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stern-Reportage aus Bautzen Vom Pleite-Hotel zum erfolgreichen Asylheim

O-TON PETER RAUSCH: ”Du weißt, was das bedeutet. Was machst du eigentlich noch hier?"
Peter Rausch Peter Rausch war ein erfolgloser Hotelier. Jetzt ist er engagierter Asylheimbeitreiber. Mit allem was dazugehört.
O-TON FRAUKE HUNFELD: “Gestern Abend war die Polizei da, was war los?” O-TON PETER RAUSCH: “Wir hatten mal wieder ein bisschen tunesischen Kindergarten, wie ich das mittlerweile nenne. Wir haben, und das habe ich schon mehrfach gesagt, dazu stehe ich auch, ein Problem mit unserem tunesischen Bewohnern. Die ausschließlich junge Männer sind, zwischen 19 und 25 die eben leider Gottes immer noch nicht kapiert haben, dass ich das Hausrecht habe und dass es gewisse Hausordnungspunkte gibt, die ich bitte einzuhalten. Und dazu gehört eben, sich anmelden und fragen, ob man hier zusätzlich übernachten kann. Dazu müsste ich auch einen kleinen Obolus bezahlen, damit sie wissen, dass das nicht umsonst ist, und wenn sie das nicht einhalten, werden Leute eben mit einer Hausordnung versehen oder nach Hause geschickt, und wenn sie dann nicht gehen wollen nach mehrmaliger Aufforderung, dann muss ich eben leider Gottes die Polizei rufen und die müssen der ganzen Sache Nachdruck verleihen."
Das Spreehotel. 14 Jahre lang versuchte Rausch vergeblich, Touristen anzulocken. Vor eineinhalb Jahren funktionierte er dann sein Hotel zum Asylheim für mehr als 200 Menschen um. Als einer der ersten im Land. Nicht gerade zur Freude der Bautzener Bürger, die Rausch mehrheitlich die Freundschaft gekündigt haben. Etwa der anliegende Tennisverein.
O­-TON PETER RAUSCH: “Die fühlen sich in ihrem Tennisdasein nachhaltig gestört, wegen der Anwesenheit von 230 Asylbewerbern, die natürlich ab und zu mal zuschauen.” Gerüchte über das Spreehotel halten sich hartnäckig. Zum Beispiel dieses: Bewohner der Unterkunft dürften ungestört in den umliegenden Geschäften klauen.
O-TON PETER RAUSCH: ”Das stimmt natürlich logischerweise nicht. Das wird auch nicht, auch dass die Geschäfte eine Stunde früher zu machen, damit die Asylbewerber dort in aller Ruhe klauen können. Das sind alles Geschichten, die irgendwie über das Internet verbreitet werden. Und Leute, die den Asylbewerbern eh nicht gut gesonnen sind, das natürlich gerne aufgreifen und breittreten.” Peter Rausch macht keinen Hehl daraus, in seine neue Rolle hineinreingerutscht zu sein und finanziell besser dazustehen als zuvor. Mit seinem Spreehotel stand er kurz vor der Pleite.
O-TON PETER RAUSCH: “Der private Asylheimbetreiber wird gebraucht, aber ich denke es gibt doch einen Unterschied zwischen einem privaten Asylheimbetreiber und einem privaten Asylheimbetreiber.” O-TON FRAUKE HUNFELD: “Nämlich?” O-TON PETER RAUSCH: “Ich sag jetzt mal ganz frech, jemand der mit Engagement und Investition Geld verdient, so wie ich, oder jemand der den Betrieb und die Asylbewerber auspresst, wie eine Zitrone. so kann das auch machen. (...) Ich möchte da sicherlich keine Namen nennen, aber aber es gibt natürlich Konkurrenten, die mit einem Viertel des Personals, die gleichen 13 Euro bekommen wie ich. Mit einem minimalen Aufwand und einer minimalen Ausstattung. Einer minimalen Reinvestition des verdienten Geldes sich natürlich dumm und dämlich verdient. Das ist richtig, ja.”

