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#MeToo Tennisstar Peng wirft Chinas Ex-Vizepremier sexuelle Übergriffe vor

Tennistar Peng Shuai
Beweise habe Tennistar Peng Shuai für ihre Anschuldigungen nicht
© Fred Dufour / AFP
Tennisstar Peng Shuai hat dem ehemaligen Vizepremier Chinas, Zhang Gaoli, in einem Social-Media-Beitrag vorgeworfen, sie zum Sex gezwungen zu haben. Bereits eine halbe Stunde später sei der Post verschwunden – dank Chinas Zensurapparat.

Der chinesische Tennisstar Peng Shuai hat schwere Vorwürfe gegen den Chinas ehemaligen Vizepremier, Zhang Gaoli, erhoben. Der enge Vertraute von Staatsoberhaupt Xi Jinping habe die bekannte Profisportlerin zum Sex gezwungen, wie mehrere Medien unter Bezugnahme auf einen Social-Media-Beitrag der 35-Jährigen berichten. Es ist das erste Mal, dass einem hochrangigen Politiker der Volksrepublik ein derart schwerwiegendes Vergehen vorgeworfen wird.

"Kann nicht beschreiben, wie sehr ich mich geekelt habe"

Zum ersten Mal habe Zhang sie genötigt, nachdem Peng dessen Haus besucht habe, um Tennis zu spielen: "An diesem Nachmittag habe ich nicht eingewilligt und konnte nicht aufhören zu weinen", schrieb die zweifache Grand-Slam-Gewinnerin Medienberichten zufolge auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo. "Ich kann nicht beschreiben, wie sehr ich mich geekelt habe und wie oft ich mich gefragt habe, ob ich noch ein Mensch bin", so Peng weiter. CNN zufolge behauptet der Tennisstar in dem 1600 Wörter langen Post, dass sich ihre später einvernehmliche Beziehung mit Zhang mit Unterbrechungen über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckte.

Beweisen könne sie dies allerdings nicht. Zhang habe immer gefürchtet, dass Peng ein Aufnahmegerät zu ihren Treffen mitbringen könnte: "Es gibt keine Audio- oder Videoaufzeichnungen, nur meine verzerrte, aber sehr reale Erfahrung", soll sie weiter geschrieben haben. Der 75-Jährige, der zwischen 2013 und 2018 das Amt des Vize-Ministerpräsidenten innehatte, äußerte sich laut BBC nicht zu den Anschuldigungen.

Großflächige – und schnelle – Zensur

CNN zufolge wurde der Beitrag keine 30 Minuten nach seiner Veröffentlichung am Dienstag gelöscht. Selten habe die in China gängige Zensur so schnell und heftig eingesetzt. Zwar seien Screenshots des Posts zunächst in privaten Chat-Gruppen weitergeschickt, aber ebenfalls rasch zensiert worden.

Zunächst sei Pengs populärer Weibo-Account mit mehr als einer halbe Million Followern nicht entfernt worden. Doch, so CNN, werden alle Suchanfragen zu ihrem Namen und ihrer Anschuldigung blockiert – sogar die Kommentarfunktion auf einer Weibo-Diskussionsseite über Tennis sei gesperrt worden.

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Nicht der erste MeToo-Skandal in China

Laut BBC ist Pengs Post nur der jüngste Fall in einer Reihe von prominenten MeToo-Fällen in China. 2018 habe eine bekannte Fernsehmoderatorin in einem Online-Essay einer anderen TV-Persönlichkeit ähnliche Vorwürfe gemacht. Der Beitrag habe in der von Zensur geprägtem Land enorme Aufmerksamkeit erfahren. Zu einem Urteil sei es nie gekommen.

Chinesische Gerichte, so die BBC, lassen es in solchen Fällen nur selten zu einer Anhörung kommen. Erst vor kurzem sei ein Gesetz verabschiedet worden, dass sexuelle Belästigung klar definiert und für viele Opfer kaum Handlungsspielraum lässt.

Quellen: BBC; CNN

yks

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