Erdbeben in Italien 200 Tote - Opferzahl steigt unaufhörlich


Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: 5000 Retter versuchen verzweifelt, weitere Überlebende in den Trümmern zu finden. Doch meist bergen sie nur Leichen. Die Zahl der Toten im Erdbebengebiet rund um die italienische Stadt L'Aquila ist auf über 200 gestiegen. Doch es gibt auch Glücksmomente, wie die wundersame Rettung einer 98-Jährigen.

Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in den Abruzzen ist nach Angaben des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bis Dienstagmittag auf 207 gestiegen. 17 der Toten müssten noch identifiziert werden, 15 Menschen Menschen würden noch vermisst, teilte der Regierungschef mit. Die Rettungskräfte suchen nach wie vor nach Verschütteten. Berlusconi erklärte, die Bemühungen sollen noch 48 Stunden fortgesetzt werden.

Zahlreiche Nachbeben erschweren jedoch die Rettungs- und Bergungsarbeiten rund um die Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila. Seit dem starken Erdstoß in der Nacht zu Montag, dem folgenreichsten in Italien seit fast 30 Jahren, wurden etwa 280 Nachbeben gezählt. Das kräftigste erreichte am Dienstagmorgen die Stärke 4,8. Die Erschütterungen waren auch im etwa 100 Kilometer südwestlich gelegenen Rom zu spüren. Zunächst war unklar, ob das Beben neue Schäden verursachte.

Bei ihrem Wettlauf gegen die Zeit haben die insgesamt 5100 in den Abruzzen eingesetzten Helfer manchmal auch Glücksmomente. So wurde 30 Stunden nach dem Beben eine 98-Jährige lebend geborgen. Die alte Dame gab an, sie habe sich die Zeit mit Häkeln vertrieben, während sie unter den Trümmern auf Hilfe wartete, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Am Morgen war in L'Aquila auch eine 24-jährige Studentin lebend aus ihrem völlig zerstörten Haus gerettet worden. Bis Dienstagmittag konnten die Retter in der Erdbebenregion in den Abruzzen insgesamt 150 Überlebende aus den Trümmern eingestürzter Häuser ziehen.

In dem Ort Onna vor den Toren von L'Aquila stieg die Zahl der Opfer stark an, 39 der etwa 250 Einwohner kamen durch das Beben um. Die bergige Gegend erschwert den Einsatz von Kränen. Viele Obdachlose haben die Nacht in ihren Autos verbracht, während andere seit Montag in Unterkünfte an der nahegelegenen Adria-Küste gebracht werden. Insgesamt wurden bei dem Erdbeben 1500 Menschen verletzt, 17.000 sind noch obdachlos, darunter praktisch jeder siebte Bürger von L’Aquila.

Nachdem die nationale Hilfe aus allen Landesteilen am Vortag rasch angelaufen war, hat Innenminister Roberto Maroni am Dienstag 130 Millionen Euro für den Einsatz von Polizei und Feuerwehr in den Abruzzen in den nächsten sechs Monaten angekündigt. Mehr Mittel werde der nächste Ministerrat freigeben, sagte er: "Für diesen nationalen Notstand werden wir alle benötigten Gelder auftreiben." Mehr als 10.000 Betten seien für die Obdachlosen bereits an der Küste verfügbar. 200 Beamte werden in L'Aquila und Umgebung eingesetzt, um Plünderungen zu verhindern. "Das Kontingent verstärken wir heute noch", sagte Maroni.

Berlusconi, der am zweiten Tag hintereinander in die Erdbebenregion gereist war, lehnte die zahlreichen Hilfsangebote anderer Staaten dankend ab. Italien sei in der Lage, allein das zu leisten, was jetzt geleistet werden müsse, sagte der Regierungschef.

joe/AP/AFP/DPA/Reuters


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