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Flüchtlingsdrama im Mittelmeer Besatzung soll Alkohol und Haschisch konsumiert haben


Überlebende des Flüchtlingsdramas belasten den Kapitän und den Steuermann des Schiffes schwer. Die Männer sollen auf der Fahrt Drogen genommen haben - und hätten am Ende versucht, sich zu verstecken.

Nur 28 Menschen überlebten die jüngste Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, bei der bis zu 950 Männer, Frauen und Kinder ums Leben gekommen sein sollen. Ein Überlebender hat sich nun mit schweren Vorwürfen gegen die Besatzung des Schiffes an die italienische Presse gewandt.

In einem Video, das die Zeitung "Corriere della Sera" veröffentlichte, erzählt ein junger Überlebender, der sich Nasir nennt, dass der 27-jährige tunesische Kapitän und ein 25-jähriges syrisches Besatzungsmitglied während der Fahrt Wein getrunken und Haschisch konsumiert hätten.

Die Zeitung "El País" berichtet außerdem unter Berufung auf die italienische "La Stampa", ein weiterer Zeuge habe zu Protokoll gegeben, dass die Besatzung das Steuer verlassen hätte, als die italienische Küstenwache sich genähert habe. Dem Bericht zufolge sei es üblich, dass die Schleuser sich unter die Flüchtlinge mischten, wenn sie das Schiff nicht rechtzeitig verlassen können. Auf diese Weise würden sie versuchen, unerkannt zu bleiben.

Kapitän navigierte falsch

Am Dienstag waren der Kapitän und der syrische Steuermann festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung, Menschenhandel und Schiffbruch vor. Der Komplize muss sich wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung verantworten. Zuvor waren die Männer mit den Überlebenden im Hafen der sizilianischen Stadt Catania eingetroffen. Sie gaben sich nicht zu erkennen, einige der Flüchtlinge konnten sie jedoch identifizieren.

Das völlig überfüllte Flüchtlingsschiff war vor der libyschen Küste gekentert. Wie viele Menschen bei dem vermutlich schlimmsten Flüchtlingsunglück auf dem Mittelmeer gestorben sind, wird wohl nie feststehen, da die Suche nach Vermissten bisher ergebnislos blieb.

Zeugen erzählten laut Nachrichtenagentur Ansa dem Flüchtlingswerk UNHCR, dass das Flüchtlingsboot in der Nacht zum Sonntag mit einem portugiesischem Handelsschiff zusammengestoßen sei. Dann sei Panik ausgebrochen, das Schiff habe sich immer mehr zur Seite geneigt und sei schließlich gesunken. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war ein Navigationsfehler des Kapitäns Schuld an dem Unglück.

kis/DPA/AFP DPA

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