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Neue Technologie Stein auf Stein war gestern: Ehepaar zieht in Haus aus dem 3D-Drucker

rollstuhl 3d drucker
Die Teile für den Rollstuhl stammen teilweise aus einem 3D-Drucker (Symbolbild)
© Getty Images/iStockphoto
Eine neue Technologie könnte das Baugewerbe revolutionieren: Mehrere Unternehmen in Europa und in den USA haben bereits erste Häuser mit 3D-Druckern "gebaut". In Europa sind nun die ersten Mieter eingezogen.

Ein pensioniertes Ehepaar aus Amsterdam hat das erste vollständig von einem 3D-Drucker produzierte Haus in Europa bezogen. Am Donnerstag erfolgte die Schlüsselübergabe. Wie der "Guardian" berichtet, handelt es sich dabei allerdings um eine App, mit der die Besitzer die Haustür per Knopfdruck öffnen können. Das Haus von Elize Lutz (70) und ihrem Ehemann Harry Deckers (67) ist das erste von fünf Häusern, die der französische Baukonzern Saint Gobain mit dem Tochterunternehmen Weber Beamix im niederländischen Eindhoven geplant hat.

Häuser aus dem 3D-Drucker auch in Deutschland

Das Projekt ist nicht das erste dieser Art. In Frankreich und in den USA entstanden in den vergangenen zwei Jahren mehrere Immobilien, die teilweise mithilfe eines 3D-Druckers "gebaut" wurden. Auch in Deutschland hat dieser Trend vor einigen Jahren eingesetzt. Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, wurde vergangenen November so ein ganzes Mehrfamilienhaus im schwäbischen Wallenhausen gedruckt. Die Pläne seien zuvor am Computer entworfen worden, sodass der Drucker sie direkt  umsetzen konnte. Allerdings betraf das lediglich die Wände; Böden, Decken, Treppen, Dämmung und Dach mussten konventionell gebaut werden. Entwickelt wurde der 3D-Drucker unter anderem von der Firma Peri aus dem Landkreis Neu-Ulm. Im September hatte das Unternehmen bereits ein Einfamilienhaus im nordrhein-westfälischen Beckum gedruckt.

Fachleute der Branche glauben, dass diese neue Technologie die Bauwirtschaft revolutionieren könnte. Die 3D-Drucker können Häuser nicht nur binnen weniger Wochen herstellen, sondern gelten zudem als besonders nachhaltig. Denn für den Druck wird Bauschutt von Baustellen oder Steinbrüchen verwendet. Für die Produktion wird über der Baustelle ein Zelt errichtet. Stahlstreben dienen als Halterung für einen Druckarm, der den Beton in Scheiben nach dem vorgefertigten Bauplan aufträgt. Parallel dazu können die Bauarbeiter bereits mit der Installation von Leitungen und Rohren beginnen.

Günstige Mieten möglich

Um Kunden werben die Bauunternehmen mit günstigen Preisen. Wie die Tagesschau berichtet, können 3D-gedruckte Häuser bis zu einem Drittel günstiger sein als konventionell gebaute Unterkünfte. US-amerikanische Unternehmen versprechen bereits beim Rohbau Einsparungen von etwa 40 Prozent. Das niederländische Ehepaar zahlt dem Bericht des Guardian zufolge für ein halbes Jahr lang 800 Euro pro Monat. Normalerweise wäre der Preis doppelt so hoch.

Ihr nun fertiggestelltes Haus im niederländischen Eindhoven ist das erste gedruckte Gebäude, das von den örtlichen Behörden genehmigt wurde und nun bewohnt wird, teilte der CEO des Tochterunternehmens Weber Benelux, Bas Huysmans, mit.

Quellen: The Guardian, Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Bayerischer Rundfunk

cl

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