Guerilla-Aktion bei Nazi-Aufmarsch So reagiert das Netz auf den unfreiwilligen Spendenlauf

Diese Demonstration werden die Neonazis so schnell nicht vergessen: Ihr jährlicher Gedenkmarsch im oberfränkischen Wunsiedel geriet am Sonnabend zu einer der lustigsten Aktionen gegen Rechtsextremismus, die Deutschland je erlebt hat. Und sorgte damit auch im Web für Furore.
Denn der Aufmarsch wurde kurzerhand zu einem Spenden-Appell für die Berliner Neonazi-Aussteiger-Initiative "Exit" umfunktioniert. Nach dem Vorbild eines "Charity"-Laufs und mithilfe zahlreicher Spenden brachte jeder von Rechtsradikalen gelaufene Meter ausgerechnet jenen Geld, gegen die Neonazis seit Jahren kämpfen. Insgesamt kamen so über 10.000 Euro zusammen.
Über Wochen hatten Jugendliche aus Wunsiedel und Helfer aus vielen Bündnissen diese ungewöhnliche Aktion unter dem Namen „Rechts gegen Rechts“ vorbereitet. Die Idee dabei: Die Demonstration so gestalten, als ob es sich um ein sportliches Ereignis für einen guten Zweck handelt.
Und das Netz, das lacht noch immer über Parolen wie „Wenn das der Führer wüsste“, „Im Spendenschritt, Abmarsch“ oder dem Essensstand „Mein Mampf“. Da gab es, ganz wie bei einem echten Lauf, Bananen zur Stärkung. Für den „Endspurt, nicht den Endsieg“, so die Idee der Organisatoren.
Die Stimmen auf Facebook, Twitter und Co. sind voll des Lobens angesichts so viel Kreativität, Trickserei und Engagement.
Maik Tuchardt schreibt bei Facebook: „Grandiose Aktion!!!!!!!! Aus einen Aufmarsch der braunen Brut, wird ein Spendenlauf für Aussteiger aus der Szene... Danke, Wunsiedel!!!!“
Twitter-User Horst Hafensänger sagt: „Geilste Aktion, die man zur Zeit im Netz finden kann: http://bit.ly/1vcfzXC Spendenlauf der Nazis bringt 10k für EXIT #RechtsGegenRechts“
Chr_Deutschländer schließt sich ihm auf derselben Social-Media-Plattform an: „Ich lach mich schlapp: Wie Neonazis für ihren eigenen Ausstieg laufen.Mit Wegzehrung "Mein Mampf" #RechtsgegenRechts“
Auf Facebook findet Yusuf Yildiz: „Echt eine coole Aktion.. da lohnt sich das Spenden auch... Hut ab...und vor allem nachahmenswert.“
Ein Twitter-User geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht vom Wunder von Wunsiedel! Eisenfresser: „Danke für das Wunder von Wunsiedel.“
Die Guerilla-Aktion war nicht nur ein Erfolg für Wunsiedel, sondern auch ein Erfolg für ganz Deutschland im Kampf gegen die rechte Szene. Vor Ort fasst der Geschäftsführer des bayerischen Bündnisses für Toleranz den spektakulären Tag zusammen.
Martin Becher: „Wir haben das Dilemma, das sonst die Demonstrierenden haben, umgedreht auf die Nazis. Die Nazis wurden heute unsere Sportsfreunde. Die Sportsfreunde steigen jetzt – nach getaner Arbeit - in ihren Bus.“
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Wenn das der Führer wüsste: Die Berliner Neonazi-Aussteiger-Initiative "Exit" verwandelte in Wunsiedel einen braunen Gedenkmarsch in einen lustigen Spendenlauf. Auch im Web schlug die Aktion Wellen.
Von Ines Punessen

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