren und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. "Bei Owschlag liegen 20 Bäume an einer Stelle", berichtete der Bahn-Sprecher. Ähnlich sei das Bild an der Nordseeküste, "zwischen in Dithmarschen und Husum soll ein ganzer Wald auf den Schienen liegen".

Noch immer räumen Tausende Bahn-Mitarbeiter auf

Mehrere Tausend Mitarbeiter sind im Einsatz, zur Unterstützung forderte die Kräfte aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen an. Mit Motorsägen wurden umgestürzte Bäume zersägt und mit 15 Spezialtriebwagen die Oberleitungen repariert.

Es war einer der schwersten Herbststürme der vergangenen 15 Jahre. Von der Kraft her sei "Christian" vergleichbar mit den Orkanen "Lothar" vom Dezember 1999 und "Kyrill" vom Januar 2007, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit.

Die stärkste Böe im Flachland sei am Montag hierzulande mit 172 Kilometern pro Stunde in St. Peter Ording gemessen worden, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel. Allein in Schleswig-Holstein mussten und Feuerwehr zu fast 3600 Einsätzen ausrücken. "Für unsere Leitstellen war die Zählung elektronisch nicht mehr zu bewältigen", sagte die Sprecherin des Lagezentrums: "Wir stiegen auf Papier und Bleistift um." Nach Angaben eines Sprechers der Provinzial-Versicherung sind Schäden in Millionenhöhe entstanden. Genau beziffert werden konnten die Zerstörungen bisher nicht.

In Deutschland hatten die Stürme seit Sonntag mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. Im niedersächsischen Bad Bentheim und in Schleswig-Holstein in Braderup kamen zudem bei Verkehrsunfällen zwei weitere Menschen ums Leben. In beiden Fällen schloss die Polizei einen Zusammenhang mit dem nicht aus. In Europa gab es damit zusammen mindestens 16 Tote - davon vier in Großbritannien, je zwei in Dänemark und den Niederlanden und 1 in Frankreich. Meist waren umgestürzte Bäume die Ursache.

Bahn-Kunden haben Anspruch auf Erstattung

Für die Bahn könnte "Christian" teuer werden. Bahnreisende bekommen bei großen Verspätungen Geld zurück. Kommt der Zug 60 Minuten später an, muss das Unternehmen 25 Prozent des Fahrpreises erstatten, ab 120 Minuten sogar 50 Prozent. Bis vor wenigen Wochen waren Fahrgäste bei höherer Gewalt noch auf die Kulanz der Bahnunternehmen angewiesen.

In Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen blieb vor allem der regionale Bahnverkehr noch erheblich eingeschränkt. Für weiter gesperrte Zugstrecken sollten Ersatzbusse eingesetzt werden. Das sei aber auch nicht in allen Fällen möglich, weil zum Teil auch Straßen nicht richtig befahrbar seien, sagte eine Bahnsprecherin. In Hamburg normalisierte sich der öffentliche Nahverkehr. Durch die Sturmschäden fuhren einige S-Bahn-Züge nicht. "Wir gehen momentan von rund 4000 Schäden insgesamt aus", sagte ein Sprecher des Versicherers Hamburger Feuerkasse. Glimpflich kam Mecklenburg-Vorpommern davon, da sich der Sturm hier schon abgeschwächt hatte.

Wegen umgestürzter Bäume auf Gleisen und beschädigter Stromleitungen waren Regional- und Intercityverbindungen der Bahn in Teilen Dänemarks reduziert worden, wie das Bahnunternehmen DSB berichtete. In Schweden waren rund 60.000 Haushalte ohne Strom, im Baltikum waren es Hunderttausende.

anb/DPA / DPA