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Irre Hunde-Posse: Stadt Ahlen pfändet Mopsdame Edda – und verkauft sie für 750 Euro bei Ebay

Weil eine fünfköpfige Familie die Hundesteuer nicht mehr zahlte, pfändete die Stadtverwaltung im westfälischen Ahlen kurzerhand deren reinrassige Mopsdame. Danach bot sie ein Mitarbeiter per Kleinanzeige privat zum Verkauf an. Was danach passierte, ist haarsträubend.

Deutschland lokal Stadt Ahlen pfändet Mops und verkauft ihn auf Ebay

Die Stadt Ahlen pfändete den Mops einer Familie und verkaufte in auf Ebay. Eine Polizistin erwarb das Tier und erlebte kurz darauf eine traurige Überraschung.

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Haarsträubende Posse um den Mops einer fünfköpfigen Familie in Ahlen in Westfalen. "Süße Mopsdame mit Stammbaum zu verkaufen! Nicht kastriert", hieß es Mitte Dezember vergangenen Jahres in einer Ebay-Kleinanzeige. So weit, so niedlich. 750 Euro verlangte der Verkäufer, ein nach eigenen Angaben privater Anbieter, für den einjährigen Vierbeiner. Er sei geimpft, mit einem Chip versehen und nach dem Check eines Tierarztes kerngesund, schrieb der Verkäufer im Text. Eine Polizistin aus Wülfrath fand die Anzeige, war zunächst aber skeptisch. "Ich habe erst an eine Fake-Anzeige geglaubt", wird sie im "Ahlener Tageblatt" zitiert, das zuerst über den Fall berichtet hatte. Für einen reinrassigen Mops würden demnach bis zu 2000 Euro gezahlt. Die Polizeibeamtin griff dennoch zum Telefon und hatte zu ihrer Verwunderung einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung Ahlen am Apparat.

Stadt will zunächst Rollstuhl des Vaters pfänden

Der hatte den Mops offenbar über seinen privaten Ebay-Account im Internet zum Kauf angeboten. Noch stutziger wurde die Polizistin, als ihr der Mann erklärte, wie die Stadt an den Hund gekommen war. Man habe das Tier bei einer Familie in Ahlen gepfändet, die der Stadtverwaltung unter anderem noch Hundesteuerbeiträge schuldig gewesen sei. Auf die ungläubige Nachfrage der Interessentin, ob die Stadt Tiere pfänden und danach zum Kauf anbieten dürfe, versicherte ihr der Angestellte der Stadtverwaltung, dass alles rechtens sei.

Laut "Hannoversche Neue Presse" bekam die fünfköpfige Familie von Mopsdame Edda bereits im November Besuch von zwei Mitarbeitern der Stadt und einem Gerichtsvollzieher mit Durchsuchungsbeschluss. Wie die dreifache Mutter dem "AT" erzählte, sollte bei diesem Termin zunächst der Rollstuhl ihres querschnittsgelähmten Mannes gepfändet werden. Doch der sei Eigentum der Berufsgenossenschaft – und damit nicht zu pfänden. Deshalb konzentrierte sich die Behörde danach auf das vierbeinige Haustier der Familie aus dem Münsterland. "Der Hund habe den höchsten Wert, wurde mir gesagt", erinnert sich die Frau an den Tag im November. Es war der letzte mit Edda.

Dürfen Haustiere überhaupt gepfändet werden?

Nach Paragraf 811c Absatz 1 der Zivilprozessordnung gilt ein Tier, das im häuslichen Bereich und nicht zu Erwerbszwecken gehalten wird, grundsätzlich als unpfändbar. Warum die Stadt Ahlen den Hund trotzdem aus der Familie riss, konnte ein Sprecher zunächst nicht erklären. Man werde der Sache auf den Grund gehen, wird er im "Ahlener Tageblatt"zitiert. Und: "Was da passiert ist, ist nicht die übliche Vorgehensweise bei Vollstreckungen durch die Stadt Ahlen", erklärte er demnach weiter. 

Zurück zur Polizistin aus Wülfrath. Die ließ sich trotz Zweifel auf den Deal mit der Stadt Ahlen ein und kaufte den Mops zum vereinbarten Preis. Nach eigenen Angaben, holte sie den Hund schon am Tag nach dem Telefonat bei einer Pflegestelle in Hamm ab. Kurz vor Weihnachten erlebte sie eine weitere Überraschung.

Vier Augen-OPs: Polizistin verlangt 1800 Euro zurück

Denn Edda, die aus einer Mopszucht in Lünen in Westfalen stammt, war alles andere als kerngesund. "Sie hatte eine massive Augenverletzung, die ein Tierarzt behandeln musste", ärgerte sich die neue Besitzerin im "AT". An Weihnachten sei die Mopsdame in der Tierklinik Duisburg sogar notoperiert worden. Für die insgesamt vier Eingriffe und alle weiteren Behandlungen musste die Polizistin bisher rund 1800 Euro blechen. Geld, das sie nun von der Stadt Ahlen zurück fordert. Die habe sie in der Kleinanzeige arglistig getäuscht. Wie der "Ahlener Anzeiger" am Dienstag berichtete, wolle sich die Stadt wegen des laufenden Verfahrens vorerst nicht weiter öffentlich zur Veräußerung des Hundes äußern. Man lasse sich anwaltlich vertreten, hieß es lediglich. 

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Quellen: "Ahlener Tageblatt", "Hannoversche Neue Presse"

js