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GESPERRT! Neue Elektrogeräte: Stromfressern auf der Spur

Wissen Sie eigentlich, wie viel Energie Ihr Kühlschrank verbraucht? Wie viel die Waschmaschine? Und erst Ihr schöner Flachbildfernseher? Meist ist es viel zu viel. Und manchmal ist es billiger, neue Geräte zu kaufen, als die alten weiterlaufen zu lassen.

Von Elke Schulze

Als vor einem Monat die Jahresrechnung des Energieversorgers in ihrem Briefkasten lag, machte sich Heiderose Messner zum ersten Mal ernsthaft Gedanken über ihren Stromverbrauch. Schon wieder musste sie mehr bezahlen, inzwischen 41 Euro im Monat für ihre kleine 38-Quadratmeter-Wohnung, in der nicht mal ein Radio oder ein Fernseher steht. Denn sie lebt nicht verschwenderisch. Ein Berater ihres Versorgers Rhein-Energie kam dem Problem auf die Spur. "Vielleicht verbrauchen Ihre alten Haushaltsgeräte zu viel", vermutete er. Heiderose Messner überlegte: Den Herd benutzt sie kaum, aber den Kühlschrank hatte sie schon vor mehr als zehn Jahren gebraucht geschenkt bekommen.

Das Gerät der Marke Electrolux ist 14 Jahre alt und vereist ständig. Es verbraucht 0,047 Kilowatt Strom in der Stunde. Das summiert sich zu 412 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem Preis von 20 Cent pro Kilowattstunde kommen allein für den Kühlschrank so rund 82 Euro Stromkosten zusammen. Moderne Kühlschränke benötigen gerade noch 150 Kilowattstunden pro Jahr - kaum mehr als ein Drittel.

Ungelöste Rätsel

"Wenn ihr Verbrauch steigt, vermuten die Leute als Erstes, der Zähler sei kaputt oder der Nachbar zapfe im Keller Strom ab", sagt Energieberaterin Helene Neumann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie wird oft in Haushalte gerufen, in denen sich die Bewohner nicht erklären können, warum ihre Stromrechnung in die Höhe geschossen ist. "Die meisten Leute haben keine Ahnung, welche ihrer Geräte Stromfresser sind. Aber wer ständig Wasserbetten oder Aquarien beheizt und den Wäschetrockner anschaltet, braucht sich über eine hohe Rechnung nicht zu wundern."

Die Stromrechnungen der Deutschen erreichen Jahr für Jahr neue Höchststände. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Ausgaben um mehr als 25 Prozent. 2008 bezahlt der durchschnittliche Haushalt monatlich 63,15 Euro für Elektrizität - ein wichtiger Posten im Haushaltsbudget Höchste Zeit, das eigene Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn auf den Kilowattpreis hat der Einzelne kaum Einfluss, wohl aber auf seinen Verbrauch. Zwar gelten die Deutschen als energiebewusst, doch oft sparen sie nicht dort, wo es am meisten bringt: 80 Prozent verwenden Energiesparlampen, aber die Beleuchtung verbraucht nur acht Prozent des Haushaltsstroms. Einsparen lässt sich vor allem bei Kühl- und Gefrierschränken, Waschmaschinen und Trocknern, die zusammen rund 65 Prozent des Verbrauchs ausmachen.

Investieren lohnt sich

Als Heiderose Messner sich einen neuen Kühlschrank kaufen wollte, listete sie akribisch auf, was ihr wichtig war: Verbrauch, Maße, Preis. Ihr Favorit: eine Kühl-Gefrier-Kombination von Markenhersteller Liebherr mit Abtauautomatik und Energieeffizienzklasse A+. Die steht für besonders geringen Stromverbrauch. Mit 399 Euro war das Gerät aber auch relativ teuer. Am Ende machte ein No-Name-Produkt das Rennen: der PKM KG 210A, mit 250 Kilowattstunden nicht ganz so sparsam im Verbrauch, aber dafür mit 279 Euro günstiger in der Anschaffung. Mit dem neuen Kühlschrank spart sie 30 Euro jährlich, obwohl er größer ist als der alte und ein extra Gefrierteil besitzt.

Sind neue Kühlschränke wirklich so sparsam? "Ja", sagt Energieberaterin Neumann. "Ein A++-Kühlschrank verbraucht sogar nur halb so viel Energie wie einer der Energieklasse A. Er ist zwar etwa doppelt so teuer in der Anschaffung. Aber bei einer Lebensdauer von zwölf Jahren lohnt sich das meist." In dieser Zeit lassen sich bei einer durchschnittlichen Kühl-Gefrier-Kombination rund 360 Euro sparen.

Um den Verbrauchern den Durchblick zu erleichtern, müssen seit 1998 alle elektrischen Großgeräte das EU-Energie-Label tragen. Bei der sogenannten weißen Ware lässt sich mit einem Blick der Verbrauch ablesen: Die Geräte werden von A (Grün), niedriger Energieverbrauch, bis G (Rot), sehr hoher Verbrauch, gekennzeichnet. Einzig für Kühlschränke, die mittlerweile sehr energieeffizient sind, gibt es zusätzlich die Kriterien A+ und A++.

Große Unterschiede

Doch auch außerhalb der Küche wird Strom verbraucht: 799 Euro hat Angelo Koch für seinen neuen 37-Zoll-Fernseher bezahlt. "Der Energieverbrauch hat keine Rolle gespielt", räumt er ein. "Mit diesen Angaben fange ich nichts an." Der Versicherungsmakler hatte andere Prioritäten: Schärfe, Kontrast, Helligkeit des Bildes, dazu eine schnelle Reaktionszeit.

