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Attacke in Halle: Generalbundesanwalt Peter Frank: Tat von Halle war Terror

Beide Todesopfer offenbar identifiziert +++ Generalbundesanwalt will Haftbefehl beantragen +++ Seehofer besucht Synagoge in Halle +++ Mögliches Manifest von Angreifer im Internet aufgetaucht +++ Die Lage in Halle am Tag danach im stern-Ticker.

Christine Lambrecht

Nur glückliche Umstände haben offenbar verhindert, dass ein Rechtsextremist in einer Synagoge in Halle ein Massaker anrichtet. Gegen Mittag hatte dort ein Mann versucht, mit Waffengewalt die Synagoge zu stürmen. Unter anderem setzte er selbstgebastelte Sprengsätze ein. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, hat der Mann, bei dem es sich um den 27-jährigen Deutschen Stephan B. handeln soll, vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt. Anschließend floh er vom Tatort und wurde kurz darauf von der Polizei festgenommen. Es gibt ein Video, das Teile der Taten dokumentiert und per Helmkamera live ins Internet übertragen wurde. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen.

Viele Hintergründe der antisemitischen Attacke sind auch am Tag danach noch unklar. Auf einer Pressekonferenz will Innenminister Horst Seehofer am Nachmittag in Halle über den Ermittlungsstand informieren.

Die Lage in Halle am Tag danach im stern-Ticker:

+++ 21.26 Uhr: SWR: Ermittlungsrichter erlässt Haftbefehl gegen Täter von Halle +++

Einen Tag nach der Bluttat von Halle hat der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof nach Informationen des Südwestrundfunks Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Stephan B. erlassen. Das habe ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe dem Sender bestätigt. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet.

+++ 19.34 Uhr: Nach Anschlag: Hunderte besuchen Kirchenandacht in Halle +++

Mindestens 900 Menschen haben am Donnerstagabend in und vor der Pauluskirche in Halle an einer Andacht teilgenommen. "Wir sind hier, weil wir erschrocken sind über das, was in unserer Nachbarschaft passiert ist", sagte Pfarrer Christoph Eichert zu Beginn der Veranstaltung am frühen Donnerstagabend.

Weil nicht alle Besucher einen Sitzplatz gefunden hatten, standen zahlreiche Menschen dicht gedrängt in den Gängen. Etwa hundert harrten vor der Kirche aus. "Wir fühlen mit den Angehörigen - mit der Jüdischen Gemeinde", betonte Eichert. Viele Besucher zündeten Kerzen an. Im Anschluss zogen die Menschen in einem Gedenkmarsch - teils mit Kerzen in den Händen - zu der Synagoge, in die der mutmaßliche Täter eindringen wollte. Auch an dem Döner-Imbiss, in der ein Mensch erschossen worden war, sollte der Marsch vorbeiführen.

+++ 18.56 Uhr: Bundesanwaltschaft: Attentäter von Halle hatte vier Schusswaffen +++

Der mutmaßliche Täter von Halle hat nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank bei der Tat vier Schusswaffen mit sich geführt. Es sei zumindest eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er mehrere Sprengsätze im Auto gehabt, als er zu der Synagoge in Halle gefahren sei, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. "Der Beschuldigte wollte sich zu dem Gotteshaus Zutritt verschaffen und möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten", hieß es. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich in der Synagoge 51 Gläubige zur Feier des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur aufgehalten.

+++ 18.28 Uhr: Medienbericht: Attentäter von Halle nutzte 3D-Drucker für Waffen +++

Der Attentäter von Halle führte nach einem Medienbericht bei seiner Tat auch Waffen bei sich, die teilweise mit 3D-Druckern hergestellt worden waren. Das ZDF-Magazin "Frontal 21" berichtete, Stephan B. habe die aus Kunststoff bestehenden Teile hergestellt. Zudem habe er 3D-Anleitungen unter anderem für Magazine und andere Waffenteile ins Internet gestellt. 

