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Sommergewitter: Unwetter richten Verkehrschaos an

In der Nacht fegten Unwetter über den Süden und Osten Deutschlands, behinderten Zug- und Flugverkehr, ließen Keller volllaufen, überfluteten Straßen. Entwarnung gibt es auch für Mittwoch nicht.

Ein nächtliches Unwetter mit heftigen Gewittern und Orkanböen ist über den Süden und Osten Deutschlands gezogen. In Bayern krachte es besonders oft. In Feldkirchen setzte ein Blitz einen Bauernhof in Brand. Rund 250 Ferkel verendeten in den Flammen, wie die Polizei in Straubing mitteilte. In Regensburg schlug ein Blitz in ein Mehrfamilienhaus ein. Im Stadtteil Oberisling stürzte ein Baum auf eine Hochspannungsleitung und sorgte für Funkenflug.

Allein in der Oberpfalz zählten die Retter am Dienstagabend 130 unwetterbedingte Notrufe. Bei Königstein musste der Fahrer eines Omnibusses einem auf der Fahrbahn liegenden Baum ausweichen. Dabei wurde der Bus leicht beschädigt, Fahrer und Fahrgäste blieben unverletzt, wie die Polizei berichtete. Auf der Autobahn 3 nahe Oberölsbach krachte ein Porsche bei Starkregen in die Leitplanke. Der Fahrer kletterte unverletzt aus seinem völlig demolierten Flitzer.

Blitzeinschlag, Hagelschauer, Ausnahmezustand

Auch aus Mittelsachsen, dem Erzgebirge und Chemnitz wurden heftige Wolkenbrüche gemeldet. "Weltbewegende Schäden gab es aber nicht", sagte ein Sprecher der Polizei in Chemnitz am Mittwochmorgen. In Chemnitz fuhr ein Blitz in ein Haus. "Die Familie hatte Glück. Sie war nicht zu Hause", sagte der Sprecher weiter. Auf der Autobahn 72 nahe dem Kreuz Chemnitz ging ein starker Hagelschauer nieder. "Eine Zeit lang ging hier nicht mehr viel. Der Verkehr stand still."

Über Berlin entlud sich gegen Mitternacht ein Sommergewitter, das der Feuerwehr einen stundenlangen Ausnahmezustand bescherte. "In der Nacht mussten wir alleine in der Zeit von 22.05 bis 0.35 Uhr rund 180 Mal ausrücken", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am frühen Morgen. "Es war eine bunte Mischung. Vollgelaufene Keller mussten leergepumpt, umgestürzte Bäume zersägt und überflutete Straßen entwässert werden." Etliche Autos wurden durch herabfallende Äste beschädigt. "Verletzte gab es zum Glück nicht", sagte der Sprecher weiter.

Der Deutsche Wetterdienst warnte auch für Mittwoch vor Unwettern.

Streckensperrungen bei der Bahn

Bereits tagsüber hatten Unwetter zu einem erheblichen Verkehrschaos geführt. Zehntausende Reisende steckten auf Bahnhöfen fest oder wurden umgeleitet, was zu langen Verspätungen führte. Auf zahlreichen Bahnstrecken gab es durch Blitzeinschläge, heftige Sturmböen und entwurzelte Bäume Behinderungen. Wie die Deutsche Bahn am Abend mitteilte, mussten alle Fernstrecken von und nach Frankfurt am Main sowie der Abschnitt Nürnberg-Leipzig der ICE-Linie München-Berlin gesperrt werden. Der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen war vom Nachmittag an wegen Gebäudeschäden gesperrt.

Bahnstrecke Berlin-Hamburg stundenlang gesperrt

Auch die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg war wegen schwerer Unwetterschäden in Brandenburg stundenlang gesperrt worden. Am frühen Nachmittag hatte nach Bahnangaben eine Windhose mehrere große Bäume westlich von Berlin auf die Gleise stürzen lassen. Zehntausende Reisende waren betroffen. Sie mussten zum Teil stundenlange Umleitungen in Kauf nehmen. Am späten Abend wurde die Strecke Berlin-Hamburg in beiden Richtungen wieder freigegeben, wie ein Bahnsprecher sagte. In Thüringen verschärfte sich am Abend allerdings die Unwetterlage. Auf der Strecke zwischen Erfurt und Fulda sei der Bahnverkehr angehalten worden, so der Sprecher.

Pause am Frankfurter Flughafen

Am Frankfurter Flughafen musste der Betrieb wegen des starken Sturms immer wieder unterbrochen werden. Die Bodenabfertigung, also das Betanken sowie das Be- und Entladen der Maschinen, wurde für rund 30 Minuten eingestellt. "Das ist bei einem so starken Gewitter mit Wind und Blitzen Routine", sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Einige Starts und Landungen verzögerten sich.

swd/DPA / DPA