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Flug MH370: Ermittler wollen Ehefrau eines Piloten befragen

Hat einer der Piloten des Fluges MH370 etwas mit dem Verschwinden der Maschine zu tun? Klarheit soll die Befragung von dessen Ehefrau bringen. Inzwischen wurden weitere mögliche Wrackteile gesichtet.

Bei den Untersuchungen zum Verschwinden der Malaysia-Airlines-Maschine MH370 gerät die Frau eines Piloten in den Fokus der Ermittlungen. Die Ehefrau von Zaharie Ahmed Shah soll im Zusammenhang mit dem Verdacht befragt werden, dass ihr Mann etwas mit einer möglichen Entführung der Maschine zu tun haben könnte, berichtet der "Daily Mirror" unter Berufung auf einen Informanten.

Die Mutter dreier Kinder soll im Rahmen einer Untersuchung gehört werden, die vom US-Inlandsgeheimdienst FBI unterstützt wird. Geleitet werden die Ermittlungen von malaysischen Behörden. Die Amerikaner dringen darauf, so der Insider, die persönlichen Hintergründe der zwei Flugzeugführer zu erforschen. Die Maschine verschwand vor mehr als zwei Wochen vom Radar und könnte im Indischen Ozean abgestürzt sein. Darauf deuten Objekte hin, die dort gesichtet wurden und Wrackteile der Maschine sein könnten. Die Hintergründe des Verbleibs von Flug MH370 sind völlig unklar.

Die Untersuchung zum Co-Piloten Fariq Abdul Hamid sei nahezu abgeschlossen, heißt es in dem Bericht weiter. "Im Leben Hamids scheint es nichts zu geben, das für ein Entführungsmotiv spricht", sagte der Insider der britischen Tageszeitung. Dies bedeute, man werde das Hauptaugenmerk nun auf den Piloten Shah legen. "Das persönliche Leben von Shah ist deutlich komplexer und befindet sich daher noch immer im Prozess der Enträtselung", so der Informant im "Mirror".

Es sehe so aus, als habe sich die Ehe zwischen dem Piloten und seiner Frau zuletzt deutlich verschlechtert. Zudem soll er einen malaysischen Oppositionsführer unterstützt haben, der kürzlich verhaftet wurde. Gleichzeitig prüfe die Polizei Berichte, wonach Shah kurz vor dem Start ein Zwei-Minuten-Telefonat mit einer bisher noch unbekannten Frau geführt haben soll, die offensichtlich eine Mobilnummer unter falschen Namen nutzte.

Für die Ermittler könnte dies ein Hinweis auf eine mögliche Verbindung zwischen dem Flugkapitän und Terror-Gruppen sein. Diese nutzen regelmäßig SIM-Karten, die nicht nachverfolgt werden können.

Weitere mögliche Wrackteile entdeckt

Unterdessen sichtete Australien zwei weitere verdächtige Objekte im Ozean. Premierminister Tony Abbott sagte, zu der Stelle im südlichen Indischen Ozean werde ein Schiff geschickt, um die im Meer treibenden Teile zu bergen. Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein sagte am Montag in Kuala Lumpur, das eine Objekt sei kreisförmig, das andere rechteckig. Die australische Regierung habe Malaysia "wenige Minuten zuvor" über die Entdeckung informiert.

Das Versorgungsschiff "HMAS Success" war in der Nähe. Wenn es die Teile finden kann, könnten sie in den nächsten Stunden geborgen werden, sagte Hussein.

Zuvor hatte bereits ein chinesisches Militärflugzeug am Montag "verdächtige Objekte" gemeldet, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Besatzung habe "zwei relativ große schwimmende Objekte und viele kleinere weiße innerhalb eines Radius' von mehreren Kilometern" gesehen.

Laut Angaben der "Malaysia Airlines" liegt die Absturzzone "westlich von Perth" - genau das zweifeln chinesische Experten noch an

Gebiete, in denen die verschollene Maschine gesucht wurde und wird

Satellitenbilder gaben erste Hinweise

Seit Donnerstag überfliegen Flugzeuge aus den USA, Japan und Australien die entlegene Gegend 2500 Kilometer südwestlich der australischen Stadt Perth. Am Montag kam China mit zwei Militärmaschinen dazu, die Zahl der beteiligten Flugzeuge stieg damit nach Angaben der Australischen Behörde für Seesicherheit (Amsa) auf zehn. China verstärkte zudem mit sieben Schiffen die Suche zu Wasser, an der auch australische und britische Marineschiffe beteiligt sind.

Allerdings machen die harschen Wetterbedingungen im Meer zwischen Australien und der Antarktis die Suche nach vermeintlichen Wrackteilen des Flugzeugs so schwierig. "Die Strömung treibt die Teile in zwei Sekunden einen Meter weit", sagte Meeresforscher Charitha Pattiaratchi der Nachrichtenagentur DPA. Er arbeitet seit 25 Jahren an der Universität von Westaustralien in Perth und kennt die Region, in der das Wrack vermutet wird, gut. Die Teile wären ihm zufolge bis Montag fast 700 Kilometer weit getrieben.

Spezialgerät zur Ortung

Die US-Marine schickte eine Spezialausrüstung zur Ortung des Flugschreibers in die Region, in der das vermisste Flugzeug vermutet wird. Es handle sich um eine "vorsorgliche Maßnahme", sagte ein Marinesprecher. Es gehe darum, die Ausrüstung bereit zu halten. Wenn der Fundort feststehe, könne das System TPL-25 die Black Box in bis zu 6000 Meter Tiefe aufspüren.

Kommandant Chris Buddle betonte, die Entsendung des Geräts sei nicht als Bestätigung eines Fundes zu verstehen. Die Auswertung der Daten der Black Box, in der sich der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder befinden, ist entscheidend für die Aufklärung eines Flugzeugunglücks. Darin wird neben den technischen Daten wie Flughöhe und Geschwindigkeit auch die Kommunikation im Cockpit aufgezeichnet. Die Black Box kann aber nur bis zu 30 Tage nach einem Unglück ein Signal aussenden - es bleiben daher weniger als zwei Wochen.

Grund des Verschwindens unklar

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 8. März mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwunden. Später stellte sich heraus, dass Flug MH370 noch stundenlang mit geänderter Route weitergeflogen sein muss, während die Kommunikationssysteme im Cockpit offenbar von Hand abgeschaltet wurden.

Bislang haben Experten drei Erklärungen für das mysteriöse Verschwinden: Entführung, Sabotage durch die Piloten oder eine Katastrophe wie etwa ein Brand, der Crew und Passagiere außer Gefecht setzte - die Maschine könnte dann noch stundenlang per Autopilot weitergeflogen sein, bis ihr der Treibstoff ausging.

anb/yps/DPA/AFP / DPA