Über Kilowattstunden verlor auch der Verkäufer im Media Markt von Albstadt kein Wort. "Große Unterschiede gibt es in diesem Punkt wohl nicht", glaubt Koch. Doch da täuscht er sich: Die fünf bestverkauften Großgeräte bei Media Markt nehmen zwischen 189 und 470 Watt Verbrauch pro Stunde auf. Leider sieht man ihnen das nicht an. "Gerade bei Fernsehern sind die Unterschiede riesig", sagt Energieberaterin Neumann. "Es gibt neue Flachbildfernseher, die nur etwa 70 bis 80 Watt aufnehmen und damit nicht mehr als ein alter Röhrenfernseher."

Koch hatte Glück: Ohne darauf geachtet zu haben, kaufte er ein energiesparendes Gerät, das nur 120 Watt benötigt. Guckt er vier Stunden am Tag, verbraucht der neue Fernseher 175 Kilowattstunden im Jahr. Kosten: rund 35 Euro. Der Rekord-Stromfresser vom Media Markt käme ihn mit 137 Euro viermal so teuer.

Bei Waschmaschinen ist die Energieklasse A inzwischen zum Standard geworden. "Andere verkaufen wir gar nicht mehr", erklärt der Verkaufsleiter eines Elektrohändlers in Neuss seinem Kunden Günter Nomrosky. Der kauft eine Miele- Maschine - und kann trotzdem noch sparen. Denn für seine nur "leicht verschmutzten" Baumwollhemden und Jeans stellt der 63-jährige alleinstehende Rentner jetzt nur noch den Express-Waschgang ein und reduziert damit den Wasser- und Stromverbrauch um je zwei Drittel.

Das war bei seiner alten Siemens nicht möglich. Deren Verbrauch kannte er noch nicht einmal. In der Betriebsanleitung der 23 Jahre alten Maschine fand sich nur der vage Hinweis, dass sich mit der Spartaste der Stromverbrauch um 25 Prozent reduzieren lasse.

Rentable Tests

Mit 899 Euro war die Miele W 1740 zwar eines der teuersten Geräte im Geschäft. Aber Nomrosky glaubt an die Qualität einer Markenmaschine. Dann will er lieber auf den Trockner verzichten. Der steht schon seit Jahren ungenutzt im Waschraum. "Ein reiner Energiefresser", sagt er. Stimmt: Wird ein Trockner dreimal pro Woche benutzt, frisst er für rund 125 Euro im Jahr Strom.

Aber wie findet man heraus, wie viel die alten Elektrogeräte verbrauchen? Am einfachsten mit einem Strommessgerät, das in die Steckdose gesteckt wird. Solche Geräte kosten etwa 20 Euro, und viele Energieversorger verleihen sie kostenlos an ihre Kunden. Man kann aber auch einfach rechnen: Auf jedem Gerät steht, meist auf der Rückseite, die Leistungsaufnahme in Watt (W). Diesen Wert multipliziert man mit den täglichen Betriebsstunden und den benutzten Tagen im Jahr und teilt dann durch 1000. Heraus kommt der jährliche Verbrauch in Kilowattstunden. Ob das für ein Gerät dieser Art viel oder wenig ist, erfährt man beispielsweise im Internet beim Öko-Institut (Ecotopten.de). Dort gibt es umfangreiche Produktlisten fast aller Haushaltsgerätetypen.

Als Gerhard Schroer aus Kirchzarten bei Freiburg sich eine neue Geschirrspülmaschine kaufen wollte, startete er einen regelrechten Marathon durch die Elektroläden. Die Wahl des 56-Jährigen fiel schließlich auf die 1100 Euro teure Miele G1242. Stromverbrauch: 1,08 Kilowattstunden, Energieeffizienzklasse A. Im Vergleich zu seinem alten Gerät eine Stromund Wasserersparnis von rund 70 Euro im Jahr.

"Da hilft nur: Stecker ziehen"

Etwas anderes kam für Schroer nicht infrage, denn das Thema Stromverbrauch hat ihn infiziert. Regelmäßig fragt er sich: "Wo können wir noch Energie sparen?" Der 18 Jahre alte Herd wird demnächst entsorgt, seine geliebte Stereoanlage aus derselben Epoche hat er gerade verkauft. Der alte Luxman-Verstärker war zwar ein Hi-Fi-Klassiker, aber die grüne Welle im Hause Schroer begrub jede Nostalgie. "Das Ding war ein Stromfresser. Er wurde bis zu 80 Grad heiß, damit konnte man ein Zimmer heizen."

Aber selbst wenn man nur noch sparsame Geräte nutzt: Zum Stillstand kommt der Stromzähler in den meisten Haushalten nicht mal, wenn alles ausgeschaltet ist. "Manche Geräte wie Kaffeezubereiter, Funklautsprecher, Telefonstationen oder Internetrouter ziehen auch im ausgeschalteten Zustand Strom", erklärt Energieexpertin Helene Neumann. "Da hilft nur: Stecker ziehen." Oder man verwendet eine schaltbare Steckerleiste. So vermeidet man auch den Verbrauch im Stand-by-Betrieb von DVD-Player, Fernseher oder Stereoanlage - die dann bloß nicht mehr per Fernbedienung einzuschalten sind.

Jedes Jahr wird in Deutschland für die Stand-by-Bequemlichkeit Strom im Wert von vier Milliarden Euro vergeudet. Das entspricht laut Umweltbundesamt der Strommenge, die die beiden Atomkraftwerke Brokdorf und Biblis A erzeugen. Mit ihr könnte man problemlos die Großstädte Hamburg und Berlin versorgen.

Mitarbeit: Frank Gerstenberg, Mathias Rittgerott / print