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Ramsauer zu Prestigeprojekten Pannen auf Großbaustellen sollen reduziert werden


Die Fertigstellung verzögert sich um Jahre, die Kosten vervielfachen sich: Bei Großprojekten passieren immer wieder horrende Fehler. Eine Expertenkommission soll Lehren für die Zukunft ziehen.

Aus Pannen bei Prestigebauten wie dem Berliner Hauptstadtflughafen oder dem Bahnprojekt Stuttgart 21 sollen Fachleute Lehren für künftige Großvorhaben ziehen. Ziel sei zu vermeiden, dass kommende Projekte aus jedem Zeit- und Kostenrahmen gerieten, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vor der ersten Sitzung einer von ihm berufenen Expertenkommission am Mittwoch in Berlin. Deutschland habe einen Ruf zu verlieren. Der Kreis soll etwa Empfehlungen erarbeiten, wie Planungen zu verbessern sind. Bahnchef Rüdiger Grube, der Mitglied der Kommission ist, betonte, Deutschland solle sich nicht von großen Verkehrsprojekten abwenden.

Drei Beispiele für problematische Großprojekte in Deutschland:FLUGHAFEN BERLIN BRANDENBURG (BER)

Das Vorzeigeprojekt vor den Toren Berlins ist vor allem wegen der mehrfach verschobenen Eröffnung zum Gespött geworden. Nachdem der Termin 3. Juni 2012 wegen Problemen mit dem Brandschutz nicht gehalten werden konnte, ist der Start des Flughafens bis auf weiteres ungewiss. Nach einigen Personalquerelen und Streit um Nachtflüge ist seit März Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn Geschäftsführer. Der Flughafen soll mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten - einst waren 2 Milliarden kalkuliert.

STUTTGART 21

Gegen die Tieferlegung des Hauptbahnhofs protestieren die "Wutbürger". Das Projekt macht wegen steigender Kosten von sich reden. Im Jahr 1995 unterzeichnen Bahn, Bund, Land und Stadt eine Rahmenvereinbarung - das Projekt sollte rund fünf Milliarden Mark (knapp 2,6 Milliarden Euro) kosten. Über die Jahre wird diese Summe größer - nun ist von 6,8 Milliarden Euro die Rede. Anfang März sagte Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer, operativ werde weiter 2021 als Eröffnungsjahr angestrebt - angesichts von Risiken könne es aber auch 2022 werden.

ELBPHILHARMONIE

Der spektakuläre Bau im Hamburger Hafen sollte 77 Millionen Euro kosten. Mittlerweile liegt die Summe bei mindestens 575 Millionen Euro, Kritiker gehen von 800 Millionen Euro aus. Öffnen soll das Konzerthaus der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron nach aktuellem Stand im Frühjahr 2017 - Richtfest auf der Baustelle war schon im Mai 2010 gefeiert worden. Nach langen Streitigkeiten und einem Baustopp einigten sich die Stadt und der Konzern Hochtief am 1. März vertraglich auf den Weiterbau.

juho/DPA DPA

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