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Bahnverkehr: Verletzte bei Feuer im Eurotunnel

Ein Feuer im Tunnel unter dem Ärmelkanal hat den Zugverkehr zwischen Frankreich und Großbritannien lahmgelegt. Auf einem Frachtzug war ein mit Chemikalien beladener Laster in Brand geraten. Rund 30 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, 14 leicht verletzt. Bis zum späten Abend waren noch nicht alle Flammen gelöscht.

Ein Brand im Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien, durch den auch der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar fährt, hat am Donnerstag für Chaos gesorgt. Der Tunnel unter dem Ärmelkanal wurde voll gesperrt. 14 Menschen wurden verletzt, sechs erlitten leichte Rauchvergiftungen, acht wurden durch zersplitterndes Glas leicht verletzt. 32 Menschen, darunter vor allem Lastwagenfahrer, mussten durch einen Zwischentunnel in Sicherheit gebracht werden. Fünf Eurostarzüge mit rund 2000 Passagieren mussten ihre Fahrt abbrechen und zu ihren Startbahnhöfen zurückkehren. Die Feuerwehr brachte den Brand laut französischen Behörden nach einigen Stunden zwar unter Kontrolle, doch auch am späten Abend waren noch nicht alle Flammen gelöscht.

Das Feuer war auf einem Frachtzug auf französischer Seite ungefähr elf Kilometer von Calais entfernt ausgebrochen. Französische Medien berichteten, dass ein Laster, der auf dem Zug Feuer fing, eine hochgiftige Chemikalie geladen hatte. Am Abend bestätigte die französische Innenministerin Michèle Alliot-Marie laut BBC, dass der Laster die Chemikalie Phenol transportiert habe, ein toxisches Produkt, das in der pharmazeutischen Industrie verwendet werde. Medien berichteten unter Berufung auf Behörden, dass diese Art von Fracht eigentlich nicht durch den Tunnel transportiert werden dürfe. Eine offizielle Bestätigung gab es hierfür aber nicht.

Der Tunnel soll bis mindestens Freitagvormittag gesperrt bleiben. Der Eurostar verbindet die Städte Paris, London und Brüssel und gilt als Prestigeprojekt der Länder.

Das Unglück ereignete sich gegen 16 Uhr. Der Frachtzug war auf dem Weg von Calais nach Folkestone, als das Feuer ausbrach. Der Zugverkehr wurde in beide Richtungen eingestellt, wie das Unternehmen Eurostar mitteilte. Es sei aber zum Zeitpunkt des Notfalls kein Passagierzug im Tunnel gewesen. Neben dem Eurostar wird der längste Unterwassertunnel der Welt auf einer getrennten Trasse für den Frachtverkehr und für Autozüge genutzt. Ein dritter Tunnel ist als Servicetunnel auch für Evakuierungen vorgesehen.

Medienangaben zufolge brach das Feuer wahrscheinlich aus, als ein Lastwagen auf dem Frachtzug umstürzte. Nach Darstellung der Rettungskräfte griff das Feuer auf drei Lastwagen über. Die Feuerwehr der südenglischen Grafschaft Kent schickte wegen des "ernsten Vorfalles" Unterstützung an den Unfallort.

Ein Zug sollte die Menschen zurück nach Frankreich bringen. Eurotunnel rief dazu auf, Reisen wenn möglich zu verschieben, weil weiter mit Staus und schweren Störungen gerechnet werden müsse. Am Londoner Eurostar-Bahnhof St. Pancras bildeten sich kurz nach dem Unglück lange Schlangen. Passagiere erzählten, sie hätten gefürchtet, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt. "Die Leute sind ausgeflippt, weil es der siebte Jahrestag der Anschläge vom 11. September ist", sagte die Reisende Camille Lamalle.

Der 50 Kilometer lange Channel Tunnel verläuft unter dem Ärmelkanal und ist mit zehn Milliarden Pfund eines der teuersten Bahnprojekte Großbritanniens. Er wurde nach einer Bauzeit von sieben Jahren 1994 eröffnet. In den ersten drei Monaten dieses Jahres fuhren 2,17 Millionen Passagiere mit dem Eurostar, ein Plus von 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Tunnel wurde schon einmal im Jahr 1996 bei einem Feuer schwer beschädigt. Damals geriet ein Zug, der Lastwagen transportierte, in Brand. Das Feuer brannte mehrere Stunden und verursachte einen Schaden von 200 Millionen Pfund.

DPA/AFP / DPA