In einem vor der Tat verfassten Dokument beschreibt der Attentäter anhand von Fotos detailliert seine Bewaffnung. Er führt aus, dass diese selbstgebauten Waffen nicht zuverlässig seien. Zudem behauptet er in dem Schreiben, selbst Anleitungen zum Waffenbau veröffentlicht zu haben. In seinem live im Internet übertragenen Video des Anschlags kommentiert er mehrfach den Einsatz seiner in Eigenbau hergestellten Waffen. Die Polizei in Halle kann nach eigenen Angaben nicht bestätigen, dass der Täter Waffenteile aus dem 3D-Drucker verwendete. In dem Tatvideo ist zu sehen, wie bei dem Anschlag in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen Menschen das Leben retten. Der Täter hatte am Mittwoch zwei Menschen erschossen und mehrere verletzt.

+++ 16.42 Uhr: Seehofer: Innenminister wollen in kommender Woche über Angriff von Halle beraten +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will sich in der kommenden Woche in einer Innenministerkonferenz mit seinen Länderkollegen über die Folgen aus dem rechtsextremen Angriff in Halle beraten. Für Freitag sei ein entsprechendes Treffen in Berlin einberufen worden, sagte Seehofer an der Seite von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landesinnenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) in Halle. Vor allem müssten Maßnahmen gegen Hassparolen im Internet angegangen werden. "Hass ist immer ein Vorlauf für tatsächliche Gewalt."

+++ 16.22 Uhr: Nach Anschlag in Halle verstärkt Sachsen-Anhalt Schutz jüdischer Einrichtungen +++

Nach dem Anschlag in Halle an der Saale soll der Schutz jüdischer Einrichtungen in Sachsen-Anhalt verstärkt werden. Das Land habe der jüdischen Gemeinde zugesichert, dass es ab sofort einen konsequenten Polizeischutz für die Einrichtungen geben werden, sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, auf einer Pressekonferenz in Halle.

+++ 15.47 Uhr: Ministerpräsident: "Jüdisches Leben ist erwünscht in Sachsen-Anhalt" +++

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), hat sich schockiert zum Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale mit zwei Toten und mehreren Verletzten geäußert. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Halle/Saale unter anderem mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, betonte Haseloff zugleich, die Gesellschaft im Land werde sich durch die Tat nicht auseinanderbringen bringen lassen, sondern sie werde zusammenhalten. Jüdisches Leben sei erwünscht in Sachsen-Anhalt, betonte Haseloff. Die Gemeinden im Land müssten sicher sein, dass sie ihre Gottesdienste abhalten könnten. 

+++ 14.43 Uhr: Generalbundesanwalt: Tat von Halle war Terror +++

Generalbundesanwalt Peter Frank hat die Tat von Halle als Terror bezeichnet. "Was wir gestern erlebt haben, war Terror", sagte er in Karlsruhe. Der Täter habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten.

Im Auto des mutmaßlichen Täters von Halle sind nach Angaben von Frank insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt worden. Dem mutmaßlichen Täter Stephan B. werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen, sagte Frank.

+++ 14.40 Uhr: Justizministerin: Rechtsextremistischer Terroranschlag in Halle +++

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Tat von Halle als "rechtsextremistischen Terroranschlag" eines Einzeltäters bezeichnet. Der Schütze habe aus antisemitischen und rechtsextremistischen Gründen gehandelt, sagte sie in Karlsruhe.

+++ 13:40 Uhr: Muslim-Zentralratsvorsitzender Mazyek: Wer Synagogen angreift, greift auch mich an +++

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat sich entsetzt über den antisemitischen Anschlag gezeigt. Bei einem Besuch vor der Synagoge sagte Mazyek: "Der Rechtsextremismus ist keine marginale Gefahr, sondern eine signifikante. Es geht um den Versuch, unsere freiheitliche Demokratie zu zerstören. Ein Angriff auf unsere jüdischen Geschwister, auf den Islam - all das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft. Indem eine Synagoge angegriffen wird, werde auch ich angegriffen."

+++ 13.32 Uhr: Opfer sind identifiziert +++

Nach dem Anschlag in Halle sind die erschossenen Opfer identifiziert. Es handelt sich um eine 40 Jahre alte Frau aus Halle sowie einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Frau war von dem schwer bewaffneten Täter vor der Synagoge erschossen worden, der Mann wenig später in einem nahen Dönerladen.

+++ 13.23 Uhr: Sigmar Gabriel fordert "Entwaffnung dieser Brut" +++

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die Ermittlungsarbeit nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle heftig kritisiert. "Wäre das ein Anschlag von links gewesen, würden jetzt hunderte Wohnungen und Organisationen durchsucht", schrieb der SPD-Bundestagsabgeordnete auf Twitter.

