Friedensnobelpreis Neun Mythen


Spekulationen, Wunschdenken und wilde Vermutungen: Kaum eine Auszeichnung ist so von Missverständnissen umgeben wie der Friedensnobelpreis.

Der Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers gehen zahllose Spekulationen, Wunschdenken und wilde Vermutungen voraus, denen oft jede Grundlage fehlt. Der Sekretär des Osloer Nobelpreiskomitees, Geir Lundestad, nennt neun weit verbreitete Mythen zum Friedensnobelpreis:

Mythos 1

Das Nobelpreiskomitee veröffentlicht eine Liste möglicher Preisträger.

Falsch

Das Komitee veröffentlicht keine Namen von Kandidaten und arbeitet höchst vertraulich. Seine Unterlagen werden 50 Jahre lang unter Verschluss gehalten.

Mythos 2

Wenn die öffentliche Meinung intensiv für einen bestimmten Kandidaten eintritt, neigt das Komitee dazu, dieser Stimmung zu folgen.

Falsch

Eine öffentliche Kampagne kann sogar den gegenteiligen Effekt haben, weil das Komitee nichts so sehr fürchtet wie den Eindruck, sich einem Druck von außen gebeugt zu haben.

Mythos 3

Kandidaten können bis zur letzten Minute nominiert werden.

Falsch

Die Frist zur Nominierung endet acht Monate vor der Bekanntgabe des Preisträgers. Im Jahr des Camp-David-Friedens zwischen Israel und Ägypten, 1978, konnte der damalige US-Präsident Jimmy Carter den Preis allein deswegen nicht erhalten, weil er nicht rechtzeitig vorgeschlagen worden war. Im vergangenen Jahr wurde Carter fristgerecht nominiert und erhielt dann auch den Preis.

Mythos 4

Jeder kann dem Komitee einen Vorschlag einreichen.

Falsch

Die Statuten für den Friedensnobelpreis enthalten eine eindeutig bestimmte Liste von Personen, die zu einer Nominierung berechtigt sind. Nach kleineren Veränderungen in diesem Jahr umfasst der Kreis der zur Nominierung Berechtigten die bisherigen Friedensnobelpreisträger, gegenwärtige und ehemalige Mitglieder des Komitees sowie ihre Mitarbeiter, Mitglieder von nationalen Regierungen und Parlamenten, Universitätsprofessoren für Recht, Theologie, Sozialwissenschaften, Geschichte und Philosophie, Leiter von Instituten für Friedensforschung und zur Erforschung der internationalen Beziehungen sowie die Mitglieder internationaler Gerichtshöfe.

Mythos 5

Der Preis kann aberkannt werden, wenn ein Preisträger gegen die mit der Verleihung verbundenen ethischen Grundsätze verstößt.

Falsch

Der Friedensnobelpreis erstreckt sich nicht auf künftiges Verhalten.

Mythos 6

Der Preis kann posthum verliehen werden.

Falsch

Nur ein einziges Mal wurde einem Verstorbenen der Friedensnobelpreis verliehen - 1961 an den tödlich verunglückten UN-Generalsekretär Doug Hammerskjöld. Danach wurde diese Möglichkeit 1974 abgeschafft. Wenn jedoch ein Preisträger nach Bekanntgabe und vor der Verleihung am 10. Dezember stirbt, geht ihm oder ihr die Auszeichnung nicht verloren.

Mythos 7

Der Preis wird für erfolgreiche Bemühungen um den Frieden verliehen.

Nicht unbedingt

Oft wurde der Preis an Personen verliehen, deren Einsatz noch nicht mit Erfolg gekrönt war.

Mythos 8

Der Nobelpreis wird von der norwegischen Regierung verliehen.

Falsch

Mitglieder der norwegischen Regierung und des Parlaments dürfen dem Preiskomitee nicht angehören. Nach dem Testament Alfred Nobels von 1895 werden die fünf Mitglieder des Komitees vom Parlament in Oslo berufen, sind aber unabhängig und dem Parlament in keiner Weise rechenschaftspflichtig.

Mythos 9

Der Friedensnobelpreis wird in Stockholm verliehen.

Falsch

Der Preis wird entsprechend dem Willen von Alfred Nobel in Oslo verliehen. Nur die anderen fünf Nobelpreise werden in Stockholm übergeben.


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