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USA Falscher Bestatter fährt mit "Lass dich nicht impfen"-Aufschrift durch die Stadt – und wirbt damit für Impfung

Auf der Website des unechten Bestatters ist zu lesen: "Lass dich jetzt impfen. Wenn nicht, sehen wir uns bald"
"Lass dich jetzt impfen. Wenn nicht, sehen wir uns bald" heißt es auf der Website des unechten Bestattungsunternehmens (Screenshot)
© BooneOakley
Der Schein dürfte selten so sehr trügen: Ein vermeintliches Bestattungsunternehmen ist mit einem Truck und der Aufschrift "Lass dich nicht impfen" durch die US-Stadt Charlotte gefahren. Doch eigentlich ist das genau das Gegenteil gemeint.

"Lass dich nicht impfen" prangt es großzügig auf dem schwarzen LKW, der Medienberichten zufolge am Sonntag in Charlotte im US-Bundesstaat North Caroline seine Runden durch die Stadt gedreht haben soll. Scheinbar gehörte der Wagen einem örtlichen Bestattungsunternehmen – aber eben nur scheinbar. Denn in Wahrheit war es eine kreative Marketingaktion, um US-Bürger zum Impfen zu bewegen.

Lokale Werbeagentur steckt hinter der ungewöhnlichen Kampagne

Laut einem Bericht der "Newsweek" entdeckte ein Twitter-Nutzer das ungewöhnliche Werbegefährt am Sonntag, als es um das Bank of America Stadium kreiste, in dem gerade ein Footballspiel stattfand. Zunächst würde man wohl an eine Kampagne von Impfgegnern denken. Unter dem Schriftzug sei jedoch der Name des vermeintlichen Besitzers zu lesen gewesen: "Wilmore Funeral Home" – und eine zehnstellige Telefonnummer.

Wer allerdings die Website des Bestatters aufruft, staunt nicht schlecht: Dort wird nämlich schnell klar, dass die Firma nur Fassade ist und gar nicht existiert. "Lass dich jetzt impfen. Wenn nicht, sehen wir uns bald" ist dort als einzige Botschaft zu lesen. Über einen eingebetteten Link gelangen Nutzer direkt auf die Website von "StarMed", einem regionalen Gesundheitsdienstleister und können einen Impftermin buchen.

Der "Washington Post" zufolge war zunächst unklar, wer hinter der Aktion steckt. Selbst die Mitarbeiter von "StarMed" hätten nicht gewusst, wer die Website betreibt. Mit der Telefonnummer auf dem Lastwagen habe man lediglich einen vollen Anrufbeantworter erreichen können.

Erst am Dienstagmorgen gab die lokale Werbeagentur "Boone Oakley" via Twitter bekannt, dass das Ganze ihre Idee war: 

Geht der Werbeansatz nach hinten los?

"Eine Menge Pro-Impfstoff-Werbung ist sehr direkt", sagte Agentur-Präsident David Oakley gegenüber "Newsweek". "Wir dachten: 'Gibt es eine Möglichkeit, das Ganze umzudrehen und aus einer anderen Perspektive zu machen?'"  

Ein Großteil der Impfstoffwerbung in den USA habe bisher angstbasiertes Marketing – wie bei Anti-Rauch-Kampagnen – vermieden, schreibt die "Washington Post". Weil die Impfstoffe mittlerweile derart umstritten seien, befürchteten einige Forscher, dass solche Botschaften nach hinten losgehen und Skeptiker in ihrer Ablehnung bestärken könnten.

"Newsweek" zufolge kritisierten auch einige Twitter-Nutzer die Aktion als zynisch. "670.000 Menschen finden das nicht lustig", habe einer von ihnen geschrieben. Ganz anders sah das laut "Washington Post" der medizinische Leiter von "StarMed": Er sei "zu 100 Prozent dafür", wenn es das Leben eines einzigen Patienten rettet.

Quellen: "Washington Post"; "Newsweek"

yks

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