"Wann endlich zeigt der demokratische Rechtsstaat seine Zähne und entwaffnet diese Brut?", hieß es von Gabriel weiter. In der Freitagsausgabe der "Augsburger Allgemeinen" sprach er konkret von "irren Reichsbürgern". Man müsse der "Enttabuisierung der Nazi-Ideologie" engegentreten, wie sie von der AfD immer wieder betrieben wird.

+++ 13.21 Uhr: Bundespräsident: Tag der Scham und Schande +++

Nach dem Anschlag von Halle/Saale hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Solidarität mit der jüdischen Bevölkerung aufgerufen. "Dieser Tag ist ein Tag der Scham und der Schande", sagte Steinmeier bei seinem Besuch am Tatort. Einen solchen "feigen Anschlag" zu verurteilen, reiche nicht. Das Land müsse Verantwortung übernehmen und eine klare Haltung zeigen, so der Bundespräsident nach einem Besuch in der Synagoge. "Die Geschichte mahnt, uns die Gegenwart fordert uns." Diejenigen, die bisher geschwiegen hätten, müssten sich jetzt äußern. Er sei sich sicher, dass die große Mehrheit der Bevölkerung jüdisches Leben in Deutschland wolle. "Das müssen wir zeigen - und nicht nur in diesen Tagen", so Steinmeier.

+++ 13.17 Uhr: Yad Vashem verurteilt Anschlag in Halle/Saale scharf +++

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat den Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale scharf verurteilt. "Dieses jüngste Ereignis ist eine weitere Erinnerung, dass Antisemitismus weltweit immer noch alarmierend offenkundig ist", hieß es in einer Stellungnahme. Yad Vashem sei "besonders sensibel für die giftigen Gefahren des Antisemitismus, (...), und seine zerstörerischen Auswirkungen - nicht nur für Juden, sondern für alle in einer zivilisierten Gesellschaft".

+++ 12.54 Uhr: AfD verurteilt Anschlag von Halle und wehrt sich gegen Vorwürfe +++

Die AfD hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, eine Mitverantwortung an dem Anschlag in Halle zu haben. "Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen", erklärte die Fraktionschefin Alice Weidel.

Namentlich nannte die Politikerin den bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU) und den SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach.

Hermann hatte im Bayerischen Rundfunk von geistigen Brandstiftern gesprochen. In letzter Zeit seien da auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen, so der CSU-Politiker. Karl Lauterbach hatte auf Twitter geschrieben: "Es ist die Hetze der AfD, die dem Rechtsextremismus eine politische Stimme gab." Er warf der Partei eine Mitschuld vor.

Zudem verurteilte die AfD den Anschlag auf die Synagoge. "Wir sind erschüttert über dieses monströse Verbrechen. Wir trauern mit den Angehörigen um die Ermordeten und wünschen den Verletzten rasche und vollständige Genesung", hieß es von Fraktionschef Alexander Gauland. "Antisemitischer Terror und extremistische Gewalt müssen konsequent bekämpft und hart bestraft werden, egal aus welcher Richtung und Gesinnung sie kommen."

+++ 12:36 Uhr: Video des Angreifers auch noch am Tag nach der Tat online verfügbar +++

Auch einen Tag nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle ist das Live-Video des Angreifers noch immer im Internet abrufbar. Am Vormittag hatten bereits Zehntausende Nutzer von Websites wie 4chan und BitChute das 35-minütige Tat-Video gesehen.

Der Angreifer Stephan B. hatte seine Tat gefilmt und auf der zum US-Konzern Amazon gehörenden Plattform Twitch live übertragen. Inzwischen hat die Plattform das Video gelöscht. Dem Unternehmen zufolge verfolgten nur fünf Nutzer die Tat live, rund 2200 weitere schauten sich später eine Aufzeichnung an.