Finanziell wieder auf festen Füßen
Etwa so viel wie ein Schuldirektor verdient Rausch mit dem Heim pro Monat. Für ihn nicht unbedingt leicht verdientes Geld. Gerade am Anfang gab es Schwierigkeiten, etwa eine schwere Körperverletzung.
O-TON PETER RAUSCH: “Ich hab sehr viel mehr Struktur jetzt auch in die des Asylheims gebracht, wie ich es die ersten Monate hatte. Das war auch ein Lernprozess. Ich habe auch mein Lehrgeld bezahlt muss ich ganz ehrlich sagen, und ich denke ich kann nicht sagen, dass nach einem Jahr sich mein Seelenleben stabilisiert hat, aber auch der gesamte Betrieb des Asylheims ist völlig vernünftig geworden, strukturierten und längst nicht so gefährlich, wie man gemeinhin glauben könnte. Ich kann jetzt nach fast anderthalb Jahren sagen, dass ich wirtschaftlich sicherlich die Kurve bekommen habe. ich glaube, ich werde nicht als Millionär sterben, aber ich habe mein Auskommen. In zweiter Linie, das habe ich damals gesagt, und kann es heute wieder sagen, dass es das beste ist, was mir passiert ist, dass es mir einen Riesenspaß macht das ich glaube dass das was ich mache richtig ist. dass es gut ist.”

Die irakischen Schwestern Diana und Juliana sind froh, endlich eine Bleibe gefunden zu haben. O-TON DIANA: “The first time it’s very safety. And we feel respect. I feel human. I am human not anything. For women especially. Respect women. Respect our religions. Respect us.”

Sie sind vor dem IS geflohen. Wochenlang liefen sie durch die Städte Osteuropas, in Serbiens Wäldern wurden sie überfallen, in Ungarn saßen sie im Knast. Jetzt endlich Sicherheit im Spreehotel Bauzen. Nur für wie viele?

O-TON PETER RAUSCH “Tja das weiß ich eben auch nicht. Das muss ich ganz ehrlich sagen, macht mir auch ein bisschen Sorgen. Diese immense Anzahl von Asylbewerbern, die kommt. Dieses System ist komplett überlastet, komplett überfordert. Es geht nichts voran. Wir kriegen es nicht hin, anerkannte Asylbewerber in die Freiheit zu entlassen, weil irgendwelche bürokratischen Hürden noch im Weg stehen. da muss sich meiner Ansicht nach in den nächsten Wochen Monaten mal dringend was tun, dass dieses System entlastet wird. Und ob wir das mit der Bürokratie mit der 100­ oder 200­Tausend behandeln auch noch funktioniert, wenn wir ne Million haben, das bezweifle ich.”

Monatelanges Warten auf die Bewilligung des Asylantrags. Aber alles besser, als zurück in die Heimat zu müssen. O-TON DIANA: “I see a lot of problems in our country. I don’t want back. If our document need take time I will wait. I will wait this paper. I will be patient for this paper. Because I don’t want back. I want stay here. I feel safety here.”

So lange also Spreehotel. Oma Renate, wie sie hier alle nennen, macht mit den Kindern Hausaufgaben. Rausch hilft mit Formularen und Anträgen. Und sorgt auch sonst weiter für Ordnung. O-TON PETER RAUSCH:“Was machst du eigentlich noch hier...du weißt, was passiert.”

Ein vier-Sterne-­Hotel für Flüchtlinge und viel Geld für Peter Rausch, sagen seine Kritiker. Rauschs Alltag erzählt eine andere Geschichte.
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Es ist ein mutiges Projekt: Peter Rausch hat in Bautzen aus seinem Spree-Hotel eine Asylunterkunft gemacht, mehr als 200 Menschen finden dort jetzt Platz. Was viele der Asylbewerber als großes Glück empfinden, stößt in Bautzen auf teils harsche Kritik.

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