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Stuttgart-21-Patin Ramsauer: Tunneltaufe mit vier Anläufen

Es ist die erste Tunnelbaustelle für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Und wie könnte es anders sein: Taufpatin Susanne Ramsauer lieferte sich einen harten Kampf mit der zugehörigen Sektflasche.

Start mit Anlaufschwierigkeiten beim Albaufstiegstunnel für das Bahnprojekt Stuttgart 21: Dreimal prallte die Sektflasche an der Wand der Tunnelröhre in Hohenstadt am Aufstieg zur Schwäbischen Alb ab. Erst dann gelang Tunnelpatin Susanne Ramsauer am Freitag der entscheidende Wurf. Die Frau von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gab damit den Startschuss für den Bau den 4,8 Kilometer langen Tunnel für die ICE-Neubaustrecke nach Ulm.

Insgesamt baut die Bahn auf dem Streckenabschnitt zwischen Wendlingen und Ulm neun Tunnel. Bei Stuttgart 21 wird der Stuttgarter Hauptbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und an die neue Schnellbahnstrecke angeschlossen. Zuletzt hat die Bahn die Kostenprognose für Bahnhof und Anbindung 6,8 Milliarden Euro angehoben.

Bahnchef trifft Wutbürger

Bei der Eröffnungsfeier war neben dem Verkehrsminister ebenfalls Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube zu Gast. Am Zaun versammelten sich außerdem gut ein Dutzend Gegner des Mega-Bahnprojekts, die die anwesende Prominenz mit Schmähungen wie "Lügenpack" bedachte. Aber auch der grün-roten Landesregierung werfen die Demonstranten mit den Trillerpfeifen Verrat vor. Drei Jahre nach den teils gewaltsamen Massenprotesten gegen die Baumfällarbeiten im Schlosspark neben dem Bahnhof hat sich die große Aufregung zwar gelegt. Doch das am Bauzaun in der Innenstadt als "Drecksprojekt" verteufelte Vorhaben bleibt ein Reizthema.

Das größte Bauprojekt der Bahn, dessen Hauptphase mit dem Tunnelanschlag begann, könnte nach bisherigem Stand bis zu 9,4 Milliarden Euro kosten. Auf den Umbau des Bahnknotens entfallen 6,5 Milliarden, auf die Neubaustrecke nach Ulm 2,9 Milliarden Euro - Preissteigerungen nicht eingerechnet. Mit Vorbereitungsarbeiten wie etwa dem hart umkämpften Fällen uralter Bäume im Schlosspark wurde bereits Anfang 2010 begonnen. Für den neuen Tiefbahnhof in Stuttgart und die Neubaustrecke müssen etwa 120 Kilometer Schienenstrecke gebaut werden - dazu gehören 25 Tunnel und Unterführungen sowie 55 Brücken und Überführungen.

be/AFP/Reuters / Reuters