+++ 12.26 Uhr: Bundespräsident Steinmeier besucht Synagoge +++

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Halle den Tatort besucht. Er trug einen Kranz zu der Synagoge. Steinmeier kam in Begleitung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

+++ 12.22 Uhr: FDP-Bundestagsfraktion beantragt Aktuelle Stunde zu Halle-Anschlag +++

Der Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle/Saale wird in der kommenden Woche voraussichtlich auch den Bundestag beschäftigen. Die FDP-Fraktion hat dazu eine Aktuelle Stunde beantragt. "Der Deutsche Bundestag muss darüber sprechen, wie wir jüdisches Leben in Deutschland besser schützen können und was getan wird, um die Tat vollständig aufzuklären", sagte Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann in Berlin. Erst ab dem kommenden Mittwoch sind im Bundestag wieder Plenardebatten vorgesehen. Die laufende Woche ist keine Sitzungswoche des Berliner Parlaments.

+++ 12.00 Uhr: Brinkhaus: Alle für den Schutz jüdischen Lebens tun +++

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) hat sich für mehr Engagement zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland ausgesprochen. "Ich bin schockiert von dem Anschlag auf die Synagoge in Halle. Der Antisemitismus und die Menschenverachtung, die darin zum Ausdruck kommen, machen mich fassungslos", sagte Brinkhaus. Er forderte: "Wir müssen alles dafür tun, dass wir in Deutschland jüdisches Leben schützen."

+++ 11.58 Uhr: Generalbundesanwalt will Haftbefehl beantragen +++

Die Bundesanwaltschaft will noch im Tagesverlauf beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle stellen. Das teilte die Behörde mit. Der Beschuldigte Stephan B. war am Mittwoch vorläufig festgenommen worden.

+++ 10.34 Uhr: Linkspolitikerin Quade sieht Netzwerk hinter Täter von Halle +++

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Henriette Quade, hat davor gewarnt, den mutmaßlichen Todesschützen von Halle als Einzeltäter abzutun. "Jemand, der so etwas tut, der sich dabei filmt, der sich vorher Waffen beschafft hat, hat ein Netzwerk", sagte Quade im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Auch der FDP-Innenpolitikexerte Benjamin Strasser warnte davor, den Verdächtigen vorschnell als einen Einzeltäter einzustufen.

Quade sagte, es gebe auch "einen ideologischen Background" und Menschen, die den mutmaßlichen Täter bei seiner Radikalisierung begleiteten. Angesichts dieser Tatsachen von einem Einzeltäter zu sprechen, sei falsch und ignoriere den Terror, den diejenigen, die von Rechtsextremen bedroht seien, alltäglich erlebten.

+++ 10.18 Uhr: Grünen-Fraktionschefin Göhring-Eckardt: "Es gibt einen Humus, auf dem das gedeiht" +++

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Kathrin Göhring Eckard hat den Ort des antisemitischen Anschlags in Halle besucht und gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby vor der Synagoge den Opfern gedacht. Sie warnte vor einer Verharmlosung antisemitischer Gewalt: "Mit der These eines verwirrten Einzeltäters macht man es sich zu einfach", so Göhring-Eckardt. "Es gibt einen Humus, auf dem das alles gedeiht."

+++ 10.21 Uhr: Jüdische Gemeinde Halle beklagt fehlenden Polizeischutz +++

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hat nach dem Anschlag auf die Synagoge fehlenden Polizeischutz beklagt. "Bei uns gibt es nie Polizeikontrollen", sagte er in Halle. Nicht einmal bei der Chanukka-Feier, dem Jüdischen Lichterfest, mit mehreren hundert Menschen gebe es Polizei, "obwohl ich bitte, dass sie kommen." Anders als beispielsweise in Berlin und München sei die Polizei nicht vor der Synagoge präsent. 

+++ 09.51 Uhr: Maas reagiert fassungslos auf Anschlag in Halle +++

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat mit Fassungslosigkeit auf den Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale reagiert. "Warum geschieht das in unserem Land? Unserem Land! Zwei unschuldige Menschen wurden brutal ermordet - wie entsetzlich und sinnlos", schrieb er auf Twitter.

"Ich bin es leid, immer wieder entsetzt und erschüttert sein zu müssen. Wann hört das auf?", fragte Maas. Antisemitismus und Fremdenhass dürften keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. "Es ist beschämend, diesen Satz so oft sagen zu müssen in Deutschland. Und es ist unerträglich, dass die jüdische Gemeinde an ihrem höchsten Feiertag einem solchen Angriff ausgesetzt ist. In Deutschland! 2019!"

+++ 09.18 Uhr: Zentralratspräsident Schuster sieht "neue Qualität des Rechtsextremismus" +++

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht in dem Angriff von Halle an der Saale eine "neue Qualität des Rechtsextremismus in Deutschland". Zentralratspräsident Josef Schuster sagte im Deutschlandfunk, der Anschlag auf die Synagoge verändere das Gefühl jüdischer Menschen in Deutschland. "Es macht sich Sorge breit."

Er beobachte eine politische Entwicklung, die Rechtsextremismus fördere, sagte Schuster weiter. Deshalb sei die Tat nicht ganz unerwartet gewesen. Nun sei entscheidend, dass die deutschen Behörden sicherstellten, dass jüdische Menschen unbeschadet eine Synagoge besuchen könnten.

Prinzipiell schienen die technischen Schutzmaßnahmen sehr gut gewesen sein, so Schuster. "Aber wäre hier ein Polizeiposten gewesen, hätte der Mann unschädlich gemacht werden können."

+++ 09.15 Uhr: CDU-Politiker aus Halle: Polizeischutz für jüdische Gemeinde nun unumgänglich +++

Nach dem von einem mutmaßlichen Rechtsextremisten verübten Anschlag auf die Synagoge in Halle hält der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Bernstiel einen besseren Schutz jüdischer Einrichtungen in der Stadt für unumgänglich. Halle habe "bislang als sicherer Hafen" für alle Religionen gegolten, sagte er im Südwestrundfunk. Das habe sich nun für immer geändert. In Zukunft werde auch die jüdische Gemeinde nicht mehr ohne Polizeischutz sein können

+++ 08.58 Uhr: Nazi-Jäger Zuroff fordert umfassendere Bildung zu Antisemitismus +++

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale hat der israelische Nazi-Jäger Efraim Zuroff eine umfassendere Bildung zu Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gefordert. "Es gibt die Bildung, aber nicht überall in gleichem Maße und tief genug, so wie es sein müsste", sagte Zuroff der Deutschen Presse-Agentur in Tel Aviv. "Es gibt Unterschiede zwischen Ost und West, und es hängt von jedem einzelnen Lehrer und Schulleiter ab."

Bildung sei die langfristige Lösung im Kampf gegen Antisemitismus. "Die kurzfristigen Lösungen sind Sicherheit und soziale Netzwerke." Weltweit würden Plattformen Posts nicht genug kontrollieren. Deswegen habe der mutmaßliche Angreifer von Halle/Saale seine Taten komplett filmen und im Netz zeigen können. "Das ist absolut wahnsinnig", sagte Zuroff. In dem Moment, in dem ein solches Video aufkomme, müssten die Netzwerke sofort reagieren.

+++ 08.54 Uhr: Seehofer besucht Synagoge und Döner-Imbiss in Halle +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wird um 13.30 Uhr in Halle erwartet. An der Synagoge will er mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Landesinnenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster zusammentreffen. Anschließend ist ein Besuch des Döner-Imbisses geplant, in dem ein Mann erschossen worden war. Um 15.00 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Halle geplant.

+++ 08.53 Uhr: Mutmaßliches Täter-Auto abgeschleppt +++

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) ist am Donnerstagmorgen im 15 Kilometer entfernten Landsberg ein dunkelgraues Auto abgeschleppt worden. Nach DPA-Informationen ist das Kennzeichen identisch mit dem des Fahrzeugs, hinter dem sich der Täter in Halle verschanzt hatte und Schüsse abgegeben hatte. Polizisten im Stadtteil Wiedersdorf machten keine Angaben dazu. Nach der bisherigen Rekonstruktion der Attacke war der mutmaßliche Täter mit dem Auto nach Landsberg geflüchtet, hatte dort in einer Autowerkstatt mehrere Menschen bedroht und sich ein neues Fluchtauto besorgt. Mit dem neuen Auto baute der flüchtige Täter Berichten zufolge einen Unfall und wurde an der B91 südlich von Halle festgenommen.

+++ 08.50 Uhr: Bayerns Innenminister gibt AfD Mitverantwortung an Synagogen-Anschlag +++

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gibt der AfD eine Mitverantwortung an der Tat von Halle. "Das eine sind diese schrecklichen Gewalttäter, vor denen wir uns schützen müssen, das andere sind auch die geistigen Brandstifter, da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen", sagte der CSU-Politiker im Interview mit dem Sender Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks.

