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Chinesischer Künstler Ai Weiwei: Bundestag bekräftigt Forderung nach Freilassung

Die Forderungen nach einer Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei reißen nicht ab. Der Menschenrechtsausschuss des Bundestags appellierte erneut an die chinesische Staatsführung, den seit zwei Wochen an unbekanntem Ort inhaftierten Künstler unverzüglich freizulassen.

Sitzen und Schweigen für Ai Weiwei: Künstler und Anhänger des chinesischen Regimekritikers haben am Sonntag für dessen Freilassung demonstriert. In deutschen Städten wie Berlin, München, Hamburg oder auch Minden beteiligten sich mehrere hundert Demonstranten an einer weltweiten Protestaktion, zu der im sozialen Netzwerk Facebook aufgerufen worden war. Auch Menschenrechtler meldeten sich am Wochenende zu Wort. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in Peking für den inhaftierten Künstler eingesetzt haben.

Ai WeiWei war am 3. April kurz nach Eröffnung der deutschen Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung" in Peking festgenommen worden. Seitdem fehlt von ihm jedes Lebenszeichen.

Ais Schwester Gao Ge sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, sie sei nicht sicher, dass die weltweiten Proteste gegen die Inhaftierung zur Freilassung ihres Bruders beitragen würden. "Ich glaube aber nicht, dass die internationalen Proteste seine Lage verschlimmern", sagte sie in einem Telefongespräch. Es gebe weiter keine Informationen dazu, wo Ai Weiwei sich aufhalte.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge drückte Merkel ihre Sorge über Ai Weiweis Schicksal aus und setzte sich für dessen Freilassung ein. "Die Haltung der Bundeskanzlerin zur Inhaftierung von Ai Weiwei ist klar und bekannt, aber in sonstiger Hinsicht ist der Bericht des Spiegel unzutreffend", sagte eine Regeirungssprecherin. Einzelheiten wollte die Sprecherin auch auf mehrfache Nachfrage nicht nennen.

Auch der Menschenrechtsausschuss des Bundestags äußerte demnach in einem Brief an den chinesischen Staatschef Hu Jintao großes Unverständnis über die Festnahme des Regimekritikers.

Der CDU-Menschenrechtspolitiker Michael Brand sagte den Angaben zufolge, wenn Chinas Kommunistische Partei die individuelle Kreativität zum Beispiel in Wissenschaft und Wirtschaft stärken wolle, müsse sie auch die Zwangsjacke für die individuelle Freiheit der Kunst lockern. Der Versuch, dies zu trennen, sei politische Schizophrenie.

Gegen die derzeit in Deutschland diskutierte vorzeitige Schließung der deutschen Kunstausstellung in Peking sprachen sich der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann und der Berliner Staatssekretär für Kultur, Andreas Schmitz, aus. "Ich bin ein großer Verfechter von Möglichkeiten, auch in schwierige Länder mit kulturellen Auftritten zu gehen. Wenn man jetzt zurückzieht, dann ist nichts gewonnen", sagte Lehmann am Sonntag in einem Interview des Deutschlandfunks.

Im Tagesspiegel (Sonnabend) schrieb Berlin Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Gedanke, die Kunst der europäischen Aufklärung im Herzen Pekings zu präsentieren, habe etwas Faszinierendes. "Trotz ihres verkorksten Auftakts: Die Ausstellung muss bleiben."

Der Protest auf Stühlen war Teil der globalen Aktion "1001 Stühle für Ai Weiwei". Der Protest spielte auf Ai Weiweis documenta-Beitrag "Fairytale" im Jahr 2007 an. Zur documenta hatte Ai Weiwei 1001 Chinesen und ebenso viele Holzstühle aus der Qing-Dynastie nach Kassel geholt.

Mit einer Mahnwache demonstrierten am Samstag etwa ein Dutzend Aktivisten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Berlin für die Freilassung Ais und weiterer Regimekritiker. An der Aktion am Brandenburger Tor beteiligte sich auch der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck.

"Wir wollen erreichen, dass öffentlich bekanntwird, dass viele Menschen in Deutschland mit der chinesischen Politik nicht einverstanden sind", sagte Amnesty-Aktivist Martin Reiner. Dass sich Amnesty für den Künstler einsetze, zeige, dass es auch um einen politischen Fall gehe, sagte Staeck. Für den 26. April kündigte er ein Akademie-Gespräch zu Ai Weiwei an. Eingeladen sind unter anderem der frühere SPD-Politiker Egon Bahr, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger.

AFP/DPA / DPA