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Boston-Anschlag: Kriege der USA dienten offenbar als Motiv

Der mutmaßliche Bombenleger von Boston zeigt sich kooperativ und erzählt den Ermittlern von den Anschlagsplanungen und dem möglichen Motiv. Auch die Frau seines getöteten Bruders bricht ihr Schweigen.

Die Kriege der USA in Afghanistan und im Irak sollen ein Motiv für den Terroranschlag von Boston mit drei Toten und über 200 Verletzten gewesen sein. Das habe der jüngere der beiden mutmaßlichen Bombenleger während eines Verhörs gesagt, berichteten US-Medien am Dienstag. Der schwer verletzte 19-jährige Dschochar Zarnajew habe zudem erklärt, dass er und sein Bruder Tamerlan sich die Informationen zum Bau der Bomben aus dem Internet besorgt hätten.

Gut eine Woche nach dem Bombenanschlag hat die Frau eines der beiden mutmaßlichen Attentäter ihr Schweigen gebrochen und den Ermittlungsbehörden ihre Mithilfe zugesichert. Die Frau des bei einer Schießerei mit der Polizei getöteten Tamerlan Zarnajew ließ am Dienstag von ihren Anwälten Amato DeLuca und Miriam Weizenbaum eine Erklärung verlesen, in der sie mitteilte, sie sei erschüttert, dass ihr Mann und dessen jüngerer Bruder Dschochar in den Anschlag mit drei Todesopfern und mehr als 260 Verletzten verwickelt seien. "Das war ein vollkommener Schock", sagten die in Providence im Bundesstaat Rhode Island ansässigen Anwälte. Die 24-Jährige hatte Tamerlan Zarnajew 2010 geheiratet. Das Paar hat eine dreijährige Tochter. US-Medien zufolge war Russel zum Islam konvertiert, nachdem sie ihren aus Tschetschenien stammenden Mann kennengelernt hatte.

Dschochar Zarnajew, der weiter einen Beatmungsschlauch im Rachen trägt, zeige sich in den Gesprächen mit den Ermittlern an seinem Krankenbett in einer Bostoner Klinik kooperativ, hieß es. Weder er noch sein sieben Jahre älterer Bruder Tamerlan, der bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei am vergangenen Freitag ums Leben kam, hätten Kontakt zu ausländischen Terrorgruppen gehabt, soll er gesagt haben. Ein Regierungsbeamter unterstrich jedoch gegenüber dem Sender CNN, dass die Aussagen des Verdächtigen noch überprüft werden müssten.

Bombenbauanleitung aus dem Netz

Wie es weiter hieß, gehen Ermittler auch der Frage nach, inwieweit die Brüder die Informationen zum Bombenbau dem von der Terrorgruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel auf Englisch im Internet veröffentlichte Onlinemagazin "Inspire" entnommen haben könnten. Andere Quellen hätten jedoch drauf hingewiesen, dass solche Bombenbauanleitung unter Verwendung von Schnellkochtöpfen auch von anderen Gruppen ins Netz gestellt worden seien, hieß es.

Dschochar Zarnajew bezichtigt den Berichten zufolge seinen Bruder Tamerlan, die treibende Kraft hinter den Anschlägen auf den Boston-Marathon gewesen zu sein. Der Ältere habe sich vom Heiligen Krieg motivieren lassen und den Islam retten wollen.

Der 19-Jährige muss sich vor einem Zivilgericht wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen verantworten. Ihm droht die Todesstrafe. Bei der Explosion der beiden Sprengsätze im Zielbereich der traditionsreichen Laufveranstaltung waren am Montag vergangener Woche drei Menschen getötet und über 200 verletzt worden.

Mögliche Versäumnisse der Sicherheitsbehörden

Nach dem Bombenanschlag auf den Marathon ist die Aufarbeitung von möglichen Versäumnissen der Sicherheitsbehörden im vollen Gange. Vor dem Justizausschuss des US-Senats in Washington räumte Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Dienstag (Ortszeit) ein, dass die Ausreise des mutmaßlichen Attentäters Tamerlan Zarnajew in die unruhigen Kaukasusrepubliken Dagestan und Tschetschenien den US-Behörden zwar bekannt war, seine Rückkehr ihnen aber entging.

Tamerlan Zarnajew war 2011 auf Bitten Russlands von der US-Bundespolizei FBI befragt worden. 2012 reiste er nach Russland und besuchte während seines sechsmonatigen Aufenthalts auch Dagestan und Tschetschenien, wo einige islamistische Gruppen aktiv sind.

Unterdessen wurden zwei Männer, die einen #link;http://www.stern.de/panorama/kanada-polizei-verhindert-anschlag-auf-reisezug-2000936.html;Anschlag auf den Fernzug Toronto-New York# geplant haben sollen, in Kanada dem Haftrichter vorgeführt.

Die beiden 30 und 35-Jährigen, die am Montag in Toronto und Montreal festgenommen worden waren, blieben anschließend in Gewahrsam. Sie sollen nach Medienberichten tunesischer und palästinensischer Herkunft sein. Nach Angaben der Polizei erhielten sie bei der Tatplanung "Anweisungen und Unterstützung" von Mitgliedern des Terrornetzwerks Al-Kaida aus dem Iran. Beide Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen zurück.

kmi/DPA/AFP / DPA