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Gefängnisinsel vor San Francisco: "Flucht von Alcatraz" - überlebten die Ausbrecher? Brief stellt bisherige Geschichte in Frage

Mythos Alcatraz: Um die Gefängnisinsel ranken sich bis heute viele Legenden und Geschichten. Die wohl spektakulärste ereignete sich 1962 - "die Flucht von Alcatraz". Jetzt ist ein Brief aufgetaucht, der die Diskussion darüber, ob drei Häftlinge entkamen oder nicht, wieder aufleben lässt.

Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz

Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco

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John und Clarence Anglin sowie Frank Morris gelten als tot, sie brachen aus Alcatraz aus und ertranken in den Fluten des Pazifiks. Ihre Leichen wurden nie gefunden. So wurde es dokumentiert. Doch jetzt soll laut US-Medien ein Brief aufgetaucht sein, der der Geschichte über die berühmte Flucht von Alcatraz aus dem Juni 1962 eine neue Wendung geben könnte.

Ein Polizeirevier in San Francisco soll bereits 2013 einen Brief erhalten haben. Absender des Schreibens sei John Anglin gewesen, einer der drei Entflohenen. Das berichtet der lokale CBS-Sender "KPIX", dem der Brief zugespielt wurde. Der handgeschriebene, nur schwer zu entziffernde Text fängt mit folgenden Zeilen an: "Mein Name ist John Anglin. Ich flüchtete im Juni 1962 mit meinem Bruder Clarence und Frank Morris aus Alcatraz. Ich bin 83 Jahre alt und in schlechter Verfassung. Ich habe Krebs. Wir haben es alle in dieser Nacht geschafft, aber nur knapp."

Brief des vermeintlichen John Anglin

Der CBS-Sender KPIX hat den Brief des vermeintlichen John Anglin veröffentlicht.


Ergebnisse der Untersuchung des Briefes "nicht eindeutig"

Weiter wird in dem Brief geschrieben, dass die beiden anderen Häftlinge inzwischen verstorben seien – Morris 2008 und Clarence Anglin 2011. Außerdem fordert der vermeintliche John Anglin: "Wenn Sie im Fernsehen verkünden, dass ich nur für maximal ein Jahr ins Gefängnis muss und medizinische Hilfe bekomme, schreibe ich ihnen erneut und nenne meinen Aufenthaltsort. Das ist kein Witz."


Ein Vertreter des US-Marshals-Service erklärte gegenüber der "Washington Post", dass die Untersuchung des Briefes nach Auffassung der Behörde ohne Ergebnis sei. Das wurde in einem Labor einer Handschriften-Analyse unterzogen und mit Mustern aller drei Entflohenen verglichen. Die Ergebnisse waren "nicht eindeutig". Unklar ist allerdings auch, warum es fünf Jahre gedauert hat, bis der Brief aufgetaucht ist.

Emotional nahmen die Angehörigen der vermeintlich Geflohenen die aktuellen Entwicklungen zur Kenntnis: "Unsere Familie hat immer geglaubt, dass sie es geschafft haben", sagte Angins Neffe David Widner der "New York Post".

Foto von John Anglin

Das FBI veröffentlichte das Bild von John Anglin nach dessen Flucht aus Alcatraz.

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36 Häftlinge versuchten aus Alcatraz zu fliehen

Die Gefängnisinsel Alcatraz, die zwei Kilometer vom Festland entfernt ist, galt damals als ausbruchsicher. 1934 nahm "The Rock" seinen Betrieb auf, zu den prominentesten Insassen zählte der berüchtigte Mafiaboss Al Capone. Nur den Brüdern Anglin, die wegen Bankraubes einsaßen, und Frank Morris, wegen bewaffneter Überfälle verurteilt, gelang es jemals, von dort zu entkommen. Insgesamt versuchten 36 Häftlinge von der Insel zu fliehen, 33 scheiterten. Sie wurden entweder gefasst oder starben während der Flucht.

Das entflohene Trio hatte über Jahre die Belüftungsöffnungen in ihren Zellen mithilfe des Gefängnisbestecks vergrößert. Über einen Versorgungskorridor hinter ihren Zellen konnten sie schließlich fliehen. In ihren Betten hatten sie Köpfe aus Pappmaché und Wachs hinterlassen, um die Wärter glauben zu lassen, sie würden schlafen. Die Flucht wurde erst am anderen Morgen bemerkt und brachte den Flüchtigen einige Stunden Vorsprung. In einem selbst gebauten Schlauchboot, das aus Regenmänteln bestand, flohen sie von der Insel. Seitdem fehlte jede Spur.

Zelle im Gefängnis Alcatraz

Eine der Attrappen, die die drei entflohenen Häftlinge aus Alcatraz in ihren Zellen hinterließen

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Alcatraz wurde 1963 wegen zu hoher Betriebskosten geschlossen. Die Insel wurde in ein Museum umgewandelt und ist eine beliebte Touristenattraktion. Anglin wäre heute fast 88 Jahre alt und der Fall wird wohl nie vollständig geklärt werden. Aber der Mythos um die Gefängnisinsel bleibt bestehen und erhält durch das Auftauchen des Briefes neuen Zündstoff. Die Akte um die drei Ausbrecher wird pro forma jedenfalls offen gehalten.

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