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Verdacht auf Tötungsdelikt: Festnahme im Fall der vermissten Tramperin - doch Sophia L. bleibt verschollen

Im Zusammenhang mit der vermissten Tramperin aus Leipzig hat die Polizei in Spanien einen Fernfahrer festgenommen. Doch die junge Frau bleibt verschwunden. Was geschah an der A9? Die Ermittler halten sich bedeckt.

Die vermisste Tramperin Sophia L. wollte von Leipzig nach Nürnberg gelangen

Sophia L. wollte per Anhalter von Leipzig nach Nürnberg reisen - und verschwand

Es sollte ein Trip in die Heimat werden. Die Studentin Sophia L., 28, machte sich auf den Weg von ihrem Wohnort Leipzig in die Oberpfalz, um ihre Familie zu besuchen. Sie wollte nicht mit dem Bus oder mit der Bahn fahren, sondern trampen. Das tat sie häufiger, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Rund 250 Kilometer, immer die A9 Richtung Süden entlang, sind es bis nach Nürnberg. Von dort sollte es mit dem Zug rund 55 Kilometer weiter nach Amberg zu ihrer Familie weitergehen.

Am vergangenen Donnerstag gegen 17.45 Uhr startete die Reise, an einem Autohof in Schkeuditz, vor den Toren Leipzigs. Eine Aral-Tankstelle, ein McDonald's, eine Autowerkstatt, Parkplätze. Lkw-Fahrer nutzen das Gelände zwischen Autobahn und Leipziger Flughafen für ihre Pausen, Familien stärken sich auf der Durchreise mit Fastfood.

Hier hat die 28-Jährige auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit mehrere Menschen angesprochen, ermittelte die Polizei. Letztendlich fand sie einen Lkw-Fahrer, der sie auf dem Beifahrersitz Platz nehmen ließ. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen blau-weißen Renault-Lkw mit marokkanischem Kennzeichen und der Aufschrift "Benntrans". Gegen 18.20 Uhr verließ sie in dem Lastwagen den Autohof. Es war das letzte Mal, dass Sophia L. gesehen wurde.

Vermisstenfall Sophia L. auf der Karte

Nachdem ihre Familie vergeblich auf die Ankunft Sophias wartete, ging sie am folgenden Mittag zur Amberger Polizei und meldete sie als vermisst. Die Beamten schalteten die Kollegen in Sachsen ein. Kurz darauf starteten Angehörige in den sozialen Netzwerken eine Suchaktion nach der 28-Jährigen, verbreiteten ihr Bild und einen Aufruf bei Facebook und Twitter. Die Postings wurden tausendfach geteilt.

Angehörige und Freunde suchen in sozialen Netzwerken nach Sophia L.

Angehörige und Freunde suchen in sozialen Netzwerken nach Sophia L.

Wenig später gaben die Angehörigen weitere Informationen heraus. Gegen 19.45 Uhr am Donnerstagabend habe seine Schwester noch eine "unverfängliche" SMS an Bekannte geschrieben, erzählte der Bruder der Vermissten "Spiegel Online".

Er will auch erfahren haben, dass der Lkw-Fahrer zwischenzeitlich ausfindig gemacht worden sei. Der Fernfahrer habe erzählt, Sophia L. sei in der Nähe von Nürnberg an der Ausfahrt Lauf/Hersbruck gegen 22 Uhr aus dem Lastwagen ausgestiegen. Ein Hoffnungsschimmer? Der Bruder schränkte ein: "Wenn der Fernfahrer die Wahrheit sagt." 

Die Leipziger Polizei wollte diese Angaben am Dienstag auf stern-Anfrage nicht bestätigen. "Wir prüfen auch dies bei unseren Ermittlungen", sagte ein Sprecher. Aber die Beamten erklärten inzwischen, dass Polizisten auf der Suche nach der Studentin am Dienstag vergeblich ein Waldstück an der A9 in Bayern durchkämmt haben. 

Festnahme eines Verdächtigen in Spanien

Im Hintergrund liefen die Ermittlungen zum Verschwinden der Tramperin weiter. Und hierbei hatten die Beamten noch am selben Tag Erfolg: Über 1500 Kilometer von dem Autohof in Schkeuditz entfernt, nehmen Polizisten in Spanien einen Mann fest. Es soll sich um einen 40 Jahre alten marokkanischen Fernfahrer handeln, berichtet unter anderem die "Dresdner Morgenpost". Der Mann sei nach einem Fluchtversuch gestellt worden. Zuvor hätten sich spanische und deutsche Ermittler abgestimmt. 

Die deutschen Behörden halten sich zu all diesen Details bedeckt. "Derzeit sind die Ermittlungen noch nicht so weit fortgeschritten, dass Einzelheiten mitgeteilt werden können, ohne den Fortgang der Untersuchungen zu gefährden", erklären Staatsanwaltschaft und Polizei in Leipzig. Nur so viel: Der Festgenommene "ist dringend verdächtig, die vermisste Sophia L. getötet zu haben". Weitere Fragen werden zurzeit nicht beantwortet.

Die Zweifel von Sophias Bruders an der Aussage des Lkw-Fahrers scheinen sich zu bestätigen. Die Erfolgsmeldung der Polizei aus Spanien lässt die Hoffnung auf ein harmloses Verschwinden Sophias daheim in der Oberpfalz und in Sachsen schrumpfen.

Doch aufgeben will man auch dort nicht. "Wir unternehmen alles in unserer Macht stehende, um möglichst schnell eine Aufklärung des Falles zu erreichen und Sophia L. zu finden", versprechen Polizei und Justiz. Der Beschuldigte soll an diesem Mittwoch in Spanien weiter befragt werden - wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes. Parallel startet im Tagesverlauf in Süddeutschland eine neue Suchaktion. 

Die Angehörigen seien sehr betroffen von der Entwicklung, sagte der Bruder der 28-Jährigen. Aber noch sei seine Schwester
nicht gefunden worden. "Daumendrücken!" Die Familie werde von der Polizei laufend über den Stand der Ermittlungen informiert.


Polizei Leipzig bittet weiter um Hinweise zu Tramperin

Sophia L. wird seit dem 14. Juni 2018 vermisst

Sophia L. wurde seit dem 14. Juni 2018 vermisst

DPA

Sophia L. ist 28 Jahre alt und 1,65 Meter groß. Sie hat schwarze, schulterlange Haare, die auf der rechten Seite zum Teil abrasiert sind. Als sie zuletzt gesehen wurde, trug sie eine schwarze, kurze Hose, ein schwarzes, ärmelloses Oberteil und schwarz-lila Schuhe. Sie hatte eine schwarze Trage- und eine Bauchtasche bei sich.

Die Ermittler haben insbesondere folgende Fragen an mögliche Zeugen:

  • Wer hat Sophia wo nach ihrem Aufenthalt in Schkeuditz gesehen?
  • Wer hat den blau-weißen Renault-Lkw mit marokkanischem Kennzeichen und der Aufschrift "Benntrans" nach dem Zustieg Sophias am Donnerstag gesehen?

Hinweise zum Fall Sophia L. nehmen die Kripo in Leipzig unter der Telefonnummer (0341) 96646666 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Weitere Informationen haben die sächsischen Ermittler auf ihrer Internetseite zusammengestellt.

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