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Benjamin Schnau: Mein harter Weg nach Hollywood

Ein junger Deutscher will es in Hollywood als Schauspieler schaffen. Abends kellnert er, tagsüber versucht er, Kontakte zu knüpfen. Schnell merkt der 31-Jährige jedoch, dass er für seinen Traum härter kämpfen muss, als gedacht. Doch Aufgeben kommt für ihn nicht infrage.

Benjamin Schnau am Filmset zu "Perhaps a Hero", in dem er einen deutschen Soldaten spielt. Schon als Kind träumte der 31-Jährige davon, Schauspieler zu werden. 2017 wagte er den Schritt über den großen Teich, lebt seitdem in Los Angeles.

Benjamin Schnau am Filmset zu "Perhaps a Hero", in dem er einen deutschen Soldaten spielt. Schon als Kind träumte der 31-Jährige davon, Schauspieler zu werden. 2017 wagte er den Schritt über den großen Teich, lebt seitdem in Los Angeles.

Vom Tellerwäscher zum Millionär, so lautet der amerikanische Karriere-Traum. In die hat es Benjamin Schnau bereits geschafft – und auch den Job als Tellerwäscher hat der 31-Jährige aus Magdeburg inzwischen in der Tasche. Doch er will mehr. Sein Ziel: Ein angesagter Schauspieler werden. Dafür muss er so manches Opfer bringen – und noch einmal ganz von vorn anfangen.

Schon während der Schulzeit hatte Benjamin Schnau Schauspielunterricht genommen und am Schultheater gespielt. "Eigentlich wusste ich schon früh, dass ich das auch beruflich machen will", sagt Schnau. "Doch wie es so ist, wird man in jungen Jahren oftmals von seinem Umfeld geleitet, die einem immer wieder sagt, man solle doch etwas 'Anständiges' machen. Schauspielerei sei ja nur brotlose Kunst."

Schnau, der mit seiner Mutter 1992 seine Heimat in Sachsen-Anhalt verlässt und in die Nähe von Frankfurt am Main zieht, studiert daher zunächst BWL. Als seine Mutter 2008 nach ihrem jahrelangem Kampf gegen den Krebs stirbt, kündigt er kurzerhand seinen Bürojob und zieht nach , um seine Karriere vom internationalen Schauspieler erstmals in Angriff zu nehmen. "Von meiner Mutter Abschied zu nehmen hat mir gezeigt wie kurz das Leben sein kann und dass man danach gehen sollte, was einem seine innere Stimme sagt."

Abflug: 2017 wagte Schnau den Sprung über den großen Teich.

Abflug von London Heathrow: Im März 2017 wagte Schnau den Sprung über den großen Teich.


Überall wird er abgelehnt

Die ersten zwei Wochen verbringt er in einem heruntergekommenen , sieht sich nach Wohnungen um. Doch er merkt schnell: London ist teuer. "Ein Zimmer kostet im Schnitt monatlich 1200 Pfund, also rund 1300 Euro. Ich habe schnell gemerkt, dass im Zentrum leben erstmal nicht drin ist und bin so am Ende dann in Tottenham Hale, im Osten Londons in einer WG gelandet die aus einem Ukrainer, einer Engländerin und mir bestand." Er bezahlt 500 Pfund (rund 560 Euro) für ein Zimmer so groß wie ein Schuhkarton. Nachts kellnert er, tagsüber arbeitet er an seinem Traum. Er stellt sich bei jeder Agentur und für alle Studentenprojekte vor, bewirbt sich auf sämtliche Praktika. Nur so kann er Bildmaterial von sich sammeln.


"Ich habe sogar selber Szenen entwickelt und mich selber gefilmt, um spezielle Charaktere darzustellen. Du musst einfach erfinderisch werden", sagt Schnau. Er rennt sämtlichen Agenturen Londons die Türen ein, wird jedoch überall abgelehnt. Dann endlich kommt, wie aus dem Nichts, ein Anruf. Ein Agent zeigt Interesse. Schnau soll sich vorstellen. er bekommt eine erste Rolle in einem Werbespot für . Es folgen weitere kleinere Rollen. Bis heute ist er bei ihm unter Vertrag.

Benjamin Schnau in einer Filmszene

Schnau in der Rolle des deutschen Hauptgenerals Jupp Klein für den Sender National Geographic: "Man muss sich halt damit abfinden, dass man als Deutscher hier nun mal oft für Rollen als Deutscher, Bösewicht, Soldat oder Verbrecher gecastet wird."


Doch Schnau will mehr. Er wagt er den Schritt über den großen Teich. Von einem Amerikaner erhält er den Tipp für ein Studentenvisum, welches ihm ermöglicht, längere Zeit in den USA zu bleiben und zu arbeiten. Er sucht sich einen Kellnerjob auf dem Campus und schreibt sich an der Uni im Schauspiel und Filmprogramm in Los Angeles ein, um ein Visum zu beantragen. "Als ich in LA ankam habe ich mich komplett reingestürzt und mir eins am Flughafen geschworen: Ich werde jede Gelegenheit nutzen mich mit Leuten aus der Industrie zu vernetzen, ich werde mit jedem sprechen und Kontakt aufnehmen und niemals aufgeben. Auch wenn es hart wird, denn ich wusste, dass es hart werden wird", sagt er. 