Namentlich nannte Herrmann in diesem Zusammenhang den Thüringer AfD-Spitzenpolitiker, Björn Höcke: "Höcke ist einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum geht, wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten. Darüber müssen wir jetzt die politische Auseinandersetzung konsequent führen."

+++ 08.44 Uhr: Auch Steinmeier kommt nach Halle +++

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will heute die Synagoge in Halle an der Saale besuchen. Geplant sei auch ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Steinmeier wolle sich bei dem Besuch selbst ein Bild vor Ort machen, sagte eine Sprecherin.

+++ 08.38 Uhr: Polizei durchsucht offenbar Wohnung bei Eisleben +++

Nach dem Anschlag von Halle ist laut einem MDR-Bericht eine Wohnung durchsucht worden. Der Einsatz soll in Benndorf bei Eisleben gewesen sein, berichtet MDR Sachsen-Anhalt. Die Polizei in Sachsen-Anhalt bestätigte die Durchsuchung nicht. In Benndorf soll nach Angaben eines Nachbarn des Vaters des mutmaßlichen Täters, der im nahe gelegenen Helbra wohnt, die Mutter von Stephan B. leben.

+++ 08.13 Uhr: Oberbürgermeister verteidigt Halle als "bunt und vielfältig" +++

Der Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand (parteilos), hat seine Stadt als "bunt und vielfältig" verteidigt. "Halle ist kein rechtsextremes Zentrum", sagte Wiegand im ZDF-"Morgenmagazin". Die Stadt gehe im Gegenteil "ganz konsequent gegen rechts vor". Der Rechtsextremismus sei "nicht zwingend ein Thema in unserer Stadt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem", sagte Wiegand. Halle sei am Mittwoch "bedauerlicherweise" zum Tatort geworden. "Wir müssen stärker einwirken", zeigte sich Wiegand überzeugt und sicherte zu: "Dieser Aufgabe stellen wir uns."

Zur Frage, warum es an der Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur keinen Polizeischutz gab, sagte Wiegand, dies sei "Aufgabe der Polizei". Er könne dies "nicht beurteilen" und wolle sich dazu nicht äußern. Die entsprechende Diskussion sei nun "von Seiten der Polizei" zu führen.

+++ 03.44 Uhr: Nach Angriff in Halle ziehen viele Polizisten aus Landsberg ab +++

Inzwischen hat ein Großteil der Polizisten den Einsatzort im etwa 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) verlassen. Die zuvor gesperrte Landstraße, die am kleinen Orteil Wiedersdorf vorbeiführt, war am frühen Morgen wieder befahrbar. Ob der Einsatz in dem aus nur wenigen Häusern bestehenden Dorf damit beendet ist, wollten Polizisten vor Ort nicht mitteilen.

Unmittelbar nach den Angriffen vom Mittwoch in Halle war das kleine Örtchen abgeriegelt worden. Mehrere Häuser sollen durchsucht worden sein. Mit Maschinenpistolen in den Händen gingen Polizisten durch die Straßen des Ortsteils. Ein Anwohner berichtete, dass das Fluchtauto auf seinem Grundstück stehe und sich darin Sprengstoff befinde. Das bestätigte die Polizei allerdings nicht. Am späten Abend war die Sperrzone um Wiedersdorfs erweitert worden. Einen Grund dafür nannten die Beamten dort nicht.

Halle und Umgebung

Die Orte des Geschehens (rote Punkte):

In Halle fallen um die Mittagszeit Schüsse unmittelbar vor der Synagoge und des Jüdischen Friedhofs. Eine Frau wird erschossen.

Rund 600 Meter entfernt wird ein Mann in einem Döner-Imbiss erschossen. 

Auch im rund 15 Kilometer von Halle entfernten Landsberg fallen Schüsse. Im Ortsteil Wiedersdorf erpresst der Verdächtige in einer Autowerkstatt ein Fluchtfahrzeug und schießt zwei Menschen an.

Auf der B91 zwischen Weißenfels und Zeitz, knapp 40 Kilometer südlich von Halle, soll es schließlich zu einer Festnahme durch die Polizei gekommen sein.

