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Nach Selbstmordanschlag Ihr gefährlichster Einsatz: Was die Bundeswehr im westafrikanischen Krisenstaat Mali macht

Ein Bundeswehr-Soldat schaut mit Sonnenbrille und schwarzen Ohrenschützern unter einer deutschen Flagge von einem Fahrzeug herab
Die Bundeswehr ist seit 2013 in Mali im Einsatz
© Michael Kappeler / DPA
Nach dem Selbstmordanschlag in Mali sind alle zwölf verletzten Soldaten wieder in Deutschland. Seit 2013 ist die Bundeswehr in dem Krisenland im Einsatz – und der gilt inzwischen als der gefährlichste der Truppe.

Die Beteiligung an der UN-geführten Stabilisierungsmission in Mali (Minusma) gilt als gefährlichster Auslandseinsatz der Bundeswehr. Seit rund acht Jahren sind deutsche Soldaten in dem westafrikanischen Krisenstaat stationiert. Als Teil der UN-Mission Minusma übernimmt die Bundeswehr mit bis zu 1100 Soldaten unter anderem Aufklärungsaufgaben. Im Rahmen der EU-Trainingsmission EUTM bildet sie mit bis zu 600 Kräften in Mali einheimische Soldaten aus. 

Erst im Mai hatte der Bundestag beide Mandate um ein weiteres Jahr verlängert, die EUTM-Mission wurde sogar aufgestockt. Der Großteil des deutschen Minusma-Einsatzkontingents ist im Nordosten des Landes im Camp Castor in Gao stationiert. Etwa 180 Kilometer nordöstlich von Gao wurden am Freitag bei einem Selbstmordanschlag zwölf Bundeswehrsoldaten verletzt, drei von ihnen schwer. Alle Verwundeten sind mittlerweile zur weiteren medizinischen Behandlung nach Deutschland geflogen worden.

Bundeswehr kümmert sich um Logistik

Deutschland stellt auch Personal für das Hauptquartier der Minusma-Mission in Bamako und für eine Logistik-Einheit am Flughafen der malischen Hauptstadt. Auch im Nachbarland Niger sind deutsche Blauhelmsoldaten stationiert. In der Hauptstadt Niamey betreibt die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt für Material- und Personaltransporte sowie für die Versorgung von Verwundeten.

An der Blauhelmmission Minusma beteiligen sich Dutzende Länder mit insgesamt rund 13.000 Soldaten – darunter derzeit rund 900 aus Deutschland – sowie 1700 Polizisten. Der Einsatz beruht auf der im April 2013 verabschiedeten UN-Resolution 2100. Zuvor hatten französische Streitkräfte in den Kampf gegen radikale Islamisten und Rebellen im Norden Malis eingegriffen, nachdem das Land im Zuge eines Putsches im März 2012 ins Chaos gestürzt war. 

Bundestag schickt bewaffnete Soldaten für UN-Mission

Im Juni 2013 beschloss der Bundestag die Beteiligung bewaffneter deutscher Soldaten an Minusma. Anfang 2016 wurde eine Erweiterung des deutschen Engagements beschlossen. Kernaufgabe der UN-Mission ist die Überwachung einer Waffenruhe zwischen den malischen Konfliktparteien. Zudem soll der Einsatz zur Sicherheit, Stabilisierung und zum Schutz der Bevölkerung beitragen.

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Hauptaufgaben der deutschen Blauhelmsoldaten in Mali sind die Aufklärung, Beobachtung und "Mitwirkung am Gesamtlagebild". Daneben zählen unter anderem Führungs- und Beratungstätigkeiten sowie Lufttransport und -betankung zu den Aufgaben der Truppe.

Gewalt in Mali erreicht auch Nachbarländer

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von zunehmender Instabilität geprägt. Die meist islamistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Tausende Soldaten und Zivilisten wurden in der Krisenregion getötet, Hunderttausende mussten aus ihrer Heimat fliehen. Die Lage in dem Land gilt unter Beobachtern als "besorgniserregend".

Dschihadisten und regionale Milizen griffen zuletzt vermehrt auch internationale Truppen an. Sie machen sich eine mangelnde Präsenz des Staates zunutze. Es wird befürchtet, dass sie sich weiter in rechtsfreien Räumen ausbreiten – vor allem nachdem es in dem Staat im Mai den zweiten Umsturz der Regierung binnen eines Jahres gegeben hatte. 

tkr AFP

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