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Pferdefleisch-Skandal Hamburg nimmt Hamburger unter die Lupe


Die Verbraucherministerin beschwichtigt: In Deutschland gibt es derzeit keine Hinweise auf falsch etikettierte Fleischprodukte. Dennoch lässt das Bundesland Hamburg Lebensmittel genauer untersuchen.

Nach dem Pferdefleisch-Skandal in Großbritannien lässt auch die Hamburger Verbraucherschutzbehörde manche Lebensmittel intensiver untersuchen. "Wir gucken genauer hin", sagte ein Sprecher am Montag. Mehr Kontrolleure seien aber nicht im Einsatz. "Wir planen jetzt eine Schwerpunktaktion, um speziell Hamburger zu überprüfen", kündigte der Sprecher an. Die Bezirke der Hansestadt seien informiert, die Untersuchungen liefen im Institut für Hygiene und Umwelt. Das Pferdefleisch war den Behörden in Lasagne-Fertiggerichten aufgefallen. Das Fleisch war als Rind deklariert. Darin waren nach Angaben der britischen Lebensmittelaufsicht FSA bis zu 100 Prozent Pferdefleisch.

Verbraucherministerin Ilse Aigner hat bisher keine Anzeichen dafür, dass in Deutschland falsch gekennzeichnete Produkte mit Pferdefleisch auf den Markt gekommen sind. "Hierzu gibt es weder Erkenntnisse der deutschen Länderbehörden noch Hinweise aus anderen EU-Mitgliedstaaten", teilte das Ministerium in Berlin mit.

Paterson: "Kritik am Verbraucher"

Bereits nach Bekanntwerden der ersten Pferdefleisch-Funde in Tiefkühlprodukten in Großbritannien und Irland habe das Ministerium die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärbehörden der Bundesländer gebeten, darauf zu achten, ob derartige Erzeugnisse auch in Deutschland auf den Markt gekommen sein könnten. Die zuständigen Kontrollbehörden seien aufgerufen, wachsam zu bleiben, das weitere Geschehen im Ausland zu beobachten und jedem Hinweis nachzugehen.

Der britische Umweltminister will das Parlament am Montag über die weiteren Entwicklungen informieren. Owen Paterson sprach von einem "Betrug am Verbraucher". Der Skandal scheine weite Teile Europas einzuschließen. Paterson vermutet dahinter eine "weitreichende kriminelle Verschwörung". Berichte aus Frankreich weisen seinen Angaben zufolge auf zwei Schlachthöfe in Rumänien als mögliche Quelle des Pferdefleischs hin. Ein von einigen britischen Politikern gefordertes Moratorium auf Fleischimporte aus der EU lehnte Paterson im Gespräch mit dem Sender BBC ab, da dies unter EU-Regeln nicht erlaubt sei.

Das Ausmaß des europaweiten Betrugs ist noch völlig unklar. "Das kann man nur sehr schwer feststellen", sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, am Montag der Nachrichtenagentur DPA. Das falsch etikettierte Pferdefleisch sei in einem Luxemburger Unternehmen verarbeitet und dann unter verschiedenen Markennamen an Kunden in Europa geliefert worden.

Rumänien beschuldigt Frankreich

Derweil hat Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta die Schuldigen in Frankreich ausgemacht. Dies sagte Ponta am Montag kurz vor einem Besuch im Landwirtschaftsministerium in Bukarest, wo er über den Skandal beraten wollte, wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax berichtete.

Es fehle gerade noch, "dass unsere Produzenten, vor allem jene für Fleisch, an den Pranger gestellt werden, weil jemand in Frankreich die Daten über die Herkunft verändert hat", sagte Ponta. "Wir müssen uns um etwas sehr Wichtiges kümmern, nämlich darum, ob wir zulassen, dass Rumänien die Schuld an einem Konflikt zwischen Großbritannien und Frankreich zugeschoben wird."

Noch am Vortag hatte sich Staatspräsident Traian Basescu besorgt über das Image seines Landes geäußert, sollte sich herausstellen, dass rumänische Pferdefleisch-Exporteure ihre Ware falsch deklariert haben. Der bürgerliche Basescu und der Sozialist Ponta sind politische Gegner.

mlr/DPA DPA

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