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Turkish Airlines: Absturz in Amsterdam gibt Rätsel auf

Nach dem Absturz einer Maschine von Turkish Airlines in Amsterdam laufen die Ermittlungen zur Unglücksursache. Neun Menschen starben, als die Boeing am Mittwoch nahe der Landebahn des Flughafens Amsterdam-Schiphol aufschlug und zerbrach. Inzwischen gehen viele Experten von einem Triebwerksausfall aus.

Nach dem Absturz einer türkischen Passagiermaschine bei Amsterdam mit neun Toten und 86 Verletzten halten immer mehr Luftfahrtexperten einen Ausfall der Triebwerke für wahrscheinlich. Allerdings blieb am Donnerstag zunächst unklar, was die konkrete Ursache für das Unglück gewesen sein könnte. Fachleute waren intensiv mit der Auswertung der vom Stimmrekorder aufgezeichneten Cockpit-Gespräche beschäftigt. Zugleich ging die Untersuchung der Wrackteile der Boeing 737-800 weiter. Bei deren Absturz über einem Acker nahe des Flughafens Schiphol wurden am Mittwoch auch die beiden Piloten und ein Pilot in der Ausbildung getötet.

125 Menschen überlebten den Absturz, sechs von ihnen allerdings mit lebensbedrohlichen Verletzungen. Experten der nationalen Einrichtung für Luftfahrtsicherheit gehen bislang davon aus, dass die Maschine beim Landeanflug nicht genügend Leistung brachte. Denkbar sei ein Versagen der Triebwerke, aber auch ein "instabiler Landeanflug", hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Einrichtung.

Beides könnte nach Angaben der niederländischen Pilotenvereinigung sowohl auf Fehler der Crew als auf technisches Versagen zurückzuführen sein. "Es könnte sein, dass (beim Landeanflug) nicht genügend Schub gegeben wurde", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung, Hans Tettero. Derweil erklärte ein Sprecher der Turkish Airlines in Istanbul, der dritte Pilot im Cockpit habe ein Training erhalten. Olgay Özgür (29) sei aber bereits seit 2004 im Besitz einer Pilotenlizenz gewesen. Zuvor war spekuliert worden, dass er die Maschine geführt haben könnte.

Enorme Zerstörungen an der Maschine

Der Koordinator der Untersuchungen, Pieter van Vollenhoven, äußerte sich nach einer Besichtigung des Wracks der in drei Teile zerbrochenen Maschine "sehr überrascht", dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe. Die Zerstörungen an dem Flugzeug seien enorm. Die drei Piloten im Cockpit seien durch eine beim Aufprall auf den Boden herausbrechende Instrumententafel erschlagen worden. Angaben von Überlebenden würden bestätigen, dass die Maschine bei einem zunächst normal erscheinenden Landeanflug plötzlich in den freien Fall überging.

Augenzeugen am Boden hatten berichtet, das Flugzeug sei im Vergleich zu anderen Maschinen, die auf dem Amsterdamer Airport Schiphol landeten, "erstaunlich tief geflogen". Die Triebwerksgeräusche seien stärker als gewohnt gewesen und plötzlich ausgeblieben, berichteten Anwohner von Gemeinden in Flughafennähe. "Wahrscheinlich ist etwas mit den Antrieben schiefgegangen", sagte der Experte Michel van Tooren von der Technischen Universität Delft. Überlegungen, wonach der Maschine der Treibstoff ausgegangen sein könnte, wurden zunächst nicht bestätigt.

Wetterdienst: Verhältnisse waren unproblematisch

Der Wetterdienst erklärte, dass Wind, Sicht und Temperatur zum Zeitpunkt des Unglücks am Mittwochvormittag normal und unproblematisch gewesen seien. Zur Unterstützung der Untersuchung wurden in Amsterdam Vertreter des US-Flugzeugbauers Boeing sowie türkische Experten erwartet.

Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte - ebenso wie tausende Menschen, die auf einer eigens eingerichteten Website Trauer und Bestürzung bekundeten. Bei einem Besuch der Unglücksstelle lobte Balkenende den "professionellen Einsatz" aller Rettungskräfte. Dadurch seien viele Menschen in sehr kurzer Zeit aus den Trümmern des Flugzeugs geborgen und die Verletzten sehr schnell in Krankenhäuser gebracht worden.

Die Maschine mit der Flugnummer TK 1951 war am Morgen kurz nach 8 Uhr von Istanbul aus gestartet. Nach der vorausberechneten Flugzeit sollte das Flugzeug um 10.31 Uhr - neun Minuten vor der offiziellen Ankunftszeit - in Schiphol landen. Kurz vorher kam es jedoch zu dem Unglück.

Das Flugzeug wurde nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums 2003 gebaut und regelmäßig gewartet. In der Crash-Statistik des deutschen Unfalluntersuchungsbüros JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Center), die das Magazin für Zivilluftfahrt, "Aero International", jährlich veröffentlicht, nimmt Turkish Airlines unter den größten Fluggesellschaften der Welt bislang Rang 60 ein und liegt damit weit hinten.

Grund sind verschiedene Unfälle, die teilweise jedoch schon Jahrzehnte zurückliegen. Seit 1973 verlor das Unternehmen zehn Flugzeuge. Das schlimmste Unglück ereignete sich am 3. März 1974. 346 Menschen starben, als eine DC-10 nach dem Start in Paris-Orly abstürzte. Es war eines der schwersten Unglücke der Zivilluftfahrt überhaupt. In den vergangenen Jahren jedoch hat sich das Unternehmen erheblich gewandelt und verfügt über eine hochmoderne Flugzeugflotte und ein neues Trainingskonzept.

DPA / DPA