Sahara-Touristen Tod durch Hitzschlag


Eine der in Algerien entführten deutschen Geiseln ist angeblich tot. Wie Medien melden, erlitt die Frau einen Hitzschlag und starb. Die Leiche sei wahrscheinlich von den Entführern in der Wüste begraben worden.

Nach fünf Monaten nervenaufreibender Ungewissheit hat das Wüstendrama um die entführten Sahara-Fahrer offensichtlich das erste Todesopfer gefordert. Eine der zehn deutschen Geiseln, eine Frau, ist nach einem Bericht des ARD-Fernsehens gestorben - wahrscheinlich an den extremen Strapazen in der Gluthitze Südalgeriens. Der Fernsehsender berichtete am Dienstag, die Mutter zweier Kinder sei bereits während des Aufenthaltes in Algerien einem Hitzschlag erlegen. Die Leiche der Frau sei wahrscheinlich von den Entführern in der Wüste begraben worden. Doch die deutschen Behörden wollten zunächst offiziell keine Klarheit über den Tod schaffen. Das Auswärtige Amt in Berlin schwieg - wie bereits seit fünf Monaten - beharrlich. Und auch in Algier gab es keinerlei Regierungskommentar.

Wilde Spekulationen

Die algerischen Medien hat die Nachricht, dass eine der insgesamt 15 Geiseln tot und wahrscheinlich von ihren Entführern in der Wüste begraben worden ist, völlig überrascht. Auch wenn es die ganze Zeit über teilweise wilde Spekulationen in Algier gegeben hatte - über den Tod einer Geisel war bislang nichts verlautet. Auch ist offiziell nicht bekannt, ob die dem Vernehmen nach 45-Jährige in Algerien oder in Mali starb. Nach dem allerletzten Wissensstand der nur sehr dürftig fließenden Informationen sind Kidnapper und Geiseln auf dem Weg in das südliche Nachbarland Algeriens. Das algerische Militär soll für die Freilassung der Geiseln einen "freien Abzug" zugesichert haben.

Geiseln dürften in Mali sein

Wie die ARD weiter berichtete, gehen die Sicherheitsbehörden fest davon aus, dass sich die Geiseln inzwischen in Mali befinden. Zuvor hatten algerische Medien berichtete, Entführer und Geiseln befänden sich weiterhin auf algerischem Boden. Der algerische Innenminister hatte bereits Berichte relativiert, wonach die vor fünf Monaten als Geiseln genommenen Sahara-Touristen bald in Mali freigelassen werden sollten. Andererseits halten sich dem Vernehmen nach Experten aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden in Mali auf, um die Geisel-Affäre einer Lösung näher zu bringen. Eine algerische Zeitung hatte am Sonntag berichtet, die Entführer hätten den Vorschlag des algerischen Militärs akzeptiert, die Geiseln gegen die Zusicherung eines freien Abzugs nach Mali freizugeben.

Brutale Klimaverhältnisse

Bislang wurden noch zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer in der Sahara vermisst. Sie waren im Februar und März in Algerien verschleppt worden. Mitte Mai hatte das algerische Militär 17 der ursprünglich 32 entführten Sahara-Touristen, darunter sechs Deutsche und zehn Österreicher, gewaltsam aus der Hand der radikalen Islamisten- Organisation befreit. Die Salafisten-Organisation für Gebet und Kampf (GSPC) wird verdächtigt, Beziehungen zur El-Kaida-Organisation Osama bin Ladens zu unterhalten. Auf der 1.200 Kilometer langen Strecke nach Mali lauern besonders im Sommer etliche Gefahren. Zu schaffen ist die Reise nur mit gut ausgestatteten Geländewagen oder mit Kamelen. Die Temperaturen klettern tagsüber bis auf knapp 50 Grad. Und auch die Nächte bringen in diesen Monaten kaum Abkühlung.

Wie lange halten die Opfer noch durch?

Wie viel Wasser haben sie noch? Wie steht es mit Medikamenten? Müssen sie Nachtmärsche auf sich nehmen, wie wahrscheinlich in der ersten Zeit, als die Entführer ständig vor dem Militär auf der Hut sein mussten? Über die Strapazen der Geiseln, den körperlichen wie seelischen, kann man auch nur spekulieren, erläutert Gunter Frenzel, der Vorsitzende des Sahara-Clubs in Bad Homburg. Schon seit geraumer Zeit steht die besorgte Frage im Raum, wie lange die 15 Europäer denn durchhalten können und wie sie von ihren Entführern behandelt werden.

Angst und Sorge

Erfahrenen Wüstenurlaubern ist klar, dass in der Wüste Ausrüstung und Kleidung lebensrettend sein können. Gleißende Sonne kann für Europäer und Wüstenbewohner ohne Kopfschutz schwerwiegende Folgen wie Übelkeit und Muskelkrämpfe bis hin zur Bewusstlosigkeit haben. Unsauberes Trinkwasser kann zu ernsten Erkrankungen wie Typhus oder auch Hepatitis A führen - aber Sahara-Touristen wissen das alles. Welche Höllenqualen die Geiseln noch immer durchmachen, kann erst nach einer Lösung des Wüstendramas wirklich deutlich werden. Solange halten Angst und Ungewissheit über ihre äußerst prekäre Lage an.


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