HOME

Studie der TU Dresden: Pegida irrlichtert ins Nirwana

Männlich, berufstätigt, gut ausgebildet und rechts - so sieht der Durchschnitts-Pegida-Demonstrant einem Dresdner Politologen zufolge aus. Aber die Bewegung katapultiere sich gerade ins Nirwana.

Pegida-Demonstranten bei einer Kundgebung in Dresden im Dezember 2014: Seit Oktober vergangenen Jahres geht Pegida nahezu wöchentlich auf die Straße, um gegen eine angebliche Islamisierung zu demonstrieren.

Pegida-Demonstranten bei einer Kundgebung in Dresden im Dezember 2014: Seit Oktober vergangenen Jahres geht Pegida nahezu wöchentlich auf die Straße, um gegen eine angebliche Islamisierung zu demonstrieren.

Die anti-islamische Pegida-Bewegung in Dresden steht weiterhin am rechten Rand, hat sich aber nach wie vor nicht radikalisiert. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Politikwissenschaftlers Werner Patzelt von der TU Dresden hervor, die am Donnerstag unter dem Totel "Drei Monate nach dem Knall: Was wurde aus Pegida?" vorgestellt wurde. Viele Pegida-Demonstranten seien "klar rechts", aber weit überwiegend nicht rechtsradikal, heißt es darin. Sie verstünden sich als "deutsche Patrioten". "Pegida heute ist im Wesentlichen das, was Pegida schon im Januar gewesen ist." In der sozialen Zusammensetzung gebe es keine großen Veränderungen.

"Pauschale Aussagen, es handele sich um Ausländerfeinde, Rassisten und Islamfeinde, treffen auch für den harten Kern von Pegida nicht zu, der jetzt noch übriggeblieben ist", sagte Patzelt. Gut die Hälfte der Demonstranten seien xenophobe Patrioten, "wobei Xenophobie nicht Ausländerhass ist, sondern einfach Sorge vor dem Fremden, Abwehr des Fremden". Rund 30 Prozent seien "bedingt xenophil" und für den Islam offen, "aber unter der Bedingung, dass nicht zu viele Flüchtlinge ins Land kommen und der Islam friedlich bleibt". Bei 17 Prozent könne man von "rechtsradikalen Xenophoben" sprechen. "Das ist jener hässliche Pegidianer, den die Gegner von Pegida immer schon auf dem Schirm hatten: jung, rechtsradikal, zur Gewalt neigend und ganz klar gegen Ausländer und Muslime eingestellt."

Gut ausgebildet, aber schlecht bezahlt

Wie die Studie weiter bestätigt, ist der durchschnittliche Pegida-Demonstrant männlich, ungefähr 49 Jahre alt und kommt aus Dresden und Umgebung. Er ist berufstätigt, hat eine gute Ausbildung, aber oft ein unterdurchschnittliches Einkommen.

Die Untersuchung beruht auf repräsentativen Stichproben. Bei zwei Kundgebungen Ende April und Anfang Mai seien insgesamt mehr als 700 Teilnehmer von Studenten anhand eines Fragebogens interviewt worden. Zudem seien die Ergebnisse einer ersten Studie mit eingeflossen. Es ist nicht die erste Studie zu diesem Thema: Patzelt und auch andere Forscher hatten in den vergangenen Monaten bereits Untersuchungen zu den Pegida-Anhängern vorgelegt. Patzelt selbst war zu Jahresbeginn von Kritikern zu wenig Distanz zu der anti-islamischen Bewegung vorgeworfen worden.

Keine Wiederauferstehung?

Die Pegida-Bewegung hatte sich im Januar im Streit um ihren Mitbegründer Lutz Bachmann aufspalten. Zuletzt gingen in Dresden laut Polizei nur noch rund 3000 Anhänger auf die Straße, während es im Winter teilweise mehr als 20.000 gewesen waren. Nach Ansicht des Dresdner Politologen ist die Bewegung am Ende. Sie werde wahrscheinlich demnächst verlöschen, sagte er bei der Vorlage der neuen Studie: "Pegida ist ausgegrenzt und geht ins Nirwana hinein."

Die Lebenszeit des Dresdner Bündnisses sei durch das Aufstellen einer eigenen Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, die frühere Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling, "künstlich verlängert worden", sagte Patzelt. Er glaube nicht, dass Pegida im Anschluss an die nach der Wahl am 7. Juni angekündigte Sommerpause "Wiederauferstehung erleben" werde. Dennoch sei mit nachhaltigen Folgen zu rechnen. Über die Konfrontation von Pegida und Nichtpegida seien viele soziale Beziehungen gestört und "das Klima in Dresden großenteils vergiftet worden", sagte Patzelt.

ivi/AFP/DPA / DPA