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Riley Whitelum und Elayna Carausu: Dieses Youtuber-Paar bringt Greta Thunberg über den Atlantik

Seit knapp fünf Jahren segeln Riley Whitelum und Elayna Carausu gemeinsam über die Ozeane. Ihre Erlebnisse schauen sich auf Youtube regelmäßig mehr als eine Million Menschen an. Nun nehmen sie mit Greta Thunberg an Bord Kurs auf Europa.

Ein Mann mit Schnauzbart sitzt links auf einem Sofa, rechts gibt eine Frau mit dunkelblonden Haaren einem Jungen die Flasche

Riley Whitelum und Elayna Carausu segeln mit ihrem Sohn Lenny um die Welt - und bringen nun Klimaaktivistin Greta Thunberg über den Atlantik

Die junge Frau ist in Tränen aufgelöst. Neben ihr liegt ein Mann flach auf dem Rücken, ein Kissen unter dem Kopf. Auch er hat Tränen in den Augen, als er erzählt, wie er sich vor Jahren in Brasilien einen Nackenwirbel gebrochen hat und sein linker Arm zeitweise gelähmt war. Nun hat er sich heftig den Kopf gestoßen, sein Arm fühlt sich so an wie damals. Ist seinem Nacken etwas passiert? Beide haben Angst. Sie sind allein auf einem Segelboot. Auf den Kanaren wäre der nächste Arzt - aber die liegen 650 Kilometer entfernt und wenn sie dorthin umkehren, kommt ihnen der Wind entgegen. Was also tun?

Die wenigsten Menschen würden wohl diese Situation mit Videokameras filmen. Riley Whitelum und Elayna Carausu schon. Das Paar stammt aus Australien, hat sich auf einer griechischen Insel kennengelernt und segelt seit fast fünf Jahren gemeinsam um die Welt. Erst haben sie ihre Videos für Freunde und Familie auf Youtube gestellt. Inzwischen folgen ihnen dort fast 1,2 Millionen Menschen.

Die Videos drehen sich um ihre inzwischen bald 150.000 Kilometer lange Segelreise, den Schutz der Meere sowie ihr Familienleben mit einem Kleinkind an Bord. Manchmal zeigen sich diese durchaus attraktiven Menschen beim Schnorcheln oder beim Kochen, in anderen Augenblicken teilen sie sehr private Momente mit ihren Fans. Etwa, wenn ihr Sohn Lenny das erste Mal "Mama" sagt. Videos, die andere höchstens Familie und Freunden zeigen würden, posten sie auf Youtube. Ist das nun authentisch oder aufmerksamkeitsheischend?

Authentizität als Erfolgsrezept?

"Wir glauben, dass Authentizität eines der Erfolgsgeheimnisse unseres Vlogs ist. Sich dauerhaft zu verstellen würde ohnehin niemand lange durchhalten", sagt Carausu 2018 dem deutschen Segel-Magazin "Yacht" in einem Interview. Und die Einblicke in ein Aussteiger-Leben scheinen den Zuschauern zu gefallen. Die Videos haben zwischen mehreren hunderttausend und vier Millionen Abrufe - und spülen dem Paar entsprechende Werbeeinnahmen in die Kasse. Wer die beiden noch stärker unterstützen will, kauft im eigenen Webshop "Sailing La Vagabonde"-T-Shirts oder anderen Merchandise.

Dann haben Whitelum und Carausu noch eine "Patreon"-Seite. Auf dieser Crowdfunding-Plattform können Fans die beiden mit Geld unterstützen. Zwischen drei und zehn US-Dollar kann man dem Paar pro online gestelltem Video spenden. Laut der Seite haben sie aktuell 3462 Unterstützer. Sollten sie alle nur den Mindestbetrag spenden, kämen abzüglich Gebühren gut 9800 US-Dollar pro Video zusammen. "Stand heute kommen 90 Prozent unserer Einnahmen über die Crowdfunding-Plattform Patreon, das ist ein relativ verlässlicher Einkommenszweig", sagte Carausu 2018 der "Yacht".

Youtube und Segeln als Vollzeitjobs

"Das, was wir machen, Segeln und Videos erstellen, kommt zwei Vollzeit-Jobs gleich: einer fürs Segeln, einer fürs Filmen", sagt Carausu im "Yacht"-Interview: "Zwei Tage pro Woche gehen allein für das Schneiden drauf, ein Tag für weitere Details wie Musikauswahl und für das Intro, und dann kommt oft das Schwierigste: die Videos in Netz zu stellen." Sie schaffen meist doch ein Video pro Woche. Das Schiff, mit dem sie seit Frühjahr 2017 unterwegs sind, kostet auch gebraucht noch über 700.000 Euro. Laut "faz.net" ist die Yacht mit Solarpaneelen ausgestattet. Außerdem hat die Werft dem Paar den Katamaran laut der Zeitung zu Sonderkonditionen zur Verfügung gestellt. Immerhin versprechen regelmäßige Einblendungen des Bootstyps in den Videos eines attraktiven Youtube-Paares auch Werbung.

Aufmerksamkeit fernab von Youtube und Facebook bekommen sie, seit sie angeboten haben, Klimaaktivistin Greta Thunberg aus den USA zur Klimakonferenz zurück nach Europa zu segeln. Gemeinsam mit Profi-Skipperin Nikki Henderson, sind sie seit gut einer Woche unterwegs. Die erste Nacht auf See war wohl so rau, wie Abenteuerer Arved Fuchs es im stern vorhergesagt hatte. Auf Facebook schreibt Henderson, dass Greta Thunberg und Carausu sowie der kleine Lenny von Seekrankheit geplagt wurden. Währenddessen mussten Whitelum und sie selbst sich nachts im Zwei-Stunden-Rythmus beim Segeln ablösen.

Our first family meal after an unsettled first 24 hours was a heartwarming start to day 2. Seasickness took Greta,...

Gepostet von Nikki Henderson am Donnerstag, 14. November 2019

Ob die Crew Thunberg rechtzeitig für den Weltklimagipfel an die Küste von Portugal bringt? Hendersons Facebook-Post von Dienstag liest sich, als würden sie gerade gut vorankommen: "Gestern war unglaublich. Wir surften mit 10-15 Knoten (Anm.d.Red.: etwa 18 - 28 km/h) den ganzen Tag über. Der Seegang war nicht allzu hoch. (...) Es fühlte sich so gut an, wirklich Strecke nach Osten zu machen."

Greta Thunberg an Bord der "Vagabonde"

Wann das Youtuber-Paar mit Thunberg an Bord Portugal erreicht, ist noch nicht klar. "Wir waren so etwas wie das einzige Boot in der Gegend, das bereit war, zu dieser Jahreszeit den Atlantik zu überqueren", sagte Carausu der Nachrichtenagentur AFP. Und über Thunberg sagte sie: "Sie ist eine sehr mutige, unabhängige, starke junge Dame. Es ist inspirierend und ich bin ehrlich erstaunt, was sie tut."

Nachdem "La Vagabonde" mit Thunberg an Bord erst Richtung Süden wohl dem schlechtesten Wetter ausgewichen ist, segelt das Schiff momentan Richtung Osten, also mit Kurs auf Europa.

+++ Verfolgen Sie Kurs und Geschwindigkeit des Schiffes mit Thunberg an Bord live: +++

Quellen: Youtube-Kanal "Sailing La Vagabonde", Patreon.com/LaVagabonde, Sailing-Lavagabonde.com, yacht.de, Nikki Henderson auf Facebook, faz.net, AFP.