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Ein Jahr nach dem Anschlag: Boston feiert seinen Marathon

Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Boston Marathon sind wieder tausende Läufer an den Start gegangen. Die Veranstaltung wurde zu einer Demonstration der Stärke - und hoch emotional.

Mit der Flagge "Boston Strong" signalisieren ein Vater und sein Sohn als Zuschauer des Boston Marathons, dass sie sich nicht unterkriegen lassen

Mit der Flagge "Boston Strong" signalisieren ein Vater und sein Sohn als Zuschauer des Boston Marathons, dass sie sich nicht unterkriegen lassen

Ein Jahr nach dem blutigen Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon hat die US Ostküstenstadt mit einem Straßenfest der Terrorangst getrotzt. Jubelnde Zuschauer feuerten am Montag die rund 36.000 Läufer beim diesjährigen Marathon lautstark an. Die Sicherheitsvorkehrungen waren aber massiv, tausende Polizisten patrouillierten an der Rennstrecke.

"Wir wollen zeigen, dass der Geist der Läufer unverwüstlich und stark ist", sagte Amby Burfoot. Der 67-Jährige hatte das Traditionsrennen 1968 gewonnen, im vergangenen Jahr konnte er den Marathon wegen des Anschlags nicht beenden. Nun stand er bei Sonnenschein und blauem Himmel wieder an der Startlinie im Bostoner Vorort Hopkinton. "Dieses Jahr kommen wir zurück, so gut wie noch nie", sagte Burfoot. Die Menschen in Boston würden die Teilnehmer "doppelt so laut" unterstützen.

Am 15. April 2013 hatten die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew zwei Sprengsätze im Zielbereich des Marathons gezündet. Bei dem Attentat starben drei Menschen, rund 260 weitere wurden verletzt. Mehrere der Verwundeten verloren Arme und Beine. Auf der Flucht erschoss das Brüderpaar einen Polizisten.

Schweigeminute für die Opfer des Anschlags

In diesem Jahr hatten sich etwa 9000 Läufer mehr angemeldet als 2013. Die Veranstalter rechneten mit rund einer Million Zuschauer für den Lauf, der in mehreren Etappen gestartet wurde. Vor dem ersten Startschuss hielt die Menge in Hopkinton eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags ab. Anschließend machten sich die Behindertensportler auf die 42 Kilometer lange Strecke, gefolgt von den Profis und den Freizeitläufern.

Bei den Frauen kam die Kenianerin Rita Jeptoo als erste ins Ziel und stellte mit 2:18:57 Stunden einen neuen Streckenrekord auf. Beim Marathon der Männer hatten die USA an diesem symbolträchtigen Tag einen Grund zum Jubeln: Meb Keflezighi konnte das Rennen in 2:08:37 Stunden als erster US-Athlet seit 1983 gewinnen.

Überall trugen Menschen T-Shirts mit der Parole "Boston Strong" (Starkes Boston), mit der die Stadt im Bundesstaat Massachusetts auf den Anschlag reagiert hatte. "Wir können die Terroristen nicht gewinnen lassen", sagte Rudy Duplissis, der seine Tochter in dem Marathon anfeuerte. "Wir kommen zurück, egal wie, sie werden uns nicht stoppen."

Doppelt so viele Polizisten wie im Vorjahr

Duplissis und seine Frau Claire saßen in Klappstühlen an der Ziellinie auf der Boylston Street in Bostons Innenstadt, wie im vergangenen Jahr, als sie dort Zeugen des Bombenanschlags wurden. "Es wurden genügend Vorkehrungen getroffen, ich fühle mich sicher", sagte Claire. Ihr Mann stimmte zu: "Auf jeden Fall gibt es mehr Sicherheit. Mehr Straßen sind abgesperrt, Polizeihunde schnüffeln."

3500 Polizisten - doppelt so viele wie im Vorjahr - sowie 600 Nationalgardisten und 3500 Angehörige privater Sicherheitsdienste schützten das Sportereignis am Montag. Taschen und Rücksäcke waren im Start- und Zielbereich streng verboten. Die Attentäter hatten ihre aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Metallsplittern gebauten Sprengsätze vergangenes Jahr in Rücksäcken nahe der Ziellinie versteckt.

Der 26-jährige Tamerlan Zarnajew war wenige Tage nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet worden, sein jüngerer Bruder Dschochar wurde schwer verletzt festgenommen. Der mittlerweile 20-Jährige sitzt im Bundesgefängnis Fort Devens in Massachusetts ein und wartet auf seinen Prozess, der am 3. November beginnen soll. Das US Justizministerium strebt für ihn die Todesstrafe an. Die Ermittler glauben, dass das Brüderpaar von radikalislamischem Gedankengut beeinflusst gewesen war.

tkr/Mariano Andrade/AFP / AFP