VG-Wort Pixel

Festnahme in Russland Er zog 70 Kinder groß – nun wird ein Priester des Missbrauchs angeklagt

Nikolaj Stremsky wird der Vergewaltigung und des mehrfachen Kindesmissbrauchs verdächtigt 
Nikolaj Stremsky wird der Vergewaltigung und des mehrfachen Kindesmissbrauchs verdächtigt 
© Diözese Orenburg der Russisch-Orthodoxen Kirche
70 Kinder hatte Priester Nikolaj Stremsky in seiner Obhut, 25 von ihnen adoptierte er. Die anderen zog er als Pflegevater groß. Doch nun wird der orthodoxe Geistliche angeklagt, seine Schützlinge vergewaltigt und missbraucht zu haben. 

Die einen kennen Nikolaj Stremsky als einen hochgeachteten Mann - als den Abt des Dreifaltigkeitsklosters der Barmherzigkeit in Saraktasch, Erzpriester der Russisch-Orthodoxen Kirche und Oberhaupt der kinderreichsten Familie Russlands. 70 Kinder nahm der Priester zusammen mit seiner Frau seit 1990 in Obhut - 25 von ihnen adoptierte er, die anderen zog er als Pflegevater groß. Er gründete ein orthodoxes Gymnasium, baute ein Heim für pflegebedürftige Menschen auf und leitete die Theologische Hochschule von Orenburg. 

Doch es auch Menschen, die kennen Vater Stremsky von einer anderen Seite - als protzenden Raser, der mit seinem vergoldeten Mercedes die Gegend unsicher macht und sich auch noch betrunken hinters Steuer setzt. 2015 geriet er in einen Skandal, als er in einer Parkverbotszone eine seiner Luxuskarossen abstellte, den folgenden Anordnungen der Verkehrspolizei nicht folge leistete und anschließend flüchtete. Damals versteckte er sich im Refektorium einer Kirche, die Polizei musste den Priester buchstäblich an Händen und Füßen auf die Straße tragen, was von Überwachungskameras aufgenommen wurde und schließlich an die Öffentlichkeit geriet. 

Das Dreifaltigkeitsklosters der Barmherzigkeit in Saraktasch, das von Nikolaj Stremsky aufgebaut wurde 
Das Dreifaltigkeitsklosters der Barmherzigkeit in Saraktasch, das von Nikolaj Stremsky aufgebaut wurde 
© Sergei Medvedev / Picture Alliance

Doch der Skandal von damals ist nichts im Vergleich zu dem, was dem Priester nun blüht. Er wird verdächtigt, seine Adoptivkinder vergewaltigt und missbraucht zu haben. In der vergangenen Woche wurde Stremsky festgenommen und befindet sich nun in Untersuchungshaft. Das russische Ermittlungskomitee wirft ihm vor, in der Zeit zwischen Januar und August 2018 sechs seiner Adoptiv- oder Pflegetöchter missbraucht zu haben. Eine von ihnen habe der 65-Jährige nach Erkenntnissen der Ermittler vergewaltigt, teilte die Behörde bei einer Pressekonferenz mit. Der Priester wird nun wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen, Missbrauch von mehreren Personen unter 14 Jahren und Nichterfüllung der Erziehungspflicht für Minderjährige angeklagt.

Auch Tochter festgenommen 

Zudem wurden acht minderjährige Kinder, die sich noch in der Obhut des Geistlichen befunden haben, aus der Familie entnommen. "Nikolai Stremsky wurde von seinen Pflichten als Vormund für alle acht Minderjährigen entbunden. Alle Kinder werden in staatlichen Einrichtungen der Region Orenburg untergebracht und vom Staat versorgt", teilte das Bildungsministerium auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Ria mit. Außer Stremsky selbst wurden eine seiner erwachsenen Adoptivtöchter und ihr Ehemann festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, mehrere Minderjährige gefangen gehalten zu haben.

Extravaganter Lebensstil kein Geheimnis 

In der Heimat sind die Menschen unterdessen nicht von den Vorwürfen gegen Stremsky überrascht. "Um ehrlich zu sein, ist er eine Person, von der man alles erwarten kann", kommentierte Metropolit Benjamin von Orenburg das Strafverfahren gegen seinen Untergebenen im Gespräch mit der Zeitung "Orenday". Für die Dauer des Verfahrens entzog er dem Priester das Recht zu predigen.

Auch der Diakon Andrei Kuraew, der zusammen mit Stremsky in Moskau studiert hatte, äußerte sich zu den jüngsten Ereignissen. "Ich habe bereits über die Kuriositäten meines ehemaligen Klassenkameraden geschrieben. Allem voran sein Adoptionsprojekt. Er nahm Dutzende von Kindern auf, mit denen er so gut wie keinen Kontakt hat. Stattdessen kümmern sich die Kloster-Novizinnen um sie. Aber er erhält eine Menge Geld für ihren Unterhalt", schrieb Kuraew im orthodoxen Blog "LiveJournal".

Aus seinem extravaganten Lebensstil hat Stremsky selbst kein Geheimnis gemacht. Vor ein paar Jahren führte er seinen Reichtum sogar einem Fernsehteam vor. In seiner Garage filmten die Journalisten neben dem vergoldeten Mercedes einen Hummer, Volkswagen Touareg, Audi Q7, ein Motorrad und sogar eine Kutsche. "All dies ist dem Dorfpriester überhaupt nicht peinlich, im Gegenteil, er freut sich, das Filmteam zu einer Fahrt mit seinem Militärhummer einzuladen", heißt es in dem Bericht des Senders Public Television of Russia. Auf dem Anwesen von Stremsky bestaunten die Reporter außerdem eine Sammlung von Retro-Autos, einen Pferdestall und eine Fontäne mit Schwänen. "Man kann sich im Haus verirren, es gibt ein Museum, ein Esszimmer, 20 Schlafzimmer und einen Weinkeller", hieß es weiter. Alles habe er sich mit "Blut und Schweiß erarbeitet", beteuerte der Priester damals. 

Quellen:RIA"Orenday", "LiveJournal", Public Television of Russia, Russisches Ermittlungskomitee

ivi

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker