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Süddeutschland: Mit dem Schnee kam der Stromausfall

Der Schneefall hat in Süddeutschland zu teilweise chaotischen Verkehrsverhältnissen geführt. Der Verkehr kam zum Erliegen, die Feuerwehr musste Dächer vom Schnee befreien. Zeitweise waren 10.000 Haushalte ohne Strom.

Bayern versinkt im Schnee: Die schwersten Schneefälle seit Jahren haben den Verkehr in Südbayern am Wochenende lahm gelegt. Drei Menschen starben bei Unfällen auf schneeglatten Straßen. Der Bahnverkehr brach stellenweise komplett zusammen. In München und Augsburg fuhren weder Straßenbahnen und Busse. Zahlreiche Flüge wurden abgesagt. Rund 10.000 Menschen im Freistaat waren zeitweise ohne Strom. Am Montag bleiben mehrere Schulen geschlossen. Schon am Samstag hatte der Schnee den Verkehr auf den Autobahnen blockiert, die Autos stauten sich insgesamt auf mehr als 300 Kilometern Länge. In den Alpen herrschte große Lawinengefahr.

Nach dem Schneechaos vom Wochenende hat sich die Lage im Süden Deutschlands in der Nacht zum Montag wieder etwas entspannt. Die Autobahnen in Baden-Württemberg und Bayern waren nach Polizeiangaben wieder frei befahrbar. Auch die meisten Bahnstrecken waren nicht mehr blockiert, in Bayern blieben lediglich einige Nebenstrecken gesperrt. Dennoch behindern die Schneemassen weiter das öffentliche Leben.

In München fielen binnen 24 Stunden mehr als 40 Zentimeter Schnee. Erstmals in seiner fast 100-jährigen Geschichte konnte der Tierpark Hellabrunn wegen der extremen Verhältnisse den ganzen Sonntag nicht öffnen. Die S-Bahnen fielen stundenlang aus, nur die U-Bahnen verkehrten planmäßig. Vielerorts beseitigte die Feuerwehr Äste, die unter der Schneelast herabgestürzt waren oder abzubrechen drohten. Die Schäden durch den Schneebruch sind noch nicht absehbar. Umstürzende Bäume beschädigten auch Stromleitungen. Allein im Raum Weilheim-Schongau und Dachau sei der Strom zeitweise bei 5000 Kunden ausgefallen, teilte der Energiekonzern Eon Bayern mit.

Meteorologen geben Entwarnung

Erst am Sonntagnachmittag gaben die Meteorologen Entwarnung: "Das Schlimmste ist vorbei", sagte ein Mitarbeiter des privaten Wetterdienstes Meteomedia. "Große Schneemengen sind in den nächsten Tagen nicht mehr zu erwarten." Dennoch werden in den Landkreisen Augsburg und Landsberg am Lech die Schulen am Montag geschlossen bleiben. Die Schulwege seien noch nicht sicher, hieß es. In Memmingen hatten Dutzende aus den Ferien heimkehrende Urlauber die Nacht zum Sonntag in einer zur Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle verbracht. "Alle Hotels waren belegt", sagte ein Polizeisprecher. "Es waren Urlauber, die einfach nicht mehr konnten." Sie hätten stundenlang in Staus gestanden und den Weg nach Hause nicht mehr geschafft. "Bis jetzt ist so was noch nie vorgekommen. Es gab aber auch noch nie so ein Schneechaos im Allgäu."

Auch am Sonntag gab es Staus. Immer wieder musste die Polizei auch zu Unfällen ausrücken. Drei Autofahrer kamen ums Leben, als sie bei schneeglatter Fahrbahn mit ihren Fahrzeugen von der Straße abkamen. Trotz der Schneefälle setzte die Gewerkschaft Verdi die Streiks in sechs bayerischen Autobahnmeistereien auch am Sonntag fort. Auch zum Wochenbeginn geht der Ausstand weiter.

Flugzeug rutscht von der Startbahn

Am Münchner Flughafen kam am Samstagabend ein russischer Airbus A 310 von der glatten Startbahn ab und rutschte in die Grünfläche. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der Flughafen wurde vorübergehend gesperrt, um die Start- und Landebahnen frei zu räumen. Ebenso brach der Zugverkehr auf der Strecke München-Garmisch- Mittenwald sowie in Teilen Bayerisch Schwabens und im gesamten Allgäu zusammen. "Wir konnten dort aus Sicherheitsgründen den Zugverkehr nicht aufnehmen", sagte ein Sprecher.

In Baden-Württemberg mussten rund 80 Reisende die Nacht zum Sonntag in einem Zug und am Bahnhof von Singen übernachten. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren sie mit dem "Cisalpino" von Stuttgart nach Mailand unterwegs. Da die Strecke ab Schaffhausen blockiert war, wurden einige Reisende in Hotels einquartiert, die meisten aber mussten im beheizten Zug versorgt werden. "Gegen 6.00 Uhr ging es mit dem Bus weiter", teilte die Bahn mit.

In München stürzten eine Tennishalle und eine Lagerhalle ein, verletzt wurde niemand. In ganz Bayern räumten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk Hallendächer frei, darunter die Memminger Eissporthalle sowie das Dach der Schwabenhalle in Augsburg. In Memmingen wurden sämtliche städtischen Hallen mit Flachdächern vorsorglich gesperrt. Auch die Wintersportorte versanken im Schnee. "Wir haben bis 1. Mai Saison, da kommt der Schnee eigentlich gerade Recht", sagte der Betriebsleiter der Allgäuer Nebelhornbahn, Alfred Spötzl. Es sei aber "viel Arbeit" gewesen, die Pisten des Allgäuer Skigebietes bei Oberstdorf zu präparieren. "Wir haben alle Reserven mobilisiert."

Lawinengefahr in den Alpen

Starke Schneefälle haben auch in der Schweiz den Verkehr am Wochenende vielerorts zum Erliegen gebracht. Nach Angaben von MeteoSchweiz fiel in den Städten Zürich, Basel und St. Gallen innerhalb von 24 Stunden mehr als ein halber Meter Schnee. Es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Eine Fahrerin starb, als sie mit ihrem Wagen gegen einen Baum prallte. Bei Olten musste die Autobahn A2 Richtung Basel gesperrt werden, die Autos stauten sich auf 20 Kilometer Länge.

Im Südschweizer Kanton Wallis wurden Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt. Eine Frau starb, als sie beim Schneeschuhwandern im Gebiet von Les Diablerets von einer Lawine verschüttet wurde. Die Schneefälle behinderten auch den öffentlichen Verkehr in den Städten sowie den Flugverkehr. Der Flughafen Basel-Mühlhausen blieb bis am Sonntagnachmittag geschlossen. Am Flughafen Zürich führten die Schneefälle zu Verspätungen von zwei Stunden. Zahlreiche Flüge wurden annulliert. Die Schweizerische Bundesbahn meldete zahlreiche Verspätungen.

In Österreich fielen bis zu 50 Zentimeter Neuschnee. Vor allem im südlichen Bundesland Kärnten kam der Verkehr am Sonntag praktisch zum Erliegen. Zahlreiche Nebenstraßen waren nicht befahrbar. Viele Straßen wurden durch umgestürzte Bäume blockiert. Bei Villach musste am Nachmittag die Autobahn A2 gesperrt werden. In einigen Gebieten brach die Stromversorgung zusammen, berichtete die Nachrichtenagentur APA. Schwere Verkehrsbehinderung wurden auch aus Nieder- und Oberösterreich gemeldet. In der Stadt Linz wurden in der Nacht zum Sonntag mit 25 Zentimetern die stärksten Schneefälle dieses Winters gemessen. Aus dem Bundesland Salzburg wurden zahlreiche Verkehrsunfälle gemeldet.

DPA / DPA