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Einsatz gegen Islamisten: UN-Helfer berichten von Gräueltaten in Mali

Obwohl Nord-Mali weitgehend von der Armee befreit wurde, geben sich die Islamisten nicht geschlagen. UN-Helfer sind bestürzt über Gräueltaten an der Zivilbevölkerung.

Islamistische Rebellen feuerten am Freitag zwei Raketen auf die nordmalische Stadt Gao ab. Bereits in den vergangenen Tagen war es in der Region zu schweren Kämpfen mit Regierungstruppen gekommen.

"Die Islamisten haben am Morgen zweimal auf die Stadt Gao gefeuert. Glücklicherweise sind die Raketen in einem unbewohnten Gebiet eingeschlagen", sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur DPA.

"Wir haben erschreckende Berichte erhalten"

Nach UN-Angaben werden trotz militärischer Erfolge gegen radikal-islamistische Gruppierungen im Norden des afrikanischen Landes Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen. "Wir haben erschreckende Berichte über die Verletzung von Menschenrechten erhalten", sagte der Sprecher des UN-Büros für Nothilfekoordination, Jens Laerke, am Freitag in Genf.

Die Nothelfer seien besorgt über das Schicksal von mehr als 1,2 Millionen Menschen, die von Militäroperationen betroffen und nur schwer erreichbar seien. Es gebe Berichte über Zwangsrekrutierungen von Kindern als Kämpfern sowie zunehmende sexuelle Gewalt. Der OCHA-Sprecher machte keine konkreten Angaben zu den Gewalttätern.

Die Stadt Gao war zwischen Mittwoch und Donnerstag Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Extremisten und Streitkräften. Dabei kamen nach Angaben des nationalen Radios mindestens 16 Rebellen ums Leben. Sechs malische Soldaten wurden bei den Gefechten verletzt. Die malische Armee wurde bei den Kämpfen von Truppen aus Frankreich und Niger unterstützt.

Extremisten zünden zwei Autobomben

Der Armeesprecher bestätigte Medienberichte, wonach Extremisten am Freitagmorgen zwei Autobomben in der Nähe von Tessalit an der Grenze zu Algerien gezündet haben. Die Stadt liegt rund 1700 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako. Nord-Mali samt der Städte Gao, Kidal und Timbuktu war nach einem Militärputsch im März 2012 in Islamistenhände gefallen. Regierungstruppen hatten die Städte mit französischer Hilfe im vergangenen Monat zurückerobert. Mehrere Rebellen waren vor wenigen Tagen offenbar über den Fluss Niger erneut in Gao eingedrungen.

Seit der Militärintervention Frankreichs Mitte Januar haben die Vereinten Nationen 16 000 zusätzliche Flüchtlinge registriert. Sie benötigten dringende humanitäre Hilfe. Schwere Probleme würden auch Minen und Blindgänger in den Kampfgebieten bereiten. Kritisch beurteilte auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Lage in Mali. Die Situation sei nicht günstig für eine Rückkehr der geflüchteten Bevölkerung.

amt/DPA / DPA
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