Sechs unentgeltliche Praktika zeitgleich

London war bereits sehr teuer aber immer noch günstiger, als LA. "Da bekommst du kaum ein eigenes privates Zimmer in guter Lage unter 1500 Dollar (rund 1220 Euro)." Schnau landet bei einem Bekannten auf der Couch und bleibt dort die ersten neun Monate. Er zahlt 600 Dollar (rund 490 Euro). "Anfangs habe ich so viel Gas gegeben, bin zu Networking-Events gegangen, habe mit Produzenten, Casting-Direktoren und anderen Schauspielern gesprochen. Ich habe Praktika bei Filmproduktionen absolviert, monatelang ohne Bezahlung gearbeitet, um Beziehungen aufzubauen, mich bekannter zu machen und mich in der Branche weiter voranzubringen", erzählt er. "Doch dabei rum gekommen ist am Anfang selten was."

Er absolviert gleichzeitig sechs unentgeltliche Praktika bei Schauspielagenturen, Produktionsfirmen, Event-Agenturen und Schauspiel-Management-Firmen in der Hoffnung, den Personen zu begegnen, die mehr in ihm mehr sehen, ihn unterstützen wollen und ihn „aufs nächste Level heben können“, wie er sagt. "Du musst irgendwann einfach akzeptieren, dass Du von Null anfängst, dich keiner kennt und du für die Leute im Grunde genommen erst mal nicht von Bedeutung bist."

"Aufgeben gibt es nicht"

Denn Amerikaner machen es ihm mit ihrer Art nicht gerade leicht. "Man muss einfach verstehen, dass die Menschen speziell in LA unverbindlich sind, denn genau so wie ich lauern alle auf die nächste Gelegenheit eine Rolle zu ergattern und wichtige Leute aus der Industrie kennenzulernen." Er erinnert sich an ein nettes Gespräch mit einem Produzenten, der ihm das Gefühl gab, dieses Gespräch als "wichtig und seriös" zu erachten. Sie einigten sich darauf, am die Tage noch einmal zu telefonieren, um eventuelle zukünftige Projekte zu besprechen. Schnau bot ihm an, ihn gleich am nächsten Tag um 14 Uhr anzurufen. Doch plötzlich konnte sich der Produzent nur schwer an ihn erinnern. "Auf einmal war er alles andere als offen zu sprechen oder sich mit mir auszutauschen. Das einzige was ich hörte war 'Who is that?' 'Who is calling?'“, so Schnau. "Und somit ging es da wieder mal nicht weiter."

Benjamin Schnau bei seiner Arbeit als Tellerwäscher

Benjamin Schnau bei der Arbeit: Als Tellerwäscher und Kellner verdient er 16 Dollar (knapp 13 Euro) pro Stunde.

Es braucht vor allem eins, um in der Branche Fuß zu fassen: Durchhaltevermögen. "Man muss aufpassen, nicht in eine Depression zu verfallen oder frustriert zu werden, wenn es mal nicht läuft", so Schnau, der sich durch regelmäßiges Boxtraining fit hält und sich so ein dickes Fell rauf schafft. "Ich hatte Momente in denen ich mich fragte: 'Warum mache ich das überhaupt? Warum tue ich mir das an?'" Auch Selbstzweifel plagen ihn zwischendurch. "War es vielleicht ein Fehler, rüberzugehen? Mache ich irgendetwas falsch?" All diese Fragen beschäftigen den ambitionierten Deutschen. "Doch eins wusste ich am Ende immer genau: Aufgeben gibt es nicht! Zurück nach Deutschland gehen, geht immer. Doch meinen Traum verwirklichen, das geht vielleicht nur einmal im Leben."


Mittlerweile hat er auch gute Freunde gefunden und wohnt in einer WG in Downtown von LA. "Wir treffen uns meistens in Hollywood oder Santa Monica und gehen dann in eine Bar und später in einen Club", erzählt Schnau. Auf ein Auto verzichtet er, nimmt öffentliche Verkehrsmittel oder geht zu Fuß. "Die Leute gucken mich hier immer doof an, da ich so viel laufe. Hier in LA läuft einfach keiner mehr. Selbst Starbucks hat mittlerweile einen Drive thru." Bei seiner Arbeit als Kellner und Tellerwäscher verdient er als Teilzeitkraft 16 Dollar die Stunde, "über Durchschnitt", wie er sagt. "Wenn man an sich glaubt und ein Ziel vor Augen hat, dann darf man sich für nichts zu schade sein."

Benjamin Schnau wird am Filmset geschminkt

Schnau wird am Filmset zu "Perhaps a Hero" von einer Maskenbildnerin geschminkt

Sein Ziel ist es, eine Rolle in einer TV-, Netflix-Serie oder auch in einem Feature-Film zu landen. Mittlerweile hat sich sein Ehrgeiz schon ausgezahlt. Er ergatterte die Hauptrolle in einem Werbespot für Amazon und spielte einen Nazigeneral auf National Geographic. Erst vor kurzem hat er den Thriller "Drive" abgedreht, bei dem er einen Serienkiller spielt. Der Film wurde beim Hollywood Reel Independent Film Festival akzeptiert und feiert dort seine Premiere.

Auch an einem neuen Projekt dreht er schon. "Man muss sich halt damit abfinden, dass man als Deutscher hier nun mal oft für Rollen als Deutscher, Bösewicht, Soldat oder Verbrecher gecastet wird. Das ist nun einmal das, was sie hier in dir sehen." sagt er. "Aber hey, Christoph Waltz hat's ja am Ende auch nicht geschadet, oder?"

James Cameron