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Murmeltier-Orakel: Kein Frühling in Punxsutawney

Hollywood ist schuld. Wer hätte je in "Old Europe" Notiz von einem schrulligen Tier-Orakel in Pennsylvania genommen, wenn die Traumfabrik nicht so vergnüglich das Murmeltier täglich hätte grüßen lassen. Der echte "Punxsutawney Phil" grüßt glücklicherweise nur jährlich. Und was er zu sagen hat, wollen die meisten von uns gerade nicht hören.

Das dauert also noch: Murmeltier "Phil" kann im Moment den Frühling noch nicht kommen sehen. Es bleibt daher frostig in den USA - zumindest wenn man dem traditionell am 2. Februar befragten Murmeltier in einem Wäldchen nahe der Ortschaft Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania glaubt. Und das tut man, seit das volksfestartige Ritual durch den Kino-Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" weltbekannt wurde.

Das echte Ritual funktioniert eher nach der Maxime "Und jährlich grüßt das Murmeltier". Nun war es wieder so weit. Bestaunt von Zehntausenden Menschen wurde Phil am Montag, dem "Groundhog Day" (Murmeltiertag), aus seinem Winterquartier gelockt - und sah seinen Schatten im Sonnenlicht. Der Tradition zufolge ist das ein klares Zeichen dafür, dass der Winter noch mindestens bis Mitte März anhält. Kann "Phil" seinen Schatten nicht sehen, dürfen die Bürger hoffen, dass die Temperaturen bald nach dem Auftritt des Tieres ansteigen. Ob das Wetter-Orakel auch für hiesige Breiten gilt, ist leider nicht überliefert.

Tradition seit mehr als 120 Jahren

Die Zeremonie wird schon seit 1887 praktiziert und hat sich mittlerweile zu einem Tourismus-Magneten für den kleinen Ort entwickelt: 30.000 Besucher aus aller Welt zieht "Phils" Prognose durchschnittlich an. Nach Vermutungen von Brauchtums-Forschern geht die Tradition auf eine Verschmelzung von Legenden amerikanischer Ureinwohner und deutscher Siedler zurück. Danach glaubte ein seinerzeit in Punxsutawney lebender Indianerstamm, dass seine Vorfahren Murmeltiere waren. Die christlichen Siedler wiederum brachten eine eigene "Weisheit" mit: Danach wacht ein Murmeltier am 2. Februar, dem Fest Maria Lichtmess, aus seinem Winterschlaf auf, erschreckt sich, wenn es seinen eigenen Schatten sieht und zieht sich dann rasch wieder zum Schlafen in den Bau zurück.

Das Heer der Zuschauer hatte schon lange wacker in der Kälte gewartet, als es bei Sonnenaufgang am Montag kurz nach 7.30 Uhr Ortszeit wieder so weit war. Der "Führungszirkel" des "Groundhog-Clubs" - 15 Männer in Frack und Zylinder - zog feierlich in das Wäldchen Gobbler’s Knob. Einer von ihnen klopfte an den Baumstamm und holte "Phil" ans Tageslicht. Danach wurde das Murmeltier nach seinen "Erkenntnissen" befragt und das Ergebnis offiziell verkündet. "Phil" irre sich nie, schwört der "Groundhog-Club", und niemand wagt dies zu bezweifeln. Schließlich ist auch das Teil der Tradition.

Im kommenden Jahr allerdings wird sich etwas ändern. Der bisherige Präsident des "Führungszirkels", Bill Cooper, geht Medienberichte zufolge nach 13 Jahren in den Ruhestand. Nun wird ein würdiger Nachfolger gesucht, einer mit besonderen Fähigkeiten: Er muss "Groundhogesisch", die Murmeltiersprache, verstehen. Denn in dieser Sprache flüstert "Phil" dem Zeremonienmeister seine Prognose jeweils noch mal ins Ohr - so will es wohl das Ritual.

AP/DPA / AP / DPA
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