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Rätselraten um russischen Airbus 321: US-Satellit registriert Hitzeblitz im Moment des Absturzes

Bombe, Abschuss, technisches Versagen? Die Ursache für den Airbus-Absturz in Ägypten gibt Rätsel auf. Doch einige Szenarien nehmen langsam Gestalt an. Eine Explosion an Bord erscheint immer wahrscheinlicher.

Von Ellen Ivits

Experten suchten nach dem Auslöser für den Absturz des Airbus 321 in Ägypten

Wrackteile der abgestürzten russischen Maschine im Norden der Sinai-Halbinsel: Kurz vor dem Absturz soll ein US-Satellit eine Explosion aufgezeichnet haben.

Drei Tage nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel suchen Experten mit Hochdruck nach dem Auslöser für die schlimmste Katastrophe der russischen Luftfahrtgeschichte. Die wichtigste Frage: War es ein Terroranschlag oder ein Unglück? Nun meldet der amerikanische TV-Sender NBC, dass ein US-Infrarot-Satellit zum Zeitpunkt des Absturzes der russischen Passagiermaschine einen Hitzeblitz über dem Sinai registriert habe. Der Sender beruft sich auf Angaben von Vertretern des US-Verteidigungsministeriums. Eine Bombenexplosion an Bord des Flugzeuges werde somit wahrscheinlich, heißt es. Jedoch käme auch eine Explosion im Kraftstoffbehälter oder in einem Triebwerk infolge einer technischen Störung in Frage. Einen Abschuss schlossen indes die Verteidigungsministerium-Vertreter aus. "Es gibt keine Beweise, dass eine Rakete, welcher Art auch immer, den Absturz verursachte", zitierte der Sender einen Behördenmitarbeiter.  Auch der nationale US-Geheimdienstdirektor James Clapper hält es für möglich, dass eine Bombe an Bord den Absturz verursachte, berichtet der US-Sender CBS.

Das analytische Zentrum Stratfor, eine Art privater Schatten-CIA, hält eine Explosion einer Bombe an Bord für das wahrscheinlichste Szenario. "Obwohl wir nicht die Möglichkeit eines katastrophalen strukturellen Versagens vollkommen auszuschließen können, wäre eine solche Erklärung angesichts der Umstände des Absturzes ungewöhnlich. Die meisten Flugunfälle, die aufgrund eines technisches Versagens erfolgen, finden größtenteils während des Starts oder der Landung statt, also zu den Zeitpunkten der höchsten Belastung. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Flugzeug in Reiseflughöhe auseinanderbricht", heißt es in einem Stratfor-Bericht.


Fremdkörper an Absturzstelle gefunden

Eine Abschuss der Maschine mit einer Dschihadisten-Rakete schließt Stratfor aus. "Obwohl es militanten Kräften in dieser Gegend bereits gelungen ist, mit einer Ein-Mann-Boden-Luft-Rakete einen ägyptischen Hubschrauber abzuschießen und sie auch Raketen auf israelische Flugzeuge abgefeuert haben, befand sich Flug 9268 außerhalb der Reichweite dieser Waffen."

Mögliche Indizien, dass ein Sprengsatz an Bord der Unglücksmaschine für den Absturz verantwortlich sein könnte, verdichten sich scheinbar. Am Dienstagmorgen meldeten russische Medien, dass an der Absturzstelle des Airbus A321 Fremdkörper sichergestellt worden seien, die nicht zur Konstruktion des Flugzeugs gehören. Die Teile würden derzeit in Kairo untersucht werden, wie ägyptische Quellen bestätigt hätten. 

Konnte das Heck abbrechen?

Die Airline Kogalymavia schloss unterdessen ein technisches Versagen oder einen Pilotenfehler aus. Am Montagabend veröffentlichte die Fluggesellschaft auf ihrer Website Akten zum technischen Zustand des Flugzeugs, darunter auch Zertifikate, Berichte über technische Untersuchungen und Logbücher der Piloten. Die Dokumente liegen der Untersuchungskommission, die die Ursachen für den Absturz aufklären soll, vor. 

Luftfahrtexperten schließen dagegen ein Versagen der Technik nicht aus. Wie die russische Zeitung "Kommersant" berichtet, könnte der rasante Höhenverlust, der vor dem Auftreffen der Maschine auf dem Boden, registriert worden ist, auf Schäden im Heck des Flugzeugs zurückzuführen sein. "Bei einem Abbrechen des Hecks würde der Airbus sofort in einen Sturzflug übergehen", zitiert die Zeitung einen Testpiloten. "Das gleiche würde passieren, wenn bei einem Auseinanderbrechen der Flugzeugwände die Stromverbindung zum Heck unterbrochen wird." Dort befänden sich Elemente, die zur Höhenregulierung notwendig sind. Werde die Stromverbindung gekappt und rastete das Ruder im Modus des Sturzflugs ein, könne es zu solch einem Unglück kommen, so der Testpilot.

Kreml weist Zusammenhang mit Syrien-Einsatz zurück

Der Kreml ist unterdessen bemüht, Spekulationen einzudämmen. "Es gibt keine neuen Erkenntnisse auf der Suche nach dem Absturzgrund", sagte der Pressesprecher von Wladimir Putin Dmitri Peskow. Er kritisierte Berichte scharf, wonach ein möglicher Anschlag auf das Flugzeug mit russischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien zusammenhängen könnte. Spekulationen über einen eventuellen Vergeltungsschlag etwa durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien "völlig unangebracht", sagte er.