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Flüchtlinge auf Lampedusa: Fischer errichten Hafenblockaden

Die Insel Lampedusa ist voll. Jetzt sollen Marineschiffe die Menschen aufs Festland bringen. Fischer blockieren den Hafen, um das Anlegen von weiteren Flüchtlingsbooten zu verhindern. Die Aufständischen in Libyen sicherten Hilfe zu.

Italiens Behörden wollen möglichst viele afrikanische Flüchtlinge von der hoffnungslos überfüllten Mittelmeer-Insel Lampedusa in andere Landesteile bringen. Dazu schickt Rom sechs Schiffe auf den Weg zu dem nur 20 Quadratkilometer großen Eiland. Die fünf Passagierschiffe sowie das bereits zum Flüchtlingsabtransport eingesetzte Marineschiff "San Marco" haben Platz für rund 10.000 Menschen und werden am Mittwoch in Lampedusa eintreffen, teilte das italienische Innenministerium am Montag mit. Damit könnten alle Flüchtlinge von der Insel geschafft werden, auf der sich zuletzt mehr als 5500 größtenteils tunesische Immigranten befanden.

Innenminister Roberto Maroni von der ausländerfeindlichen Regierungspartei Lega Nord teilte mit, die Regierung von Silvio Berlusconi organisiere in ganz Italien die Errichtung von Zeltstädten, um bestehende Auffanglager zu entlasten. Auch leerstehende Kasernengebäude sollten für Bootsflüchtlinge hergerichtet werden, hieß es. Am Mittwoch werde das Kabinett in einer Sondersitzung über Maßnahmen gegen den Flüchtlingsnotstand beraten.

Fischer blockieren den Hafen

Auf Lampedusa nahm am Montag das Chaos hingegen weiter zu. Wie italienische Medien berichteten, blockierten einige Fischer vorübergehend den Hafen mit einer Barriere aus konfiszierten Booten, um das Eintreffen weiterer Flüchtlinge zu verhindern. Andere behinderten mit umgekippten Müllcontainern die Ankunft der Menschen. Allein in den vergangenen drei Tagen erreichten 3700 Flüchtlinge die Insel; insgesamt waren es seit Jahresbeginn wegen der Umbrüche in den arabischen Staaten schon 18.500. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden auf Lampedusa 4000 Flüchtlinge gezählt.

Auf der Insel, die selbst nur etwa 4500 Einwohner hat, müssen derzeit rund 6000 Flüchtlinge im Freien übernachten. Oberhalb des Hafens haben sich viele aus Strandgut notdürftige Zelte gebaut. Die meisten klagen über mangelhafte Versorgung, während die Inselbevölkerung Gesundheitsgefahren befürchtet.

Libysche Rebellen wollen Fluchtwege versperren

Der Chef des Nationalen Übergangsrats in Libyen, Mustafa Abdel Dschalil, will im Falle einer Machtübernahme die illegale Einwanderung nach Europa bekämpfen. Der Nationalrat werde afrikanischen Flüchtlingen den Weg über Libyen nach Europa verwehren und auch Schleuserbanden bekämpfen, sagte Abdel Dschalil am Montagabend in einem Telefoninterview dem italienischen Fernsehen. Zwischen Italien und Libyen gibt es seit 2008 einen Freundschaftsvertrag, mit dem Rom Investitionen und Tripolis den Kampf gegen die illegale Einwanderung zusichert. Der Vertrag liegt aber seit der Unterdrückung der Proteste gegen Machthaber Muammar al Gaddafi auf Eis. Gaddafi drohte bereits, "Millionen" Einwanderer nach Europa zu schicken.

Von der Küste Libyens wagten in den vergangenen Tagen wieder hunderte Flüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Eritrea die Überfahrt nach Europa. Während am Montagabend rund 150 Afrikaner auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa eintrafen, erreichten auch Malta die ersten Flüchtlingsboote dieses Jahres. Aus Richtung Libyen strandeten dort am Montag 500 Menschen aus Somalia und Eritrea, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.

Erstmals Libyen-Flüchtlinge auf Malta

Unterdessen sind erstmals seit Beginn des Aufstands gegen den Machthaber Muammar al Gaddafi auf der Mittelmeerinsel Malta Flüchtlinge aus Libyen eingetroffen. In zwei Booten hääten sich 550 Flüchtlinge befunden, teilten die Malteser Behörden mit. Die Regierung Maltas befürchtet, dass das der Beginn eines Flüchtlingsansturms auf den EU-Staat sein könnte.

AFP/DPA / DPA