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Überfall auf Reisegruppe in Äthiopien Zwei Deutsche tot, zwei weitere verschleppt


Immer noch gibt es verwirrende Meldungen über die tatsächlichen Opfer des brutalen Überfalls auf eine Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens. Jüngsten Angaben zufolge sollen sich nun doch zwei Deutsche unter den fünf Todesopfern befinden, zwei weitere sollen verschleppt worden sein.

Bei dem brutalen Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien sind nach Angaben der Regierung in Addis Abeba nun doch zwei Deutsche und ein Österreicher getötet worden. Zwei weitere Opfer stammten aus Ungarn. Dies sagte Regierungssprecher Bereket Simon. Vier Urlauber wurden gekidnappt, darunter zwei Deutsche. Simon korrigierte damit seine ursprünglichen Angaben, wonach bei dem Überfall nur ein Deutscher umkam. Zudem hatte er gesagt, es sei ein Australier getötet worden.

Entführt worden seien neben zwei Deutschen ein äthiopischer Polizist, der die Gruppe beschützen sollte, und ein äthiopischer Fahrer. Zwei weitere Touristen aus Italien und Ungarn wurden verletzt.

Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir hat nach dem Überfall alle Reisen in die betroffene Region abgesagt. Offenkundig hatten deutsche Teilnehmer der Gruppe bei Diamir gebucht. Eine Bestätigung dafür war am Mittwoch zunächst nicht zu erhalten. Das Unternehmen teilte auf seiner Internetseite mit, dass es den Zwischenfall außerordentlich bedauere und mit allen zuständigen Stellen fortwährend in engem Kontakt stehe. Betroffene und deren Angehörige würden betreut.

BKA setzt Mitarbeiter in Marsch

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. "Hinweisen auf den Überfall auf eine Reisegruppe mit deutschen Staatsangehörigen in Äthiopien wird nachgegangen", hieß es. "Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind mit Hochdruck um Aufklärung des Sachverhalts und des Schicksals der deutschen Staatsangehörigen bemüht." Auch in Wien tagt ein Krisenstab.

Das Bundeskriminalamt schickt mehrere Mitarbeiter in das afrikanische Land. Sie sollten noch am Morgen in Richtung der Hauptstadt Addis Abeba aufbrechen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Auch der Verbindungsbeamte der Behörde in Kenia sei nach Addis Abeba beordert worden. "Wir unterstützen dort die deutsche Botschaft, wir versuchen dort die Interessen der deutschen Staatsangehörigen wahrzunehmen, Kontakt zu den Behörden aufzubauen." Auch zu den Angehörigen in Deutschland sei bereits Kontakt aufgenommen worden.

Eritrea weist Anschuldigungen zurück

Der Überfall hatte sich in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze ereignet. Das äthiopische Militär habe die Verwundeten in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Bei den Tätern habe es sich um von der eritreischen Regierung ausgebildete Banditen gehandelt, sagte der Sprecher weiter und bezog sich bei seinen Angaben auf äthiopische Sicherheitskräfte.

Diese Darstellung wurde von einem Vertreter Eritreas bei der Afrikanischen Union am Mittwoch zurückgewiesen. Es sei eine Lüge, dass die Gruppe der Angreifer in Eritrea bewaffnet und ausgebildet worden ist. "Eritrea hat mit diesen Bewegungen nichts zu tun."

Zahlreiche Überfälle im Grenzgebiet

Laut Zeitungsberichten geschah der Überfall auf die Reisegruppe in der Nähe des Vulkans Erta Ale in der Danakil-Wüste. Die Region ist eine der heißesten und ärmsten der Erde und wird von dem Nomadenvolk der Afar bewohnt. In dem Gebiet waren 2007 fünf europäische Geiseln - vier Briten und eine Französin – entführt worden. Nach knapp zwei Wochen wurden sie unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen.

mad/DPA DPA

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