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Erdbeben in Neuseeland: Polizei korrigiert Angaben zu Opferzahlen

Nach dem schweren Erdbeben im neuseeländischen Christchurch hat die Polizei ihre Angaben zu den Opferzahlen korrigiert: Die Behörden rechnen mit insgesamt rund 200 Toten. Zuvor war von 300 Opfern die Rede.

Fünf Tage nach dem Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. 147 Leichen seien bislang geborgen worden, und angesichts von mehr als 50 Vermissten herrsche "große Sorge", teilte die Polizei mit. Die Angabe, es würden 300 Tote befürchtet, wurde korrigiert. Die Behörden rechneten mit insgesamt rund 200 Toten.

Unter den Opfern ist auch ein erst fünf Monate altes Baby. Wie der "New Zealand Herald" berichtete, war der kleine Baxtor 13 Tage nach dem Beben vom 4. September vergangenen Jahres geboren und vor einer Woche bei dem letzten Erdbeben von einem herabfallenden Fernseher erschlagen worden. An diesem Montag soll er zusammen mit anderen Opfern beigesetzt werden. Wegen der schweren Schäden droht einem Drittel des Stadtzentrums von Christchurch nach Angaben von Experten der Abriss.

Premierminister John Key traf am Samstag Angehörige der Toten und Vermissten des Bebens und rief für kommenden Dienstag zu einer Schweigeminute auf, um der Opfer zu gedenken. Am vergangenen Dienstag war Christchurch zur Mittagszeit von einem Beben der Stärke 6,3 erschüttert worden. Zuletzt hatten Rettungskräfte am Mittwoch Überlebende aus den Trümmern der eingestürzten Gebäude geborgen. Seitdem gab es keine Lebenszeichen mehr. Es war die schlimmste Katastrophe in Neuseeland seit 1931, als bei einem Erdbeben 256 Menschen ums Leben kamen.

Mit den Folgen des Bebens wird Christchurch noch lange zu kämpfen haben: Möglicherweise müsse ein Drittel des Stadtzentrums abgerissen werden, sagte der Ingenieur Jason Ingham von der Universität Auckland am Samstag dem Fernsehsender TVNZ. Das legten in den vergangenen Tagen vorgenommene Untersuchungen an den betroffenen Gebäuden nahe. Christchurchs Bürgermeister Bob Parker sagte zu Sky News, es müssten ganze Häuserblocks abgerissen werden. Der für die Folgen des Erdbebens zuständige Minister Gerry Brownlee sagte, das Stadtzentrum müsse möglicherweise monatelang abgesperrt bleiben.

Spektakuläre Rettungsaktion

Brownlee warnte auch, dass Christchurch als Austragungsort der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland in Gefahr sei. Ob einige der Spiele des Turniers wie geplant im September und Oktober in Christchurch ausgetragen werden könnten sei fraglich, sagte er zu TVNZ. Die Rugby-Weltmeisterschaft zu verlieren wäre zwar ein herber Schlag für die Stadt, die Frage müsse aber angesichts der enormen Schäden in der Stadt "realistisch" angegangen werden. In der 390.000-Einwohner-Stadt waren am Samstag noch immer 62.000 Haushalte ohne Wasser, bei 100.000 Haushalten gab es kein Abwasser. 800 mobile Toiletten wurden bereitgestellt, um der Gefahr von Krankheiten zu begegnen.

Von einer spektakulären Rettungsaktion berichtete ein 64-jähriger Behördenmitarbeiter: John Haynes machte sich seine Fähigkeiten als Bergsteiger zunutze, um 14 Kollegen beim Abseilen aus einem zerstörten Bürohochhaus zu helfen, wie er der Zeitung "Christchurch Press" berichtete. Die Kollegen seilten sich 20 Meter tief ab und brachten sich so vor dem drohenden Einsturz des Gebäudes in Sicherheit.

AFP/DPA / DPA