+++ 03.05 Uhr: Experte: Mutmaßlicher Täter von Halle richtet sich an internationale Subkultur +++

Der mutmaßliche Täter der Angriffe in Halle/Saale wollte nach Experteneinschätzung eine internationale rechte Internet-Subkultur erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt der Extremismusforscher Matthias Quent mit Blick auf das Video, das die Tat zeigen soll. "Er spricht Englisch und er greift Verschwörungstheorien auf, zum Beispiel über die angeblich zerstörerische Macht des Judentums. Er äußert sich auch abwertend über Feminismus", sagte Quent der Deutschen Presse-Agentur. "Das sind Motive der weltweiten radikalen und populistischen Rechten."

Ein Mann mit Brille, grauen Locken und Bart steht in schwarzer Daunenjacke am Straßenrand. Im Hintergrund Polizeiwagen

+++ 02.34 Uhr: Seehofer besucht Halle nach Angriff auf Synagoge +++

Nach dem gescheiterten Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale und der Tötung von zwei Menschen besucht Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstagnachmittag die Stadt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) will er über den aktuellen Ermittlungsstand informieren.

+++ 02.07 Uhr: Macron zeigt sich schockiert über Angriff in Halle +++

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat sich betroffen über den Angriff eines mutmaßlichen Rechtsextremisten in Halle gezeigt. "Die antisemitische Attacke von Halle ist ein Schock", schrieb Macron in der Nacht im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Wir verurteilen sie scharf." Der Präsident sprach der jüdischen Gemeinschaft seine volle Unterstützung, Deutschland seine Solidarität und den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

+++ 01.04 Uhr: Bekennervideo zeigt: Waffe des Angreifers von Halle hatte Aussetzer +++

Bei den Angriffen in Halle/Saale haben Defekte an mindestens einer Waffe des Täters allem Anschein nach eine höhere Opferzahl verhindert. In dem mutmaßlich vom Attentäter aufgenommenen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen Menschen das Leben retten. Der Täter setzte eine vermutlich im Selbstbau hergestellte Langwaffe, eine Pistole und Sprengsätze ein.

+++ 00.40 Uhr: Mögliches Manifest von Halle-Angreifer im Netz aufgetaucht +++

Nach den Angriffen in Halle/Saale ist nach Angaben einer Expertin ein Dokument im Internet aufgetaucht, bei dem es sich um eine Erklärung des Angreifers zu handeln scheine. Das schrieb Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, auf Twitter. Das PDF-Dokument zeige Bilder von Waffen und enthalte einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet worden sein soll. In dem Text werde das Ziel genannt, "so viele Anti-Weiße zu töten wie möglich, vorzugsweise Juden".

Das Dokument sei scheinbar vor gut einer Woche am 1. Oktober angelegt worden und gebe weitere Hinweise darauf, wie viel Planung und Vorbereitung der Täter in die Attacke gesteckt habe. Ob es tatsächlich von dem mutmaßlichen Täter stammt, ist bis jetzt allerdings unklar.

+++ 00.26 Uhr: Streaming-Plattform: Bekennervideo von Halle sahen rund 2200 Menschen +++

Das in den sozialen Netzwerken hochgeladene Bekennervideo der Angriffe in Halle/Saale ist nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von geschätzt 2200 Menschen angesehen worden, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde. Twitch teilte in der Nacht weiter via Twitter mit, dass das "entsetzliche Video" 35 Minuten auch live vom Konto-Eigentümer auf der Plattform gestreamt und in dieser Zeit von fünf Menschen gesehen worden sei. Der Account sei vor etwa zwei Monaten erstellt worden, zuvor sei nur einmal etwas veröffentlicht worden.

Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera. Bis jetzt gibt es keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt.

Twitch, eine Plattform, die zum Amazon-Konzern gehört und ihren Sitz in den USA hat, teilte weiter mit, man untersuche den Vorfall. Gegen Hassinhalte fahre man eine Null-Toleranz-Politik, jeder Gewaltakt werde sehr ernst genommen. Alle Konten, auf denen Inhalte dieser abscheulichen Tat veröffentlicht würden, würden dauerhaft gesperrt. Man sei in Gedanken bei den von der Tat Betroffenen.

kng / rw / AFP / DPA