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Geiseldrama vor Somalia: Piraten rufen Verstärkung

Showdown im Golf von Aden: Während weitere US-Kriegsschiffe in der Region eintreffen, bekommen die Kidnapper des Kapitäns der "Maersk Alabama" offenbar Verstärkung von gekaperten Frachtern, darunter auch die deutsche "Hansa Stavanger". Französische Soldaten haben derweil ein entführtes Segelschiff gestürmt.

Nach der Entführung des Kapitäns der "Maersk Alabama", Richard Phillips, durch Piraten, bahnt sich vor der Küste Somalias offenbar eine dramatische Konfrontation an. Die von der US-Marine bedrängten Seeräuber haben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP von Gesinnungsgenossen gekaperte Schiffe zu Hilfe gerufen. Nach somalischen Angaben verließen vier der Schiffe am Freitag die Küstenregion bei Eyl, darunter auch die "Hansa Stavanger" mit fünf deutschen Seeleuten an Bord.

Das französische Militär befreite unterdessen das im Golf von Aden entführte Segelschiff "Tanit". Dabei seien eine der fünf Geiseln sowie zwei der Piraten getötet worden, teilte das Präsidialamt in Paris mit. Die anderen vier Passagiere seien gerettet worden, darunter ein dreijähriges Kind. Drei Piraten seien in Gewahrsam genommen worden. Das Segelboot war am vergangenen Samstag gekapert worden. Nach Angaben des Präsidialamtes hatten die französischen Behörden am Donnerstag zwar Verhandlungen mit den Seeräubern aufgenommen. Die Regierung habe sich aber nicht erpressen lassen wollen. Deshalb habe sie die gewaltsame Befreiungsaktion beschlossen.

Der US-Kommandeur für den Nahen und Mittleren Osten, General David Petraeus, hatte am Donnerstag die Entsendung weiterer Kriegsschiffe in die Region bekanntgegeben. Die Fregatte "USS Halyburton" traf am Freitag bereits im Piratengebiet ein, wie das Verteidigungsministeriums in Washington mitteilte. Weitere Schiffe sollen folgen. Ziel sei es, "alle Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, die in den nächsten Tagen nötig sein könnten", sagte Petraeus.

AP zufolge bedrängten ein Zerstörer und ein Aufklärungsflugzeug der US-Marine am Freitag die Kidnapper von Kapitän Phillips. Diese wiederum warnten die USA vor einem Angriff. Sie würden jede Militäraktion zurückschlagen. "Wir haben keine Angst vor den Amerikanern", sagte ein Sprecher der Seeräuber in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die vier Männer dümpeln mit ihrer Geisel auf einem Beiboot ohne Benzin in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem US-Zerstörer "USS Bainbridge" im Indischen Ozean. Nach Informationen des britischen Rundfunksenders BBC haben sie Wasser und Lebensmittel für eine Woche an Bord.

Kapitän Phillips ist derweil offenbar mit einem tollkühnen Fluchtversuch gescheitert. US-Fernsehsender meldeten, der 53-Jährige sei ins Wasser gehechtet und habe zu der in der Nähe kreuzenden "Bainbridge" schwimmen wollen. Er sei aber kurz darauf von seinen Wächtern gefasst und wieder in das Rettungsboot gezerrt worden. Kreise des Verteidigungsministeriums gingen davon aus, dass Phillips die Aktion unverletzt überstanden habe.

Die Piraten hatten am Mittwoch vergeblich versucht, den unter US-Flagge fahrenden Frachter "Maersk Alabama" in ihre Gewalt zu bringen. Sie wurden in die Flucht geschlagen, konnten jedoch Kapitän Phillips entführen und verlangen nun Lösegeld für seine Freilassung. Experten des FBI haben die Verhandlungen mir den Kidnappern übernommen. Die "Maersk Alabama" hat inzwischen wieder Kurs auf ihren Zielhafen Mombasa in Kenia genommen.

Somalische Piraten haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Schiffe gekapert und hohe Lösgelder erpresst. Ein internationaler Verband von Kriegsschiffen, an dem auch die Deutsche Marine beteiligt ist, versucht, ihnen Einhalt zu gebieten. Neben anderen Schiffen ist auch die "Hansa Stavanger" der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg in der Gewalt der Piraten. Das Containerschiff mit insgesamt 24 Besatzungsmitgliedern war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste von Seeräubern gekapert worden.

DPA/AP / AP / DPA