HOME

Mexiko : Nachfolger von "El Chapo": Dieser Drogenbaron ist nun der meistgesuchte Mafioso der Welt

Seit der Verhaftung von "El Chapo" kämpfen in Mexiko rivalisierende Kartelle um die Vorherrschaft. Ein Mann tat sich dabei besonders hervor. Als "El Mencho" stieg er zu einem der mächtigsten Drogenbarone der Welt auf. 

Eins der wenigen Bilder von Nemesio Osequera Cervantes, alias "El Mencho".

Eins der wenigen Bilder von Nemesio Osequera Cervantes, alias "El Mencho". Im Hintergrund sind die Überreste eines mexikanischen Militärhubschraubers zu sehen, den sein Kartell abgeschossen hat. 

Picture Alliance / DPA

"Er ist der Staatsfeind Nummer 1." So nennt Paul Craine von der US-Drogenvollzugsbehörde Nemesio Oseguera Cervantes. Bekannt und berüchtigt ist der Mexikaner auch als "El Mencho". Er ist der Kopf des "Jalisco Nueva Generación"-Kartells und ist innerhalb nur weniger Jahre zu einem der mächtigsten Akteure in der mexikanischen Mafia-Welt aufgestiegen. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft hat ein Kopfgeld von 30 Millionen Pesos, umgerechnet 1,4 Millionen Euro, auf ihn ausgesetzt - für Informationen, die zu seiner Festnahme führen.

Der US-Zeitung "New York Post" erklärte Craine, wie "El Mencho" zum meistgesuchten Verbrecher der Welt aufsteigen konnte. Lange leitete der Drogenfahnder die Operationen der Federal Drug Enforcement Administration (DEA) in Mexiko - auch 2016, als der berüchtigte Drogenbaron Joaquin Guzman oder "El Chapo" verhaftet wurde. Laut Craine war dies der Zeitpunkt, an dem der Aufstieg von "El Mencho" begann.

"Eine Armee von Tausenden von bösen Jungs"

"El Chapo" habe ein Machtvakuum hinterlassen, das rivalisierende Drogenbanden einzunehmen versuchten. Der Mann, der das Kartell von "El Chapo" übernommen hat, habe seine Stellung nicht behaupten können. Ismael "El Mayo" Zambada sei ein Diabetiker und ehemaliger Bauer, der fast 70 Jahre alt ist, sagte Craine. "Der Großteil seiner Familie sitzt in den im Gefängnis. Er ist zunehmend isoliert."

Diese Schwäche habe "El Mencho" ausgenutzt und sich als die "rücksichtsloseste und am besten organisierte kriminelle Kraft" erwiesen. "Er hat eine Armee von Tausenden von bösen Jungs hinter sich", sagte Craine. Die "Soldaten" des Drogenbarons seien gut ausgebildet, trügen schwarze Sturmhauben und T-Shirts, die mit dem Kartelllogo geschmückt sind, und seien mit Sturmgewehren bewaffnet. "Im Gegensatz zu den anderen Kartellen funktionieren sie wie eine paramilitärische Organisation", sagte der Ermittler, der im vergangenen Jahr in Rente gegangen ist, der "New York Post". "Sie sind wie eine eiserne Hand, halten die Stadt Jalisco unter ihrer Kontrolle. Sie haben sogar Straßensperren aufgestellt, um ihre Macht zu demonstrieren."

Laut einer Mitteilung des US-Außenministeriums ist das Kartell von "El Mencho" darauf spezialisiert, hunderte Kilogramm von Methamphetamin und Heroin herzustellen, sowie Kokain in Mengen von mehreren Tonnen. 

Ehefrau von "El Mencho" bereits verhaftet

Bereits im Mai 2015 ordnete "El Mencho" eine Reihe von Angriffen gegen Sicherheitskräfte im westlichen Bundesstaat Jalisco an, blockierte Autobahnen mit Bussen und Lastwagen, jagte Tankstellen in die Luft. Seinem Kartell gelang es sogar, mit einer Rakete einen Armeehubschrauber abzuschießen. Nun setzt die mexikanische Regierung alles daran, "El Mencho" zu schnappen. Im Mai dieses Jahres gelang den Behörden ein erster Schlag gegen den : Die Polizei verhaftete Rosalinda González Valencia, die Ehefrau des Mafiabosses, die als Hauptbuchhalterin des Kartells fungierte.

"Ich habe keine Zweifel daran, dass "El Mencho" gefangen wird", sagte Craine. "Doch die Gewalt wird weiter gehen, bis die mexikanische Regierung ernsthafte Anstrengungen unternimmt, um die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und die Korruption zu beenden", so der Experte, der sich erst in der vergangenen Woche mit anderen hohen Mitgliedern der  und ihren mexikanischen Kollegen in Chicago getroffen hat, um das Vorgehen gegen "El Mencho" und sein mächtiges Drogenkartell zu besprechen.

Vom Avocadofarmer zum Drogenbaron

Über die Biografie des Mannes, den die Drogenfahnder nun jagen, ist nur wenig bekannt. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, flog in der fünften Klasse von der Schule und arbeitete dann auf der Avocadofarm seiner Eltern. Als er 14 Jahre alt war, bekam er einen Job auf einer Marihuanafarm. Später wanderte er illegal in die USA ein, schlug sich in Kalifornien als kleiner Drogendealer durch. 

In den frühen 90ern kehrte "El Mencho" jedoch zurück nach Mexiko, ergatterte einen Job bei der Staatspolizei in Jalisco. Wenig später trat er dem Milenio-Kartell bei, heiratete die Schwester eines der Drogenbosse und baute ein eigenes Kartell auf, das "Jalisco Nueva Generación", das nun Dutzende Drogenrouten in die USA, Europa und Asien kontrolliert und die Unterwelt Mexikos beherrscht. 

Video: 50 Tonnen Meth in Mexiko gefunden
ivi